Bauernopfer

#355

Steinbrück 3
Peer Steinbrück
Noch Kanzlerkandidat der SPD

Peer Steinbrück hat heute seinen Sprecher rausgeschmissen. Rund 100 Tage vor der Wahl. Und warum? Was veranlaßt einen, der als Kanzlerkandidat bezeichnet wird, unmittelbar vor der heißen Phase des Wahlkampfs seinen wichtigsten Mitarbeiter an die frische Luft zu setzen? Dies: Der Wahlkampf habe „höchsten professionellen Abwägungen zu folgen“. Steinbrück gibt also offen zu, daß bei der Wahl seines engsten Mitarbeiters jemanden gewählt hat, der dem Job nicht gewachsen ist. Nun, das trifft auch auf alle anderen zu – insbesondere auf diejenigen, die er in sein Schattenkabinett gerufen hat.

Die Wahrheit scheint doch zu sein, daß Steinbrück längst verstanden hat, daß er vieles werden kann – aber niemals Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er scheint es nicht mehr zu wollen. Was er erhofft, ist dies: daß die FDP den Einzug in den Bundestag nicht schafft und daß die CDU/CSU unter der Führung von Angela Merkel mit der SPD eine große Koalition bildet.

Dieser Bundestagswahlkampf der SPD ist jedenfalls der dilettantischste, den ich erlebe (und ich bin 47). Dagegen war Rudolf Scharping ja geradezu der Renner. Übertroffen wird Steinbrück nur noch vom Fettnapf-Wahlkampf des Obermünchners Christian Ude. Sozialdemokrat zu sein, ist in diesen Tagen gewiß besonders schwer. Menschlich tun mir manche Genossen durchaus leid. Politisch aber ist es zu begrüßen.

André Freud

(Bild: dts Nachrichtenagentur, http://www.dts-nachrichtenagentur.de/nachrichtenbilder.php, abgerufen aus http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dts_news_streinbrueck_wikipedia.JPG)

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