Verlogene Debatten

von André Freud:

Sigmund Freud

Zwei Debatten werden derzeit in Deutschland geführt – auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Beide dürfen mit Fug als verlogen bezeichnet werden, und zwar deswegen, weil sie die Realität ausblenden. Die Art, wie sie geführt werden, ist das Miese – nicht das Thema selbst. Wie so oft zeigt sich, daß es bei manchen Themen eine von vielen Medien angestachelte Hysterie gibt, die jeden vernünftigen Gedanken verunmöglicht. Hier gilt es, mal wieder ein klein wenig zur freien Sicht beizutragen.

1. Sex, Sexismus und das Spiel der Geschlechter

Vorab: Die natürliche erogene Wirkung von Rainer Brüderle auf Frauen um die 30 dürfte sich in überschaubaren Grenzen halten. Aber natürlich ist Macht zuweilen ein effektives Aphrodisiakum, das zu gewissen Übersprungshandlungen führen kann.

Wenn man dann noch solche Sprüche raushaut, wie Brüderle dies getan haben soll, dann dürfte ein besonderer Erfolg sich freilich nicht einstellen. Wer flirttechnisch auf dem Niveau eines überarbeiteten Staubsaugervertreters unterwegs ist, manövriert sich selbst ins Aus. Es ist schlichtweg unfein. Aber ist es unanständig?

Um mit Radio Erewan zu antworten (die Älteren werden den Ausdruck noch kennen, die Jüngeren können ihn googeln): Im Prinzip nicht. Und zwar dann nicht, wenn – wie immer und überall – erstens gewisse Grenzen gewahrt und zweitens ein Nein für ein Nein genommen wird. Der Versuch ist nicht strafbar, und die Plumpheit des Versuchs führt zur Erfolglosigkeit. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

Frauen sind in diesem Spiel innerhalb des richtigen Rahmen – der also ein Nein zu akzeptieren verlangt – keine Opfer, oder, genauer gesagt, Täterinnen und Opferinnen, so wie Männer sowohl Täter als auch Opfer sind. Das hat etwas damit zu tun, daß in unserer Gesellschaft im Allgemeinen Frauen die Rolle der Begehrenswerten, Männer aber die Rolle der Begehrenden einnehmen. Weitaus mehr Frauen als Männer sind darauf bedacht, ihre Reizwirkung zu betonen und einzusetzen. Das ist nichts Vorwerfbares; das ist völlig in Ordnung. Aber man darf es aus der Debatte nicht ausblenden. Der Wunsch, auch in sexueller Hinsicht attraktiv zu wirken, ist natürlich nicht bei allen, aber bei sehr vielen Frauen Motiv vieler Bemühungen. Bei Männern ist dies seltener der Fall. Dieser häufige Unterschied in der beabsichtigten Wirkung aufs andere Geschlecht gehört bei uns dazu. Das mag sich irgend wann einmal ändern, aber es ist bei uns das gängige Spiel. Flirten ist erlaubt – bis zum Nein. Und genau hier, und zwar nur hier, verläuft die Grenze.

In der aktuellen Debatte sind einige überaufgeregte Stimmen zu vernehmen, die es für eine abscheuliche Schandtat halten, wenn ein Mann eine Frau angräbt. Mir ist das absolut unverständlich. Das ist ein elementarer Bestandteil des Lebens, und ich finde es höchst bedenklich, wenn das von moralinsauren Debattenteilnehmern verteufelt wird.

Es ist ja nicht an dem, daß hinter der typischen Rollenverteilung im Spiel des Flirts die geheime Wahrheit stünde, daß Männer mächtig und Frauen ohnmächtig seien. So ist es nicht. Es ist vielmehr so, daß beide Seiten etwa gleich stark sind. Nur: Gegenüber einem mächtigen Politiker sind halt die meisten in einer schwächeren Position, was aber nichts mit Männlein oder Weiblein zu tun hat. Es macht sich nicht die Frau angreifbar, die ihre Wirkung betont, und es macht sich nicht der Mann angreifbar, der einen Flirt versucht – es macht sich derjenige angreifbar, der auf eine Ablehnung unangemessen reagiert.

