Verhinderte Diktatoren?

von André Freud:

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Die Überschrift verheißt ein großes, ein grundsätzliches Thema. Das Wort vom Diktator sollte man nur dann gebrauchen, wenn es angebracht ist. Dabei geht es nur um den Veggie-Day, also eine Pflicht zum vegetarischen Essen in allen städtischen Kantinen, an nur einem Tag in der Woche – und es geht dabei um die Politiker, die das einführen wollten und, gottlob, gescheitert sind.

Aber wie kann man allen Ernstes dieses Wort gebrauchen, bei diesem nichtigen Anlaß? Weil der Anlaß gar nicht nichtig ist. Eine den Menschen bevormundende Herrschaft ist nicht durch das, was sie tut, gekennzeichnet – sondern dadurch, wie sie es tut.

Das eigentliche politische Ziel ist dabei nicht so erheblich. Es kann ein gutes oder kann ein schlechtes sein. Aber wenn das Mittel zur Durchsetzung Zwang und Verbote sind – dann ist das Mittel nicht akzeptabel. Wir sprechen hier ja nicht von einem Straftatbestand, sondern von dem, was manche Zeitgenossen für eine gute Lebensform halten, zu denen sie die anderen nötigen wollen. „Das ist noch kein Fleischverbot“, tönte ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger. Man beachte besonders das dritte Wort: „noch“. Vielen Dank, Herr Inhaber der Weisheit der rechten Lebensführung, daß wir noch eine Gnadenfrist bekommen!

Ein Diktator ist einer, der sich nicht um den Willen der Bürger schert, sondern ihnen etwas vorschreiben will, was er allein für richtig hält. Es ist ja nicht nur erbärmlich anmaßend, was sich diese selbsternannten edlen Ritter hier erdreisten – man möge sich nicht täuschen: es ist gefährlich. Die dahinter stehende Geisteshaltung ist gefährlich. Erst heißt es: nur ein Tag, das sei doch nicht schlimm. Dann wird es heißen: Es gab keine Tumulte, also dehnen wir es auf drei Tage aus. Dann wird es heißen: Es ist aufwendig, zwischen fleischlosen und Fleisch-Tagen zu unterscheiden; schaffen wir Fleisch also ganz ab.

Es ist wie eine Tür, die man verschlossen halten muß. Öffnet man sie auch nur einen Spalt, wird man sie erstens nie mehr schließen können und zweitens nicht verhindern können, daß sie im Lauf der Zeit immer weiter geöffnet werden wird.

Stadträtin Helmine Buchsbaum fand die richtigen Worte, als sie im Namen der CSU den Verstoß einiger ÖDPler und Grüner zurückwies.

Noch einmal ist klar zu sagen: Es geht gar nicht um die Frage, ob man eine vollwertige oder eine vegetarische Ernährung für sich selbst bevorzugt. Es geht nur um die Frage, ob sich einer hinstellt und sich anmaßt und erdreistet, anderen die fromme Denkungsart mit Gewalt und Zwang überzustülpen. Vor solchen Typen sei gewarnt!

 

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2 Kommentare

  1. Lukas sagt:

    1) Gewalt??? Inwiefern wird denn hier Gewalt ausgeübt? Ich bitte dich, bei den Fakten zu bleiben und keine Märchenstunde aus deinem Blog zu machen.
    2) Du scheinst nicht verstanden zu haben, dass keiner am Donnerstag den Fleischkonsum verbieten will – es geht nur das Angebot öffentlicher Kantinen.
    3) Willst du die Attribute „Zwang und Gewalt“ eigentlich auch den Betreibern einer wachsenden Zahl von Firmenkantinen überstülpen, die ihren BesucherInnen am Donnerstag nur vegetarische Gerichte anbieten? Oder der Stadt Nürnberg, nachdem sich der Umweltausschuss inkl. der CSU jetzt einstimmig für die „Zwangsbeibehaltung“ des monatlichen vegetarischen Donnerstags ausgesprochen hat?
    4) Abgesehen davon, dass es hier überhaupt nicht um Fleischverbote für Individuen geht, sondern lediglich um eine angestrebte Vorschrift für Kantinenbetreiber, einmal in der Woche nur vegetarische Gerichte auf die Karte zu nehmen – willst du im Ernst behaupten, dass Verbote nie berechtigt sind? („Aber wenn das Mittel zur Durchsetzung Zwang und Verbote sind – dann ist das Mittel nicht akzeptabel.“) Das kann ich mir nicht vorstellen, es sei denn, du bist Anarchist, willst also sämtliche Staatsgewalt komplett abschaffen. Um ein funktionierendes Gemeinwesen zu gewährleisten, muss es selbstverständlich Verbote mit Augenmaß geben. So ist es auch schon im Grundgesetz Art. 2 zu lesen: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Nochmal – beim Veggietag gehts nicht um Verbote – jeder kann die zahlreichen umliegenden gastronomischen Einrichtungen nutzen und dort seinem Fleischgenuss frönen, wie es ihm beliebt. Aufgrund der bedrohlichen Auswirkungen des Fleischkonsums (Klimawandel, Welthunger, massenhafte Tierquälerei, Verschmutzung von Gewässern usw.) bin ich allerdings grds. der Auffassung, dass auch die Politik die Verpflichtung hat, hier tätig zu werden, z.B. durch eine Steuer auf Fleisch, wie es in Schweden angedacht wird oder eben kommunal durch einen wöchentlichen Veggietag, um ein Zeichen zu setzen, dass es wirksamen Klimaschutz nur geben kann, wenn wir unseren Fleischkonsum reduzieren.

  2. 1. Gewalt muß nicht gleich körperliche Gewalt sein, vgl.Staatsgewalt. „Gewalt und Zwang“ ist als Neoplasmus ein gängiges Stilmittel.
    2. In Kantinen essen Menschen meist aus pragmatischen Gründen: Kosten und begrenzte Zeit sind hier vorrangig zu nennen. Der Zwang, donnerstags kein Fleisch anbieten zu dürfen, ist de facto ein Verbot von Fleisch.
    3. Auf die Eingangsfrage: Ja. Städtische Kantinen haben keinen Volkszwangsbeglückungsauftrag. Auch wenn die meisten Beschlüsse der CSU meinen Beifall finden: nicht jeden einzelnen muß ich toll finden.
    4. Deine Differenzierung „Vorschrift“ und „Verbot“ ist ziemlich herzig, aber natürlich nur eine der Verwirrung dienende Nebelkerze.
    Natürlich äußere ich mich nicht gegen die Staatsgewalt – aber wenn sie dazu mißbraucht wird, den Bürgern die rechte Lebensweise und Denkungsart einzubleuen, dann schon.
    5. Deine Aussage „Beim Veggietag geht es nicht um Verbote“ ist mehr als an der Wahrheit nur knapp vorbei. Es soll den Kantinenbetreiber verboten werden, donnerstags Fleisch anzubieten. Der Euphemismus, statt „Verbot“ lediglich von „Vorschrift“ zu sprechen, ist zu offensichtlich.
    6. Durch Deinen Schlußsatz zeigst Du, wes Geistes Kind Du bist: für ein vermeintlich gutes Ziel bist du bereit, Menschen vorzuschreiben, wie sie leben sollen. Ich nicht.

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