Randale in GoHo?

#324

Nein – muß man auf die im Titel gestellte Frage antworten. Gewiß: Üblicherweise wird die CSU freundlicher empfangen als gestern im Jamnitzer Park. Ein Gruppe überwiegend junger Menschen hatte unsere Plakate gesehen, mit denen wir ankündigten, daß die CSU-Stadtratsfraktion den Jamnitzer Park besuchen wird, um mit den Bürgern zu diskutieren.

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Leider ist die Diskussionsbereitschaft mancher nur gering ausgeprägt. Da war eine künstlerisch mäßig wertvolle Müll-Installation angerichtet, da gab es nur mäßig gewitzte Sprüche zu lesen, und als die Fraktion dann eintraf, wurden – ebenfalls mäßig gewitzte – Sprechchöre vorgetragen. Freilich gab es auch reichlich Verbalinjurien, Geschrei – aber: es blieb friedlich, will sagen: Es gab keinerlei körperliche Gewalt.

Sind wir bereits soweit, daß man das hervorheben muß? Nein, natürlich nicht. Das ist die absolute Grundbedingung menschlichen Zusammenlebens. Aber eben deswegen, weil es keinerlei körperliche Gewalt gab, kann man eben auch nicht von Randale sprechen. Es war etwas unruhig, es war auch teilweise unfreundlich – aber letzten Endes wurde, trotz extrem lauter und schriller Störgeräusche via Megaphon wurde eben doch miteinander gesprochen. Das konnte nicht verhindert werden, denn es ist denen, die gerade nicht ihren Kopf ausschalten, um dumpfe Parolen zu grölen, klar und bewußt, daß man miteinander reden muß: es gibt keinen anderen Weg.

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Zwei Irrtümer sollen angesprochen werden:

  1. Keine Gruppe hat das Recht, diesen Park als „ihren“ Park anzusehen, sich ein Hausrecht anzumaßen und einer anderen Gruppe den Park zu verwehren. Dieses Recht hat die CSU nicht – und dieses Recht hat die Gruppe der Jugendlichen nicht, die da gestern präsent war. Der Unterschied aber ist der: Wir wollen niemandem den Park verwehren – die aber wollten das schon. „Haut ab aus unserem Park“ war noch eine der harmloseren Parolen, und man muß schon fragen dürfen, was denn mit „unserem“ Park gemeint ist. Haben sie ihn bezahlt? Haben sie ihn gebaut? Hat man ihn ihnen geschenkt? Und wie ist das überhaupt mit der linken Parole, daß Eigentum etwas Schlechtes sein? Da wirft man mal so eben alles mögliche über Bord, wenn es einem paßt. Aber gut – niemand erwartet, daß gegrölte Parolen besonders geistreich sein müssen. Übrigens will die CSU niemanden aus dem Park ausschließen – keinen Menschen -, sondern bestimmte Verhaltensweisen verhindern, die für den Park und seine Menschen schlecht sind. Wenn ein bestimmter Mensch, um ein Beispiel zu nehmen, sich im Park betrunken aggressiv gegen andere verhält und Omi Erna sich dann nicht mehr in den Park traut, weil sie Angst hat, dann sagen wir: dieses Verhalten ist unzulässig, und es muß abgestellt werden. Wenn der gleiche Mensch sich korrekt verhält, dann soll er im Park sein – wie alle anderen auch. Wir haben nichts gegen Menschen, weder gegen die eine Gruppe noch gegen die andere.
  2. Wenn eine Verhaltensweise schlecht ist, dann ist sie schlecht, und zwar unabhängig von der Frage, wer es an den Tag legt. Es ist schon mehr als merkwürdig, wenn man von den gleichen Menschen binnen weniger Sekunden sowohl die Forderung hört, daß wir CSUler aus dem Park verschwinden sollen, als auch, daß dieser Park für alle da sein soll. Ja, wie denn nun? Und gleichzeitig wird uns – zu Unrecht – vorgeworfen, daß wir angeblich jemanden aus dem Park vertreiben wollen. Entweder, Ihr Lieben, ist es schlecht, bestimmte Menschen aus dem Park zu vertreiben – dann handelt Ihr schlecht, wenn Ihr uns aus dem Park vertreiben wollt. Oder aber es ist nicht schlecht, Menschen aus dem Park vertreiben zu wollen, dann wäre Euer Vorwurf an uns, selbst wenn er wahr wäre (was er nicht ist), kein Vorwurf mehr. Entweder ist es  schlecht, andere zu beleidigen – dann dürft auch Ihr niemanden beleidigen. Oder es ist nicht schlecht, aber dann habt Ihr auch keinen rechten Grund, beleidigt zu sein. Ihr müßt Euch schon entscheiden.

Der Versuch, diese und andere Grundsätzlichkeiten zu erörtern, nahm viel Zeit in Anspruch, und er mußte auch mehrfach unternommen werden, denn es wurde von einzelnen wieder und wieder versucht, die Situation anzuheizen. Interessant war es übrigens, wie demonstrativ machtbewußt und mit dem Willen zur Unterdrückung versehen manche die Situation anheizen wollten.

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Sie konnten aber nicht verhindern, daß sinnvolle Gespräche geführt wurden. Da war eine ältere Anwohnerin, die sich erkennbar freute, daß die CSU-Stadträte vor Ort waren. Da war eine junge Frau, die erkennbar ernsthaft diskutierte – meiner Meinung nach mit erheblichen Schwächen in der Argumentation, aber sie war an einer inhaltlichen Auseinandersetzung interessiert und führte sie auch ernsthaft. Da waren auch manche, die auf einzelne von uns zukamen und mit gefühlt drei Zentimetern Abstand von Gesicht zu Gesicht irgend etwas schrien, die aber dann doch durch eine treffende Antwort vom Schreien abließen und, wenn auch nur kurz, einen kurzen Dialog begannen. Es wurden auch, in zwar überschaubarer Zahl, aber eben doch und immerhin, Kontaktdaten ausgetauscht, damit man den Dialog fortsetzen kann. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Sebastian Brehm vereinbarte mit jemandem konkret ein Folgetreffen, bei dem über das Thema Jamnitzer Park – in Ruhe! – weiter gesprochen werden soll.

Und das nämlich ist das gute Ergebnis von gestern: Wir haben einen Dialog begonnen. Er ist noch holprig, gewiß. Und vermutlich wird keiner, der da gestern gegen uns demonstrierte, nur deswegen CSU wählen. Das aber ist auch nicht Sinn noch Zweck. Uns geht es um ein gutes Miteinander. Daß wir davon andere Vorstellungen haben als manche, die da gestern besonders laut schrien – geschenkt, das ist so, damit müssen beide Seite leben. Aber daß wir eben einen Weg finden müssen, das ist doch den meisten klar.

Eines erlebt man auch immer wieder: von Gruppe zu Gruppe ist schlecht miteinander reden. Die CSU-Stadträte hielten keine Ansprachen, sie führten einzelne Gespräche. Das war gut. Und dort, wo sich diejenigen aus der Gruppe der „Demonstranten“ auf Einzelgespräche einließen, war es wenigstens ein Anfang von Dialog. Und deswegen war das gestern zwar einigermaßen anstrengend, aber es war gut und richtig. Wir sind eben doch näher am Menschen – und nicht nur dort, wo wir sowieso freundlich begrüßt werden.

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André Freud (Text und Bilder)

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