Und natürlich macht sich eine Journalistin lächerlich, die sowohl als Akteurin in der Situation als auch als „Berichterstatterin“ über diese Situation agiert, die nach einem Jahr ihre tiefe Betroffenheit verspürt und diese dann für einen erhofften Karriereschub benutzt, gerade zu einem Zeitpunkt, in dem eben dieser Politiker politisch einen Schritt nach vorne gemacht hat. Dieses Verhalten der Frau Himmelreich (ja, diese Journalistin heißt wirklich so) ist durchaus etwas peinlich.

Peinlich freilich auch sind Brüderles Annäherungsversuche, wenn sie denn richtig wiedergegeben wurden. Der Dame sei ein professionellerer Umgang mit solchen Situationen empfohlen, dem Herrn zum nächsten Geburtstag ein Flirt-Kurs an der nächstgelegenen Volkshochschule zu schenken.

Predator Drohne

2. Drohnen und der Wahn vom gewaltfreien Krieg

Die Debatte, ob die Bundeswehr Drohnen anschaffen soll oder nicht, ist hanebüchen. Selbstverständlich braucht eine Armee diejenige Ausrüstung, die sie zur Erreichung der ihr gestellten Aufgaben benötigt. Drohnen sind Mittel zur Aufklärung und zur Zerstörung und – ja, natürlich – zum Töten. Das mag man schrecklich finden oder nicht, aber das ist nun einmal der Zweck des Einsatzes militärischer Gewalt. Bei denen, die sich gegen den Einsatz von Drohnen aussprechen, kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, daß diese blauäugigen Zeitgenossen sich an der Vorstellung berauschen, daß ein Krieg ohne Waffen auskäme. Oder sie tragen eine etwas wirre Vorstellung mit sich herum, die den Einsatz von Kampfmitteln nur wie in einer Art ritterlichem Duell für die einzig zulässige hält.

Drohnen sind äußerst wirkungsvoll. Sie verringern die Gefahr von Kollateralschäden enorm. Sie erlauben eine sehr zielgerichtete Anwendung militärischer Gewalt und sind weit davon entfernt, eine militärisch unerwünschte Breitenwirkung zu haben. Sie bedeuten ferner für die feindlichen Kriegsherren eine enorme, persönliche Gefahr. Da die NATO und die Bundeswehr nur in solche militärischen Handlungen verwickelt sind, die mit dem NATO-Statut und dem Grundgesetzt in Einklang stehen, ist ein Mißbrauch dieser Waffen(-trägersysteme) nicht zu erwarten. Zugleich erhöhen sie die Präzision und verringern sowohl die unbeabsichtigten Opfer beim Feind als auch Opfer unter den eigenen Soldaten. Daher sind Drohnen ein wichtiges, nützliches und erforderliches Werkzeug.

Si vis pacem, para bellum: Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor. Es wird derjenige am wenigsten angegriffen, der aufgrund seiner umfassenden militärischen Stärke nicht angegriffen werden kann. Die Bundeswehr hatte langen einen mäßigen militärischen Ruf. Die Herausforderungen der neuen Zeit, zu der die jederzeit vorhandene Fähigkeit gehört, schnell und zielgerichtet agieren zu können, werden nicht erfüllt, wenn auf dieses System verzichtet werden würde.

Und eines bitte immer nie vergessen – besonders an die sogenannten Friedensfreunde:

Stell Dir vor, es kommt Krieg, aber keiner geht hin.

Dann kommt der Krieg zu Dir.

Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt,

Und andere für seine Sache kämpfen lässt,

Der muß sich vorsehen!

Denn wer den Kampf nicht geteilt hat,

Der teilt die Niederlage.

Nicht einmal Kampf vermeidet,

Wer den Kampf vermeiden will.

Denn es wird kämpfen für die Sache seines Feindes,

Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

Bilder:

  • Sigmund Freud im Jahr 1932, LIFE Foto Archiv, von Max Halberstadt (gest. 1940), Public Domain (gemeinfrei)
  • Freud
  • Predator-Drohne: Werk der US Navy im Auftrag der US-Bundesregierung, Public Domain (gemeinfrei)
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2 Kommentare

  1. Schuchalter-Eicke sagt:

    Junger Mann, Sie müssen noch viel lernen u.a. den Gebrauch des Genitivs. Aber Spaß beiseite: glauben Sie wirklich all das, was Sie da über Sexismus schreiben? Das wäre aus meiner Sicht wirklich sehr bedenklich und dann s.o. …

  2. Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch – aber auf Genitiv-Fehler bin ich im allgemeinen nicht abonniert. Wo genau soll einer sein?

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