Eine Antwort, die keine Antwort ist

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Arif Tasdelen, Stadtrat der SPD in Nürnberg und Landtagskandidat der SPD für den Stimmbezirk Nürnberg-Nord, nahm im April an einer Demonstration teil, die von Millî Görüş mit organisiert wurde. Das gibt Anlaß zu Fragen, denn Millî Görüş vertritt islamistische und antisemitische Tendenzen und wird vom Verfassungsschutz als demokratiefeindlich eingestuft.

In diesem Blog und auf Facebook (unter „André Freud“) wurde daher an Tasdelen die Frage gestellt, weshalb er an einer solchen Demonstration teilnimmt. An Tasdelen selbst ging eine eMail mit der Aufforderung, hierzu eine Erklärung abzugeben. Er reagierte nicht – er ist dazu auch nicht verpflichtet. Deshalb ging heute morgen an den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Nürnberger Stadtrat und Vorsitzenden der Nürnberger SPD, Christian Vogel, eine eMail mit der Bitte um Stellungnahme. Christian Vogel reagierte sofort und kündigte eine Erklärung von Arif Tasdelen an. Diese ging dann auch heute vormittag sowohl auf der Facebook-Seite als auch (identisch) im Blog als Kommentar ein.

Sie lautet: „Sehr geehrter Herr Freud, ich habe auf Einladung der ‚türkischen Gemeinde in der Metropolregion‘ an einer Demo vor der Lorenzkirche teilgenommen. Anlaß war der Prozeßauftakt der NSU-Morde. Es waren VertreterInnen aller Parteien (auch Ihrer) anwesend. Der Vorsitzende der türk. Gemeinde, Herr Prof. Dr. Dr. Bahadir, hat mich als Organisator eingeladen und pers. gebeten, anwesend zu sein. Ich bin seiner Einladung gerne gefolgt, weil ich seit dem ich denken kann -auch als Gewerkschafter- immer gegen rechtes Gedankengut aufgestanden bin. Leider musste ich nach ca. 15 Min. gehen, weil ich in meiner Funktion als Vorstadtvereinsvorsitzender in der Scharrerstr. -am Tatort- mit den SchülerInnen der Scharrerschule an das NSU-Opfer, Ismail Yasar, erinnert habe. Sie könnten es sicher der Presse vom 07.05 entnehmen.“

Diese Antwort, Herr Tasdelen, ist keine Antwort. Zunächst etwas Wortkritik: Sie meinen bestimmt und hoffentlich nicht „rechtes“ Gedankengut, sondern „rechtsextremes“. Genau so, wie wir Schwarzen politisch rechts stehen, stehen die Sozialdemokraten politisch links. Das ist auch völlig in Ordnung so. Beide bewegen sich absolut innerhalb des Bereichs des Grundgesetzes, beide sind Parteien, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung begründet haben und gegen Angriffe verteidigen. Ich möchte Sie deswegen bitten, künftig nicht einfach von „rechts“ zu sprechen, wenn Sie doch wohl „rechtsextrem“ meinen.

Zum Inhalt Ihrer „Antwort“: Sie schreiben, daß Sie an dieser Demonstration und Kundgebung aus Anlaß des Beginns des Prozesses gegen diese Person Zschäpe et. al. vor dem Oberlandesgericht in München teilnahmen, weil Sie gegen „rechtes“ (rechtsextremes) Gedankengut aufstehen. Sehen Sie, Herr Tasdelen: Gegen rechtsextremes, rassistisches Gedankengut werden Sie mich gerade auch als CSU-Politiker stets an Ihrer Seite wissen. Der menschenverachtende Haß dieser neonazistischen Mörder muß auf eine einhellige Verurteilung aller treffen.

Mit keinem Wort kritisiere ich, wofür Sie demonstrierten. Ich kritisierte, mit wem Sie demonstrierten. Dazu allerdings findet sich in Ihrer Reaktion nicht ein einziges Wort. Sie stellen fest, daß Sie auf Einladung des Vorsitzenden der türkischen Gemeinde eingeladen wurden. Das glaube ich Ihnen. Wie Sie aber in diesem Artikel des Bayerischen Rundfunks nachlesen können, war Millî Görüş einer der Veranstalter der Demonstration.

Die Frage an Sie war nicht, ob Sie gegen Rassismus sind. Das versteht sich doch wohl von selbst. Die Frage an Sie war, wieso Sie mit einer Vereinigung gegen Rassismus demonstrieren, die sich selbst bescheinigen lassen muß, für rassistische Tendenzen in Form von Antisemitismus zu stehen. Und islamistische Tendenzen. Und Demokratiefeindlichkeit.

Dazu haben Sie, Herr Tasdelen, kein Wort gesagt. Ist das so zu verstehen, daß Sie sich von Millî Görüş nicht distanzieren?

André Freud

(Text & Bild)

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