D-Day

#350

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Heute vor 69 Jahren landeten die westlichen Alliierten in der Normandie, um das Morden in Europa, um die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zu beenden.

Bis heute ist diese amphibische Aktion die gewaltigste Militäraktion, die es je gab. Etwa anderthalb Millionen Mann kamen über den Ärmelkanal und nahmen den Kampf auf gegen das widerwärtigste Regime, dessen Zweck Mord, Raub und Haß war.

Wir haben allen Grund und Anlaß, diesen Männern – von denen heute nur noch wenige leben – ein ehrendes Andenken zu bewahren. Ohne sie hätten die Nationalsozialisten weiter geherrscht, gemordet, vernichtet oder Stalin hätte die Herrschaft über Europa übernommen. Beide Vorstellungen sind nicht gleich, aber beide sind entsetzlich.

Wir heute im freiheitlichsten, im demokratischsten und im rechtsstaatlichsten aller deutschen Staaten lebenden Menschen sollten uns an Daten wie heute einmal für einen Moment darauf besinnen, daß Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit sind. Sie kommen nicht von selbst, sondern müssen errungen werden. Und sind sie erst errungen, dann müssen sie verteidigt werden. Immer wieder.

Die Freiheit der Menschen ist immer wieder bedroht. Nur deswegen, weil sie 1933 bis 1945 nahezu vernichtet wurde, heißt das nicht, daß es heute keine Bedrohungen der Freiheit gibt. Die Demokratie ist immer wieder bedroht. Nur deswegen, weil sie von 1933 bis 1945 vollständig pervertiert wurde, heißt das nicht, daß es heute keine Bedrohungen der Demokratie mehr gibt. Der Rechtsstaat ist immer wieder bedroht. Nur deswegen, weil das, was im Namen des Volkes von 1933 bis 1945 geschah, einem heute noch Zorn und Scham ins Gesicht treibt, heißt das nicht, daß es heute keine Bedrohungen des Rechtsstaats mehr gäbe.

Unser Staat, die Bundesrepublik Deutschland, ist ein Glücksfall der deutschen Geschichte. Sein Zustandekommen konnte nur geschehen, nachdem die Nationalsozialisten besiegt wurden. Das zeigt uns, daß es Momente in der Geschichte gibt, in denen nicht Krieg das Schlimmste ist, sondern in denen es schlimmer ist, keinen Krieg zu wagen.

Gerade deswegen, weil diese Erkenntnis schlimm ist, muß alle Politik danach streben, es niemals so weit kommen zu lassen. Jedem, der den Frieden gefährdet – warum auch immer; vielleicht nur deswegen, weil es ihm schlichtweg egal ist, was er anrichtet -, muß klar gezeigt werden, daß wir alles Zumutbare tun werden, um Krieg zu vermeiden, daß wir aber auch am Ende des Tages und wenn nichts, gar nichts anderes mehr möglich ist, uns verteidigen werden. Der gut gemeinte, aber grausame Irrtum hinter dem Gedanken von Appeasement wird sich nicht mehr wiederholen.

Natürlich: Deutschland droht keine Gefahr durch eine bewaffnete Auseinandersetzung. Das ist aber nicht deswegen so, weil die Welt friedlich geworden wäre oder weil es das Böse nicht mehr gäbe. Das ist deswegen so, weil wir Teil der NATO sind, weil wir uns wehren können und weil wir Verbündete haben. Das ist deswegen so, weil wir in der EU sind – und damit in einem Europa leben, das noch nie eine so lange Friedensperiode erlebt hat.

Ein Tag wie heute ist geeignet, um für einen Moment daran zu denken, daß nichts selbstverständlich ist.

André Freud

(Bild: US Coast Guard, public domain. Landungsschiffe an Omaha Beach)

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Ein Kommentar

  1. Spricht mir direkt aus dem Herzen!

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