Nun aber: Klären und handeln

von André Freud:

Dürer Quadrat Patchwork

 

In der Nürnberger Presse wird die anberaumte Diskussionsveranstaltung einer Expertenrunde diskutiert, die sich mit der Frage befassen wird, ob die Wiederherstellung der Dürerschen Ausmalung im großen Rathaussaal umgesetzt werden kann oder nicht.

Hierzu gibt es einen Beschluß der CSU-Fraktion im Stadtrat, der die Wiederherstellung befürwortet, wenn sie realisierbar ist.

Leider werden immer wieder unwahre Gerüchte in Umlauf gesetzt. So gibt es etwa die Behauptung, daß das, was am 2. Januar 1945 in Feuer und Rauch aufging, sei nicht mehr wiederherstellbar, weil es angeblich nicht dokumentiert sei. Wahr ist, daß es dokumentiert ist. Und zwar nicht nur in technisch hochwertigen Farbaufnahmen von 1943, sondern darüber hinaus in Hunderten von privaten Photos, in Aberdutzenden von Reiseführern und Tourismus-Broschüren über Nürnberg. Um es auf den Punkt zu bringen: Keines der durch den Krieg zerstörten Kunstwerke dürfte so gut dokumentiert sein wie Dürers Ausmalung des Rathaussaales.

Noch unklar ist, wer an der Veranstaltung letztlich teilnehmen wird. Der Stadtrat hat den Auftrag erteilt, eine internationale Kommission einzusetzen. Bisher ist die Internationalität ausschließlich durch einen Österreicher gegeben. Ohne unseren Nachbarn zu nahe treten zu wollen: unter einer internationalen Kommission dürfte man sich etwas anderes vorstellen als eine deutsche Kommission mit einem österreichischen Farbtupfer.

Auch ist zu fragen, wer auf welche Weise für die Frage einer Dürer-Rekonstruktionqualifiziert ist. Wenn ein Kunsthistoriker nur über Kunst des 20. Jahrhunderts veröffentlicht hat, dann ist da schon ein Zweifel erlaubt.

Natürlich müssen zu dieser Diskussion auch Experten beispielsweise aus Polen eingeladen werden. Gerade in Polen waren die Kriegszerstörungen so umfassend, daß man sich dort besonders intensiv mit Fragen der Rekonstruierbarkeit befaßte und es dort zahlreiche Experten zum Thema gibt.

Man sollte wohl auch Fachleute aus Augsburg hinzuziehen. In Augsburg hat man den Goldenen Saal wiederhergestellt. Es ist ein großartiger Erfolg – was von niemandem bestritten werden dürfte. Die Kompetenz und die Erfahrungen von dort tun unserem Vorhaben gut und müssen abgerufen werden.

Es steht der schwere Vorwurf im Raum, daß durch Spielchen hinter den Kulissen versucht werden soll, das ganze Vorhaben zu hintertreiben. Das kann und darf natürlich nicht sein. In einem demokratischen Prozeß soll eine Entscheidung herbeigeführt werden: transparent, nachvollziehbar – und mit Argumenten, die am Ende möglichst viele Bürger überzeugen werden. Der politische Auftrag ist klar – also an die Arbeit, ergebnisoffen herauszufinden, was möglich und was sinnvoll ist – dann wird entschieden. Aber nicht andersherum!

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