Für Anerkennung. Gegen Gleichstellung.

von André Freud:

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Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. So schrieb man es 1949 ins Grundgesetz, und unbestreitbar dachte man bei Ehe an diejenige zwischen Mann und Frau und bei Familie an die Familie mit Vater, Mutter, Kind(ern).

Dieser Begriff von Ehe und Familie ist alt, aber nicht altmodisch. Nur in einer Ehe werden Kinder von Vater und Mutter gleichermaßen optimal versorgt und erzogen. Das ist keine Feindseligkeit gegenüber Alleinerziehenden, Unverheirateten und so weiter – es ist eine simple Erkenntnis der Sozialwissenschaften, der Psychologie, Psychiatrie, Psychoanalyse. Es ist die Binse an Erkenntnis von Lehrern. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Der Staat – also: wir – hat von der Lebensform „Ehe und Familie“ grundsätzlich die größten Vorteile. Die Mitglieder einer solche Familie helfen sich gegenseitig und rufen seltener nach dem Staat. Durch ihren Nachwuchs leisten sie einen Beitrag zu allen Sozialsystemen und erhalten, erneuern den Staat.

Deswegen wird die Lebensform Ehe und Familie vom Staat privilegiert. Privilegierung bedeutet nicht, daß alle anderen diskriminiert werden, sondern daß der Staat in seinem eigenen Interesse diejenigen privilegiert, die ihm am meisten nützen. Das ist eine schlichte Notwendigkeit.

Sigi-Pop, im Nebenberuf Vorsitzender der SPD, sagt: Die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe sei „das, was Deutschland braucht“. Nicht nur, daß Deutschland ein paar Hunderttausend andere Dinge dringender braucht – diese Gleichstellung braucht Deutschland überhaupt nicht. Zum einen, weil die Menschen das nicht mittragen. Wir leben einerseits in einer Gesellschaft, in der kein einziger schwuler Fußballer sich zu seinem Schwulsein zu bekennen wagt. Hier geht es jetzt nicht um eine Bewertung – hier geht es um die Beschreibung einer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Hier soll Politik an den Menschen vorbei gemacht werden, hier soll Toleranz, die gar nicht da ist, erzwungen und vorgegaukelt werden. Wir scheinen hier (wieder einmal) einen Fall zu haben, in der die Wirklichkeit und die Berichterstattung in den meisten Medien nicht ganz übereinzustimmen scheinen.

Deutschland ist nicht Köln. Das ist ein weiterer Punkt, der zu beachten ist. Manche Dinge, die in Köln öffentlich und gesellschaftlich ganz und gar akzeptiert werden, sind im Dithmarscher Land, am Oderbruch, in Fulda und Bad Münstereifel, am Königssee nicht akzeptiert. Und dort wohnen weitaus mehr Menschen als in den hippen Gorßstadtzentren. Grundgesetzgeberische Maßnahmen, die an den Kern der Grundrechte gehen – und das haben wir hier – müssen von den Menschen mitgetragen werden; sonst sind sie kein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit, sondern ein Beitrag zur Entfremdung der Menschen vom Grundgesetz.

Es gibt übrigens auch sachlich keinen Grund für die völlige Gleichstellung – außer dem einen: daß man es will. Das ist jedoch kein politisches Kriterium von Relevanz. Ich bin sehr dafür, daß Homosexuelle ihre auf Dauer angelegten Partnerschaften juristisch verankern können. Aber zur Ehe wird es dadurch nicht. Ich bin weiterhin sehr dafür, daß im Unterhalts- und Erbrecht entsprechende Anpassungen vorgenommen werden. Wenn zwei Menschen füreinander Verantwortung zu übernehmen bereit sind, soll der Staat hier nicht hindernd im Wege stehen.

Aber die Privilegien der Ehe auf andere Lebensformen zu übertragen, ist sinnwidrig. Mann und Mann oder Frau und Frau können zunächst einmal keine eigenen Kinder bekommen. Mag ja sein, daß man das als ungerecht wahrnimmt. Aber es ist und bleibt ein Unterschied.

Ganz gewiß ist alles zurückzuweisen, was Menschen wegen ihrer sexuellen Disposition diskriminiert. Daraus aber den Schluß zu ziehen, daß alle Menschen mit Privilegien versehen werden, die grundgesetzlich auf die Ehe zwischen Mann und Frau und die daraus hervorgehende Familie begrenzt sind, ist ebenso zurückzuweisen.

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