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von André Freud:

Fragezeichen

Gestern vollzog sich mit dem Rückzug von Tobias Schmidt von Landtagskandidatur und Kreisvorsitz der CSU ein menschlich berührender Vorgang. In den Zeitungen von heute finden sich Würdigungen über den Politiker Schmidt, die zu lesen erfreulich sind. Auch seine dem Privatleben entstammenden Motive werden allseits respektiert. Nachforschungen nach irgendwelchen Details gehören sich nicht. Wer Tobi Schmidt kennt, weiß, daß er weder zu Schnellschüssen neigt noch bei der Annahme der Kandidatur im Herbst leichtfertig gehandelt hat. Es war sein Ziel, für den Landtag zu kandidieren, und wenn er von diesem seinem Lebensziel abgerückt ist, dann müssen die Gründe dafür schwerwiegend gewesen sein. Das müssen alle akzeptieren.

Heute aber ist der Tag danach. Und in den Zeitungen wird bereits spekuliert, wer die Nachfolge antreten könnte. Das ist freilich viel zu früh. Man darf sicher sein: der vorab über den Rückzug informierte Bezirksvorsitzende Markus Söder wird die (übrigens organisatorisch gar nicht so einfache) Nominierung eines neuen Kreisvorsitzenden und eines neuen Landtagskandidaten zusammen mit dem Kreisverband besprechen; die Termine hierfür sind bereits angesetzt. Dann wird man sehen, wer von der Basis, von den Mitgliedern, Orts- und Krteisvorständen genannt wird, wer breite Unterstützung erfährt. Die in der Zeitung genannten Namen sind reine Kaffeesatzleserei: die Journalisten haben sich die CSU-Stadträte aus dem Nürnberger Norden angesehen und dann einfach deren Namen genannt. Es kann schon sein, daß der Name, auf den es hinauslaufen wird, dabei ist. Aber wer es wird, das entscheidet in der CSU wie in jeder demokratischen Partei die Basis.

Es sind sechs Wochen bis zum „Meldeschluß“. Ob die CSU diese sechs Wochen ausschöpfen wird, wird man sehen. Aber so sehr es erforderlich ist, aufgrund des Termins zügig zu arbeiten, so sehr ist eine hektische Entscheidung nicht erforderlich. Die Mitglieder der CSU müssen auch erst einmal den Rückzug von Tobias Schmidt wegstecken. Die Reaktion darauf ist überall die gleiche: starkes Bedauern, und zwar sowohl für Schmidt und seine Familie als auch für die CSU. Die Menschen, die Tobias Schmidt unterstützt haben, gehen nicht achselzuckend zur Tagesordnung über. Wenn durch ein solches Ereignis schlagartig wieder einmal klar wird, daß dieses ganze Brimborium der Politik eben nur eine Facette des Lebens ausmacht, es aber noch ein Privatleben gibt, dann ist es nicht nur eine Sache des natürlichen Anstands, für einen Moment innezuhalten – es ist auch nichts anderes als menschlich verständlich, daß die Lösung der anstehenden Personalfragen nicht wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert werden kann.

An die – auch wohlmeinende – Öffentlichkeit kann nur die Bitte ergehen, den Vorgang mit Anstand zu behandeln. Weder Einmischungen ins Privatleben noch Aktionismus in Bezug auf die anstehenden Entscheidungen sind geboten.

Nun also finden viele Gespräche statt. Man wird sehen, welches Ergebnis sie bringen. Da muß man nun eben etwas Geduld aufbringen. Die Entscheidungen müssen nicht vor allem schnell, sondern vor allem gut getroffen werden. Daran arbeiten Bezirks- und Kreisvorstand. Laßt sie in Ruhe arbeiten.

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