Der grüne Beinahe-OB

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Die Grünen haben Achim Mletzko zu ihrem OB-Kandidaten gekürt. Dabei verwundert vor allem eines: Warum?

Unter Mletzkos maßgeblicher Führung haben die Grünen alles getan, um die Kooperation zwischen CSU und SPD im Nürnberger Rathaus zu einem Ende zu bringen und selbst mit der SPD zu regieren. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Das ist völlig legitim. Man wird aber zwei Sachen fragen dürfen:

  1. Was würde eine rot-grüne Kooperation für Nürnberg bedeuten?
  2. Wie hat Mletzko das angestellt, und woran ist er gescheitert?

Eine rot-grüne Kooperation wäre für Nürnberg ein Desaster. Wenn die SPD sich nicht mehr in unsere Richtung, in Richtung der Bürgerlichen orientiert, sondern ins linke Wohlfühlmantra der Grünen, dann werden auch innerhalb der SPD die Zentrifugalkräfte stärker. Die SPD, die durch die Kooperation mit uns zwangsläufig die bürgerlichen Interessen nicht ganz außer Acht lassen kann, würde sich und ihre Politik sehr verändern. Ins Negative. In der SPD sind – aus unserer Sicht – sehr wohl vernünftige Menschen aktiv, mit denen gemeinsam man eine insgesamt halbwegs gute Politik machen kann, wenn der Wähler das denn so anrichtet. Freilich sehen wir in der SPD aber auch sehr wohl solche Politiker am Werk, die wir nicht in die Rubrik „vernünftig“ einsortieren. Daß es die SPDler umgekehrt vermutlich genauso sehen, versteht sich von selbst. Würde die SPD die Kooperation mit der CSU aufgeben und mit den Grünen zusammengehen, dann würden eben jene Kräfte erstarken, die sich nicht darum scheren, daß irgend jemand bittschön das Geld verdienen muß, daß die dann rausblasen wollen. Dann würde jene tonangebend werden, die durchaus einen Hang dazu haben, den Menschen die rechte Lebensweise aufzuzwingen. Da mag man über die „Veggie Thursday“ schmunzeln, sei er doch nur eine Petitesse. Nun, er ist eben keine Petitesse, sondern eine Revolution von oben: die Obrigkeit will inzwischen den Menschen sogar vorschreiben, was sie zu essen haben. Und sie scheren sich nicht um die Freiheit der Menschen… Deswegen ist es gut für Nürnberg, daß weiterhin die CSU mit der SPD kooperiert. Wir können dadurch natürlich nicht alles Richtige durchsetzen – aber wir können die meisten Fehlentscheidungen verhindern (ist der Sozialdemokrat als solcher doch im Einzelgespräch meistens durchaus für Argumente empfänglich), und das ist doch auch schon eine Menge wert. In anderen Themen treiben wir sie voran und kommen am Ende des Tages doch zu einem vernünftigen Ergebnis. Wenn nur nicht alles immer so lange dauerte! Aber, unterm Strich: eine schwarz-rote Kooperation ist bei der gegenwärtigen Verteilung im Stadtrat das Beste für Nürnberg.

Und wie hat Meltzko nun seinen Versuch unternommen, die CSU als Partner der SPD abzulösen? Da kenne ich freilich vor allem Gerüchte und will die lieber, da unbestätigt, nicht einfach in die Welt hinaus posaunen. Die Idee, in Nürnberg anstatt eines Baureferenten einen grünen „Planungsreferenten“ zu haben, der jedes Vorhaben verhindert, das nicht das grüne Eidschi-Bum-Beitschi-Gefühl bedient, ist derart hanebüchen, daß einem nichts dazu einfällt.

Mletzko wähnte sich wohl schon im Ziel. Aber bevor man ins Ziel kommt, muß man am OB vorbei. Und da wurde, wie es den Anschein hat, Maly unterschätzt. Man mag ja von seiner Politik des Wegsehens, des Aussitzens, des Abschaltens denken und halten, was man mag, und daß die hier nicht wirklich häufig gelobt wird, ist bekannt. Aber Mletzko hat eines unterschätzt: Malys Begabung im politischen Spiel. Der OB versuchte, die CSU zu bändigen, indem er einen offensichtlichen Flirt mit den Grünen begann.

In Ehen gibt es derlei (man verzeihe mir bitte die Verwendung des atavistischen Beispiels „Ehe“): eine Frau sitzt mit ihrem Mann im Restaurant und fühlt sich von ihm nicht hinreichend beachtet und wert geschätzt; was tut sie? Sie flirtet über den Tisch hinweg mit einem anderen. Was wird – ihrem Plan nach – ihr Mann tun? Ganz klar: Aus Sorge, sie zu verlieren, wird er sich mehr ins Zeug legen. Allerdings muß der Plan keineswegs aufgehen. Es kann nämlich durchaus sein, daß der Ehemann sich den Nebenbuhler anschaut und bei sich denkt: Na, wenn sie wirklich mit dem etwas anfangen will – dann bon voyage! Am Ende der Situation, die durchaus eine Krise zu nennen ist, sind sich vielleicht beide Partner einig darin, daß es für sie beide am besten ist, miteinander weiter zu machen. Liebes-Ehe? Nein, so wirkt das nicht – aber deswegen gebraucht man für diese Form des Zusammengehens in der Politik den Ausdruck „Vernunftehe“.

Was aber stets beachtet werden sollte: Derjenige, mit dem die Frau den Fremdflirt begann, war natürlich niemals so nahe am Ziel, wie er selbst glaubte. Während er sich bereits den schönsten Hoffnungen hingab, war ihr doch von Anfang an klar, daß sie ihn nur als kleines Droh- und Druckmittel benutzen wird. Sie hat nicht wirklich vorgehabt, mit ihm den Rest des Abends zu verbringen. Sie mag keck sein, aber sie ist realistisch.

Ihr Plan ging aber auch nicht wirklich auf, denn ihr Mann nahm das kleine Intermezzo keineswegs zum Anlaß, nun nach ihrer Pfeife zu tanzen. Er beschloß vielmehr für sich: Sie muß wissen, was sie an mir hat. Wenn sie es nicht mehr weiß – nun denn, dann ist es eben vorbei. Wenn sie es aber weiß, dann wird sie sich auf mich zu bewegen, so, wie ich mich auf sie zu bewege.

Und so ging es dann für Mletzko aus wie das Hornberger Schießen: Während er sich quasi schon an der Tür zu seinem künftigen Büro sah und womöglich Kataloge mit umweltfreundlichen Dienstfahrzeugen wälzte, war er in Wirklichkeit überhaupt nicht real im Spiel gewesen.

Das, was Mletzko da passierte, kann jedem passieren. Es zeigt aber zweierlei: Erstens, daß man die Kompetenz des OB zur politischen Ranküne nicht zu unterschätzen hat. Zweitens, daß Sebastian Brehm und die CSU-Fraktion über die gute Tugend der Standhaftigkeit verfügen. Und drittens, daß Maly und SPD-Fraktionschef Vogel wissen, daß eine Kooperation mit der CSU für das Wohl der Stadt gewiß die bessere Grundlage ist.

André Freud

(Text & Bild)

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