Von Grünen und von Schwarzen

#318

Grüne

 

 

Es gibt in der CSU manche, die mit einer gewissen Sympathie zu den Grünen schauen – so, wie halt manche Oma auch nicht anders kann, als der Enkelin mit den rot-gelb-grünen Haaren liebevoll hinterherzuschauen. Wenn der Satz „Fleisch von meinem Fleisch“ wirkt, dann ist eben die Bindung stark.

Die Grünen sind in gewisser Weise Fleisch von unserem Fleisch. Die Bewahrung der Schöpfung ist ein Topos von anno Alfons Goppel: im Jahr 1970 schuf er das bayerische Umweltministerium und damit das erste Umweltministerium überhaupt. Man sollte also meinen, daß in diesem Thema tatsächlich eine gewisse Bindung zwischen CSU und Grünen besteht. Bei genauerer Betrachtung jedoch erschließt sich, daß es auch ganz erhebliche Unterschiede gibt. Während bei der CSU der Primat der Politik dem Menschen gilt, scheint bei den Grünen der Primat eher einem guten Gewissen zu gelten; da können die berechtigten Interessen von Menschen schon durchaus mal ignoriert werden. Schwarze Politik ist bestrebt, daß es den Menschen gut geht (und dabei doe Lebensgrundlagen so gut wie möglich bewahrt bleiben). Grüne Politik ist bestrebt, daß die Grünen ein Gefühl der moralischen Überlegenheit aufbauen und sich darin sonnen (auch wenn es den Menschen schlecht geht, sie unter den Steuern leiden, ihre Interessen nicht berücksichtigt werden, sie unfrei gehalten werden).

Allerdings: Wenn ich mir grüne Wähler anschaue, dann sehe ich das auch entspannter; der politische Impuls wird bei mir persönlich viel stärker gekitzelt, wenn ich mir grüne Politiker anschaue. Und über diese Beobachtung komme ich, absolut subjektiv, zu folgender These: Die Grünen sind eine Partei, die von Hohepriestern des Bestmenschentums geführt wird, aber in gewisser Weise sind die Wähler der Grünen weitaus irdischer, also: realitätsbezogener als die Parteioberen.

Es sind oft Menschen, denen es in der realen Politik zu kalt, zu machtfixiert, zu wenig kuschelig zugeht. Sie wünschen sich ein ausgleichendes Moment, und deswegen neigen sie dann manchmal zu den Grünen. Man denke nur ganz kurz und für einen grausigen Moment an die Betroffenheitskultmaschine der Claudia Roth. Wer konnte jemals seine Betroffenheit so vorwurfsvoll in die Welt hinaus tragen wie Claudia Roth? Niemand. Man denke an Jürgen Trittin. Sein mittlerweile recht bürgerlicher Auftritt – was das Äußere betrifft – sollte nicht darüber hinwegtäuschen können, daß er seine kommunistische Gesellschaftsvorstellung vergangener Zeiten im Kern niemals ablegte. Für die grünen Hohepriester soll der Staat vor allem die Menschen zu einer besseren „Moral“ zwingen – also zu dem, was sie für moralisch halten.

Nun ist das allerdings oftmals keine sehr feine Moral, die da gepredigt wird – es ist eine saturierte Wohlstandsmoral. Es ist außerdem ein am Ende des Tages sogar recht menschenfeindliches Menschenbild, das irgendeine Göttin Gaia, also die Erdmutter, als oberste Instanz wiedererfunden hat, nach deren Gefallen die Menschen gefälligst zu leben haben. Wir Schwarzen haben eher ein Bild vor Augen, das den Menschen ein möglichst gutes Leben ermöglichen soll – und dabei Umweltgedanken mit berücksichtigen soll.

Der nächste Satz dürfte einen kleinen Sturm erzeugen, aber den halte ich aus: Wir Menschen sind nun einmal die Herren der Welt. Sind wir deswegen in der Lage, willkürlich mit ihr umzugehen? Sind wir omnipotent? Ganz sicher nicht. Unser Handeln hat Folgen, und die sind zu bedenken. Ich rede hier ganz gewiß nicht einer nicht an morgen denkenden Verantwortungslosigkeit das Wort. Aber wir sind eben nicht Objekt, wir sind Subjekt – und müssen uns dafür nicht dreimal täglich bei den Erdgeistern entschuldigen. Das rechte Maß zu finden zwischen Vorteil für die Menschen einerseits und Vorsorge für das Morgen andererseits, ist unsere Aufgabe. Diese Aufgabe löst man mit Vernunft – und nicht mit Gefühl.

