Willkommen in GoHo

von André Freud:

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Gostenhof mit GoHo abzukürzen, war gewiß naheliegend. Damit lehnt man sich schon im Namen an das Viertel SoHo in Manhattan an, zu dem es durchaus Parallelen gibt. Als Neuling in GoHo hat man allerhand erstaunliches zur Kenntnis zu nehmen.

Der Schreibwarenladen ein Haus weiter hat in der Auslage neben NN, NZ und BILD nur noch die linksextreme „Junge Welt“ und die links-grüne „tageszeitung“ zu liegen. Der Mann in den 30ern, der da heute morgen die „Junge Welt“ kaufte und einen „Antifa“-Anstecker an seiner Jacke zur Schau stellte, trug wenigstens ein Kleidungsstück, das ich aus dem Manufactum-Katalog wiedererkannte. Ja, GoHo ist nicht nur das Viertel der jungen Menschen, der Studenten, der Zuwanderer und kleinen Selbständigen und kleinen Rentner, sondern natürlich auch das Viertel, in dem sich diejenigen niederlassen, die für linksradikale Positionen stehen, denen es selbst aber so schlecht gar nicht geht: die Sahra Wagenknechts, sozusagen.

Die Frau in den Enddreißigern, die am vergangenen Wochenende ebenfalls hier einzog und neben ihrem Hauptberuf, welcher auch immer das ist, einen kleinen Modeladen eröffnete, war offen erstaunt, in mir einen Schwarzen kennenzulernen. Erstaunt – und fand es nicht einmal schlecht, daß es in GoHo auch Schwarze gibt.

In einem anderen Schreibwarenladen werden Zigaretten einzeln verkauft. Wenn dort jemand „fünf Marlboro“ ordert, dann werden nicht fünf Schachteln nachgefragt, sondern fünf einzelne Zigaretten. GoHo ist auch ein Stadtteil, in dem Armut existiert. Aber nur ein paar Schritte weiter ist ein Bio-Reformhaus, das, sanft formuliert, ein etwas kaufkräftigeres Publikum anspricht. Hier ist ein kleiner Verlag, dort eine sehr beliebte „szenische“ Kleinst-Brauerei. Hier in GoHo hat sogar die MLPD einen „Laden“. Wo sonst, wenn nicht hier, kann die extreme, randständige Politsekte der „marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands“ einen „Laden“ betreiben?

Um die Ecke: gepflegte Bürgerlichkeit. In einem gastronomischen Betrieb sitzen Mütter mit ihren Letzter-Schrei-Kinderwagen bei Tofu-Ingwer-Plätzchen und sinnieren über die Schlechtigkeit der Welt, bis das Louis-Vitton-Täschchen vom Tisch fällt und an dieser durchs große Fenster gut sichtbaren Szenerie einer vorbei wankt, der schon mittags aufgrund seines Alkoholpegels nicht mehr zu einem gesitteten Geradeauslauf in der Lage ist.

Kein Zweifel: GoHo ist ein für Nürnberg ungewöhnlicher Stadtteil – auch ein unbequemer. Und keiner, in dem die CSU Heimvorteil hat. Aber gerade deswegen ist für uns Schwarze hier etwas zu machen. Hier haben wir ein Potential – kein leicht zu gewinnendes, aber um so wichtiger ist es, hier in den kommenden Wahlkämpfen Präsenz zu zeigen. Auch deswegen bin ich nach Gostenhof gezogen: um dort, wo die Politik gefordert ist, einen Teil beizutragen.

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4 Kommentare

  1. Nein Danke sagt:

    Ohne jede Ironie: Bitte ziehen Sie einfach wieder aus. Niemand will hier die Politik der CSU. SIe wird weder gefordert, noch könnte sie mit dem Viertel etwas hinzufügen. Ihre touristische Darstellung von Gostenhof und all die Verweise auf all die Sachen, die Sie bestenfalls schäbig-charmant finden, zeigt, dass Sie hier nicht gebraucht werden.

  2. Üblicherweise lasse ich Kommentare dann zu, wenn sie mit Klarnamen gezeichnet sind. Das ist dieser nicht; ich genehmigte ihn dennoch – denn er zeigt in seiner Arroganz vieles von dem, was schief läuft.
    Die keineswegs aus Gostenhof, sondern aus Schnaittach stammende IP kommt hier daher und nimmt für sich ein Hausrecht in Anspruch. Nix da! Ferner wird behauptet, „niemand“ brauche die CSU in Gostenhof. Aha. Machen wir einen kurzen Wahrheits-Check: Bei der Bundestagswahl 2009 wurdei im Wahlkreis Nürnberg-Nord, zu dem Gostenhof gehört, Dagmar Wöhrl direkt gewählt. Niemand will die CSU? In Gostenhof selbst war das Ergebnis deutlich schwächer, das ist klar: 20,5 % der Erststimmen für Dagmar Wöhrl. Und nur traurige 16,6 % der Zweitstimmen. Das mögen Wenige sein, jedenfalls sind es zu wenig. Aber „niemand“ ist es eben auch nicht. Die Anmaßung, mit der Sie mir (aus Schnaittach) hier entgegentreten, ist törichtes Hausmeistergehabe, verbunden mit einer widerlichen Intoleranz.
    Ob ich hier „gebraucht“ werde, wie Sie schreiben, ist zunächst einmal ebenfalls ungeheuer anmaßend. Menschen wohnen in unserem Land dort, wo sie wohnen wollen. Da haben Sie kein Placet abzugeben. Das haben Sie zu akzeptieren, wie es ist. Ich akzeptiere ja auch, daß Sie aus Schnaittach schreiben. Und ich akzeptiere, daß Sie dort wohnen, wo immer Sie wohnen mögen. Halten Sie es gefälligst ebenfalls so.
    Noch ein kleiner Nachschlag in Sachen Demokratie: Menschen mit anderer politischer Auffassung innerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung mag man mit seiner eigenen Ansicht überzeugen wollen. Man hat aber Menschen mit anderer Ansicht nicht in dieser Form abzulehnen, wie Sie dies tun.
    Ob man die CSU in Gostenhof will und braucht – dies, werter Zeitgenosse, werden Sie feststellen können, wenn Sie die Aktivitäten der CSU in Gostenhof verfolgen und besuchen. Wir können dann gerne über „wer darf wo wohnen“, „braucht GoHo die CSU“ etc. diskutieren. Auf Augenhöhe, allerdings – und nicht, solange Sie den Platzwart geben.

  3. Gostenhof working class sagt:

    nicht jeder hat das privileg da zu arbeiten wo er wohnt, herr freud. oder gar nicht zu arbeiten an einem donnerstagmorgen und seinen blog zu befüllen

  4. Ich habe Ihren Kommentar freigeschaltet, damit Sie mir nicht (fälschlich) vorwerfen können, ich gäbe Kritik keinen Raum. Aber auch für Sie gilt auf dieser Seite ab jetzt: Entweder Klarname oder keine Edits mehr. Wir leben – Gott und den Grundgesetzschaffenden sei Dank – in einer Gesellschaft, in der man seinen Standpunkt öffentlich vertreten kann. Das trägt übrigens auch meist zur Versachlichung der Diskussion bei. Falls Sie auch unter dieser Voraussetzung hier kommentieren möchten – nur zu. In diesem Falle möchte ich aber gerne wissen, woher Sie sich das Recht nehmen, den Gostenhofer Oberquartiermeister zu geben und mich zum Auszug aus GoHo aufzufordern.

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