Im Gedenken: Margaret Thatcher

von André Freud:

Margaret_Thatcher

 

Sie war die erste Frau im Amt des britischen Premierministers – und niemand im 20. Jahrhundert übte dieses Amt unterbrechungslos länger aus als sie (und mit Unterbrechung war es auch nur einer, der sie darin übertraf: der große Winston Churchill). Auch wenn sie vielen in Deutschland vor allem durch ihre zögerliche Haltung in der Frage der deutschen Einheit in Erinnerung geblieben ist – für mich ist sie vor allem eine unbeugsame Konservative, die die erforderlichen Maßnahmen auch dann durchsetzte, wenn ihr der Zeitgeist seine Wut entgegenbrüllte. Sie beugte sich nicht vor den Terroristen der IRA, nicht vor den Argentiniern, die britisches Gebiet besetzten, nicht vor den britischen Gewerkschaften, die glaubten, mit uralten Bergwerken und einer Stahlindustrie aus dem 19. Jahrhundert die Zukunft meistern zu können.

So mancher heute kann sich wohl kaum noch begreiflich machen, welch harten Weg sie zu gehen hatte. Gleichberechtigung war noch längst nicht so sehr wie heute eine weitestgehend gelebte Realität. Auch dafür gebührt ihr Respekt. Aber besonders die, die sich ach so sehr für die Gleichstellung der Frau einsetzen, brachten ihr wenig Sympathie entgegen – eben weil sie keine Linke war. Was aber ist so etwas wie die Gleichstellung der Frau wert, wenn sie nur denen zuteil werden soll, die politisch links stehen? Daß sie Premierministerin wurde, spricht nur für sie. Und daß die „Feministen“ sich darüber nicht freuen konnten, spricht nur gegen jene.

Besonders beeindruckt hat mich stets, daß sie etwas durchsetzte, wenn sie es als richtig erkannte. Da frug sie nicht nach Opportunität oder ob der Wähler sie dafür streicheln würde – da tat sie es. Sie hatte ein Programm und bat den Wähler um den Auftrag, es umzusetzen. Andere Politiker (aus vielen Parteien) fragen den Wähler, wie er es denn bittschön gerne hätt‘, und versprechen ihm dann alles mögliche. Das mögen manche als vom Zeitgeist gefordert ansehen. Mir imponieren aber vor allem jene – auch außerhalb der CSU -, die eine Meinung haben, für sie eintreten, für sie streiten, für sie um Unterstützung werben.

Und in dieser ganz zentralen Hinsicht war Margaret Thatcher, jenseits aller Einzelkritik, ein Vorbild – und bleibt eines.

Bild: Chris Collins of the Margaret Thatcher Foundation, Lizenz CC3.0, abgerufen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Margaret_Thatcher.png

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