Warum schweigen Sie, Herr Tasdelen?

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Millî Görüş ist eine weltweite Organisation mit islamistischen Tendenzen und antisemitischen Charakterzügen, die in deutlicher Gegnerschaft zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht, ein antidemokratisches Staatsverständnis zeigt und westliche Demokratien ablehnt. Das ist nicht meine persönliche Einschätzung allein, das ist die Einschätzung u.a. des Bundesamts für Verfassungsschutz. Deutsche Gerichte haben festgestellt, daß es rechtens ist, diese Aussagen über Millî Görüş zu tätigen.

Wenn eine solche Organisation zu einer Demonstration aufruft, dann hat man da nicht hinzugehen. Dabei spielt es keine Rolle, für welches Ziel sich die Demonstration einsetzt: man macht das schönste Ziel kaputt, wenn man gemeinsam mit einer solchen Organisation dafür eintritt.

Wenn eine Organisation, die mit den Worten islamistisch und antisemitisch in Verbindung zu bringen ist, gegen Rassismus demonstrieren geht, dann stellt sich ohnehin die Frage nach der Begriffsverwirrung. Sowohl Islamismus als auch Antisemitismus sind Rassismus.

Um hier etwas ganz klar zum Ausdruck zu bringen, damit keinerlei Mißverständnis entsteht: Die Religion Islam und die politische Haßideologie Islamismus haben außer den ersten fünf Buchstaben nicht viel miteinander zu tun.

Aber zurück zu Millî Görüş. Wie kann es sein, daß ein Stadtrat der SPD, ein Landtagskandidat der SPD auf einer von Millî Görüş mit organisierten Demonstration teilnimmt – und zwar nicht einfach irgendwo in der Menge, sondern als angehender Politiker vorneweg, der sich mit den Veranstaltern vor den Demonstranten photographieren läßt?

Wie kann ein Mann, der im September zum Mitglied des Bayerischen Landtags gewählt werden will, gemeinsame Sache machen mit einer Organisation, die mit den Worten Islamismus, Antisemitismus, Demokratiefeindschaft in Verbindung steht?

Weil es in diesem Blog zwar zuweilen scharf, aber nicht unfair zugeht, wurde Arif Tasdelen vor über 24 Stunden via eMail angeschrieben und um eine Erklärung gebeten. Diese wäre dann in der Berichterstattung wiedergegeben worden. Arif Tasdelen hat es vorgezogen, lieber gar nicht zu reagieren. Das ist zu wenig, Herr Tasdelen. So einfach geht es nicht. Sie stecken mitten im Wahlkampf, und da gehen Sie mit Millî Görüş demonstrieren – das ist aufzuklären. Da sind Fragen offen, und die werden Sie wohl beantworten müssen, wenn Sie nicht Ihre Glaubwürdigkeit preisgeben wollen

Ein SPD-Politiker gemeinsam mit Millî Görüş – das dürfte wohl nicht nur von hier aus als absolut unannehmbar, als völlig inakzeptabel angesehen werden.

André Freud

(Bild & Text)

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3 Kommentare

  1. Tasdelen sagt:

    Sehr geehrter Herr Freud, ich habe auf Einladung der ‚türkischen Gemeinde in der Metropolregion‘ an einer Demo vor der Lorenzkirche teilgenommen. Anlaß war der Prozeßauftakt der NSU-Morde. Es waren VertreterInnen aller Parteien (auch Ihrer) anwesend. Der Vorsitzende der türk. Gemeinde, Herr Prof. Dr. Dr. Bahadir, hat als Organisator eingeladen und mich pers. gebeten, anwesend zu sein. Ich bin seiner Einladung gerne gefolgt, weil ich seit dem ich denken kann -auch als Gewerkschafter- immer gegen rechtes Gedankengut aufgestanden bin. Leider musste ich nach ca. 15 Min. gehen, weil ich in meiner Funktion als Vorstadtvereinsvorsitzender in der Scharrerstr. -am Tatort- mit den SchülerInnen der Scharrerschule an das NSU-Opfer, Ismail Yasar, erinnert habe. Sie könnten es sicher der Presse vom 07.05 entnehmen.

  2. jajaja sagt:

    Herr Freud, würden Sie bitte für die Nichtwissenden unter uns mal klären, 1. Um welche Demo und zu welchem Thema demonstriert wurde und 2. Wie kann es sein, dass ein deutscher Innenminister die Hauptrede auf einer von der DKP mit organisierten Demo gehalten hat?
    Nur so als Beispiel…
    Von dem Fall Bushido mal gar nicht zu reden. Klären sie Punkt 1 hier auf damit alle das gleiche Wissen haben.

  3. Ausnahmsweise schaltete ich diesen anonymen Kommentar frei. Es gilt aber nach wie vor, was im Impressum steht: „Hinweis: Da es in diesem Blog um politische Themen geht, stoßen die Beiträge hier sowohl auf zustimmende als auch auf ablehnende Kritik. Wer derlei loswerden möchte, kann gerne die Kommentarfunktion nutzen. Da in letzter Zeit zunehmend diese besondere Spezies der anonymen Maulhelden, die in ihrer Memmenhaftigheit Proxys benutzen, damit ihre wahre IP nicht sichtbar wird, diese Funktion nutzen, um im feigen Schutz der Anonymität ihre Beleidigungen loszuwerden, gilt: Kommentare werden nur dann freigeschaltet, wenn der Kommentierende unter seinem wahren Klarnamen auftritt.“
    Zu Ihren Fragen: 1. Es gibt drei Artikel in diesem Blog zu diesem Thema; in zweien davon ist ausführlich das geschildert, was Sie fragen; auch ist ein Beitrag des Bayerischen Rundfunks dazu verlinkt. Das sollte genügen. 2. Wenn andere etwas falsches machen, kann man daraus keine Rechtfertigung saugen. 3. Meine Meinung zu Bushido schreibe ich lieber nicht.

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