Die Heuchler sind entlarvt

von André Freud:

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Der Zeitungsleser wie der Besucher politischer Veranstaltungen gewisser Parteien wurde seit Jahren darüber „informiert“, daß der Bau von Kindertagesstätten in Bayern ganz besonders hinterher hinke, weil die (böse) CSU-geführte Staatsregierung nicht ausreichend Geld bereitstellen würde. Die CSU hat immer wieder klargestellt, daß dem nicht so ist: Es würde in vollem Umfang die erforderlichen Mittel bereitgestellt. Es mag sein, daß andere Bundesländer früher mit dem Ausbau begonnen haben – dafür aber im Schneckentempo. Als Bayern damit begann, geschah es mit Siebenmeilenstiefeln: in einem großzügigen Programm, mit reichlich Geld unterlegt. Niemand gibt mehr Geld für Kinder und Erziehung aus als der Freistaat Bayern. Aber das beeindruckte den politischen Mitbewerber wenig; der erzählt einfach weiterhin seine Märchen und hofft, daß der Wähler dumm genug sei, sie zu glauben.

Der Zeitgenosse, der diesen Aussagen Glauben schenkte, wird ganz schön bedröppelt aus der Wäsche geguckt haben, als er heute die Nürnberger Nachrichten aufschlug. In diesem Blatt – einer besonders innigen Zuneigung zur CSU gewiß nicht verdächtig – muß er lesen, daß Verzögerungen nicht an fehlendem Geld liegen, sondern daran, daß die Stadt Nürnberg mit den Genehmigungen in Verzug ist.

Potzblitz! Wer hätte das gedacht! Im linken juste milieu war man sich doch so sicher, daß die Schwarzen das von ihnen aus grundsätzlichen Erwägungen nicht innig geliebte Übertragen der Erziehung schon von Kleinkindern durch Institutionen statt durch die Eltern absichtlich verzögerten. Und nun zeigt sich: Die CSU hat ihre gesetzliche Verpflichtung in vollem Maße erfüllt (und sogar mehr als das). Wer versagt hat, das ist die Verwaltung der Stadt Nürnberg. Und welcher Partei gehört der oberste Verwalter an? Aha!

In der Zeitung kann man auch lesen, daß die Antragsteller auch Fehler begangen hätten: sie hätten sich – die NN drückt es verklausliert aus, aber das ist gemeint – beim Einreichen der Anträge zu doof angestellt, was deren Bearbeitung verzögert hätte, und der Kommentar dazu von Alexandra Haderlein ist mit dem Titel „Fehler auf beiden Seiten“ überschrieben. Mit „beiden Seiten“ meint sie die Stadtverwaltung und die Antragsteller. Wo aber kommt denn hier noch die CSU vor, die doch, dem Klischee entsprechend, an allem Schuld sein soll? Nur noch ganz am Rande: Weil die Stadtverwaltung die Arbeit verbummelt hat, soll die Staatsregierung die Fristen verlängern.

Einmal ganz abgesehen davon, daß die bayerische Staatsregierung dort, wo sie kann, wieder einmal helfen wird: Es kann doch nicht angehen, daß die CSU jahrelang wahrheitswidrig als Verzögerer dargestellt wird – und dann zeigt sich, daß die wirklichen Verzögerer in der SPD-geführten Stadtverwaltung sitzen. Und wenn das nun einmal geschehen ist, dann erwarte ich, daß die gleichen Vertreter der linken Parteien, die jahrelang, oftmals geifernd, mit dem Finger auf die CSU zeigten, nun mit der gleichen Heftigkeit auf sich selbst zeigen und bekennen: „Wir haben’s verbockt! Nostra culpa!“. Naja, das werden sie nicht wirklich tun.

Aber dem Bürger mag diese Entlarvung der Scheinheiligkeit und Heuchelei erkenntnisreich sein.

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