Sonderbeitrag: Jamnitzer Park

#309

Ein Park bezeichnet laut Wikipedia „nach den Regeln der Gartenkunst gestaltete größere Grünflächen, die der Verschönerung und der Erholung dienen“. Das ist die Theorie. Hier kommt die Praxis:

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Bitte lesen Sie nochmals die Definition eines „Parks“. Dort ist von gestalteten Grünanlagen die Rede. Und dann betrachten Sie bitte diese beiden Bilder nochmals.

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Merken Sie etwas? Genau: von Grün, gar einer grünen Anlage ist hier wenig zu sehen. Gewiß: diese Bilder, entstanden Mitte April 2013, zeigen freilich auch den heuer späten Frühling; wenn die Bäume erst einmal ausschlagen, dann wird das schon anders aussehen – aber nur ein wenig. Die Anlage hat mit einem „Park“ etwa so viel zu tun wie der Plärrer; der Name ist ein Etikettenschwindel.

Sei dem aber, wie ihm wolle – es handelt sich beim Jamnitzer Park, der Namen hat sich halt eingebürgert, um eine dringend benötigte Unterbrechung der hochverdichteten Bebauung in Gostenhof. Niemand bei Verstand wird diese Anlage entfernen wollen. Als der Verfasser dieser Zeilen für eine Pressemitteilung verantwortlich zeichnete, in der die Zustände in diesem Park kritisiert wurden und für den Fall, daß die Stadt diese dauerhaft nicht in den Griff kriegen sollte, die Schließung dereinst als ultima ratio ins Gespräch brachte, da war die Aufregung eine große. Bürgermeister Horst Förther war einigermaßen angesäuert; jedoch sieht er als Verantwortlicher für SÖR („Service öffentlicher Raum“) die Sache eher durch die sich ihm dafür anbietende Brille. Ganz energisch wies Förther Vorwürfe zurück, der Park sei vernachlässigt. Darunter versteht er freilich nur die Arbeit seiner SÖR-Aufräumkommandos. Und da kann ich ihm nur bestätigen, daß das beim Besuch dieser Tage ganz in Ordnung war. Auf dem ganzen Platz fanden sich nur ganz wenige wild weggeworfene Sachen; also: das scheint zumindest zu diesem Zeitpunkt in Ordnung gewesen zu sein.

Andererseits erwies Horst Förther sich als leidlich unwissend. Die Aussage, im Jamnitzer Park würde sich eine Drogen-Szene etablieren, wies er zurück – nur um nachher, nach einem Gespräch mit der Polizei, einzuräumen, daß es im Jamnitzer Park sehr wohl ein Drogen-Problem gäbe, er nur davon bisher nichts gewußt hätte. So also geht das SPD-Bürgermeister-Dasein: Wenn einem einer von der CSU etwas erzählt, was man noch nicht wußte, dann weist man das erst einmal zurück – und macht sich hinterher schlau. Na, immerhin: Förther kam nachher, sprach es von sich aus an und korrigierte seine Aussage. Das ist löblich.

Aber nicht nur ein Drogen-Problem hat der Jamnitzer Park – er hat auch ein Problem mit Menschen, die sich dort aufhalten:

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Diese kleinen Reihenhäuschen stehen unmittelbar neben dem Jamnitzer Park. Sie werden immer wieder beschmiert – da hilft auch der Graffiti-Schutz auf dem Putz nicht mehr.

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Man lese die Sprüche, man beachte die Symbole.

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Yuppies? Wir sprachen mit einer Frau, die in einem dieser Häuser wohnt. Sie ist nichts weniger als ein Yuppie: Typ biedere Hausfrau, bescheiden. Und mit dem Gefühl, von der Politik mit ihren Sorgen allein gelassen zu werden. Das ist genau das, was Politik nicht zulassen darf: daß sich Menschen zurecht als alleingelassen wahrnehmen.

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Man lese und staune. Saubere Wände führen also zu hohen Mieten. Man soll es schmutzig lassen, herunterkommen lassen. Welches Verständnis von Gesellschaft steckt hier dahinter? Aber wer meint, das sei das Hauptproblem, der irrt. Ideen mag man ablehnen, über Ideen kann man diskutieren. Die Ideen dieser Qualitätsschmierer sind ein Problem, mit dem die Gesellschaft und die Anwohner fertig werden. Das eigentliche Problem aber sind die Methoden. Da wird Eigentum beschädigt, da werden den Menschen dort die Kosten für die Entfernung dieses Zeugs auferlegt, da haben Menschen durchaus auch Angst, bei Dunkelheit vor die Tür zu gehen.

Es sind die Methoden, an denen man diejenigen erkennt, die der Gesellschaft schaden.

Wenn in einem Mehrparteienhaus ein Schläger wohnt, der die anderen Bewohner tyrannisiert, dann ist gleich jemand da, der sich kümmert, und sei es ein privater Fernsehsender, der auf Schlägereien vor laufender Kamera hofft. Wenn aber derjenige, der über Recht und Gesetz lacht, per Sachbeschädigung eine Botschaft angeblich besserer Moral verbreitet, dann sehen sie alle weg, dann will keiner etwas tun.

In unmittelbarer Nähe dieser Schmierereien wohnt und lebt eine SPD-Stadträtin. Aber wehe, man sagt in ihrer Gegenwart etwas gegen den Jamnitzer Park – dann lernt man sie kennen.

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Hier läuft etwas gewaltig schief, hier muß etwas geschehen. Die örtliche CSU hat etwas in Vorbereitung. Wir bleiben dran.

André Freud

(Text & Bilder)

 

 

 

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