Die Grünen sprechen ein diffuses Gefühl an, sie produzieren in Menschen gerne ein schlechtes Gewissen. Das fängt bei Bio-Lebensmitteln an. Auch die konventionelle Landwirtschaft produziert schließlich gesunde Nahrung. Und am Ende des Tages ist alles Bio, auch der Knollenblätterpilz. Und alles ist Chemie – auch das Tofu-Plätzchen. Am Anfang steht immer eine Begriffsverwirrung.

Freilich, auch ich bin nicht zur Gänze frei vom Zeitgeist. So kaufe ich gerne Bio-Milch. Die gute, mit 3,8 % Fett. Minimum. Es wäre schön, wenn jede Kuh auf der Welt einen Kuh-Paten hätte und nur zu Mendelssohn-Bartholdy gemolken werden würde. Aber darüber können wir dann reden, wenn jedes Kind genügend Milch zu trinken hat. Wir müssen eben bestrebt sein die Waage zu halten. Da hilft die Misanthropie, die tendenzielle Menschenverachtung mancher Politikansätze nicht weiter.

Die Begriffsverwirrung setzt sich weiter fort und wird besonders deutlich auf dem Gebiet der Außenpolitik. Gerade die politische Linke, zu der die Grünen natürlich zu zählen sind, ist hier verwirrt bis zum Exzeß. Da kritisieren die Grünen allen Ernstes die Menschenrechtslage in Deutschland, aber man hört wenig von ihnen, wenn es um die furchtbare Lage vieler Menschen auf Kuba, in islamistischen Staaten, in Nordkorea, im Iran geht. Sie trauen sich nur an diejenigen heran, die sich von ihrer Schein-Ethik angesprochen fühlen. Sobald man es mit einem radikalen Gegner zu tun hat, sind sie lammfromm. Da herzt die Claudia Roth den iranischen Botschafter, daß es nur so eine Freude ist – einen Menschen, der selbst das Blut der unterdrückten iranischen Bevölkerung an den Händen zu kleben hat. Aber wenn in Zirndorf aufgrund eines unerwartet großen Andrangs von Asylbewerbern einige Wochen lang Menschen in großen Zelten – immerhin mit Zeltböden, auf über 20 °C geheizt, mit guter Verpflegung, ärztlicher Versorgung und Taschengeld – wohnen, dann trieft die Betroffenheit über die unmenschlichen Zustände in Deutschland aus einer Pressemitteilung nach der anderen.

Für diese Bigotterie, für diesen in sich falschen Ethik-Schmus, der eben keine Ethik ist und schon gar keine bessere, sind Menschen in gewisser Zahl anfällig. Sie meinen es nicht böse – das will ich gerne glauben. Aber eben deswegen besteht unsere Aufgabe darin, ihnen aufzuzeigen, daß diese Politik keine Politik der Vernunft ist und, wenn man sie zu Ende denkt, auch keine Politik der Menschenfreundlichkeit.

Vor allem aber wird immer wieder klar, daß bei keiner Partei die Kluft zwischen Parteiführung einerseits und Wählern andererseits so groß ist wie bei den Grünen. Das ist das Thema, auf das wir immer wieder hinweisen müssen. Die Grünen haben letztlich kein einziges positives Vorhaben. Sie sind die Partei derer, die zu allem Nein sagen. Sie sind die Partei der ethischen Schieflage.

Die Voraussetzung für einen grünen Politiker lautet letztlich: Denke nie etwas zu Ende! Der moralische Zeigefinger der grünen Spitzenpolitiker ist wie der Zeigefinger eines Priesters einer lange – und zurecht – untergegangenen Vorzeitreligion, die die Miesepetrigkeit zur Kunst erhoben hat.

Es mögen also am Ende Verbindungen bei den Themen bestehen, die Grüne und Schwarze beschäftigen. Aber während wir in der Realität stehen und uns um anständige Lösungen bemühen, scheinen die Grünen die moralische Integrität mit Löffeln gefressen zu haben – so viel davon, daß sie den Menschen gegenüber mit einer Überheblichkeit daherkommen, die nicht akzeptabel ist.

André Freud

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