Das heißt „Straßenbahn“!

von André Freud:

Wagen 111 (1)

Seit einigen Jahren ist in Nürnberg sowohl von der VAG als auch in den Zeitungen immer wieder irgend etwas von einer „Tram“ zu lesen. In den Katakomben unterm Bahnhof weisen sogar Pfeile zu dieser ominösen „Tram“.

Wenn man aber einen Nürnberger fragt, wo denn diese „Tram“ sei, dann wird er einen vermutlich nach München schicken – denn dort fährt eine Tram. Oder in Wien. In Nürnberg aber nennt jeder Menschen das Ding Straßenbahn oder Strassabo.

Der Nürnberger fremdelt mit dem Wort. Viele wissen nicht einmal, ob es der Tram, die Tram oder das Tram heißt. Ist ja aber auch im Alltag nicht so wichtig: wir haben schließlich keine Tram. Wir haben eine U-Bahn, Bratwürste, bald einen Konzertsaal – aber Tram, nein, also: Tram haben wir keine.

Und warum nennen dann manche die gute, alte Straßenbahn auf einmal „Tram“? Na klar: weil’s Geld spart. Man braucht nur vier Klebebuchstaben, um „Tram“, aber elf, um Straßenbahn zu schreiben.

Und in der Zeitung nimmt’s nicht so viel Platz weg. Als ob die jeden Tag so viel zu schreiben hätten, daß sieben eingesparte Buchstaben hier den Unterschied ausmachten!

Jetzt haben’s schon die Rechtschreibreform angezettelt, und nun wollen andere hohe Herrschaften auch noch die Dinge des täglichen Bedarfs umbenennen. Es ist schon schlimm genug, daß niemand mehr brauchen mit zu gebraucht („Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen“), daß der Deppen-Apostroph allgegenwärtig ist („Sandy’s Sonnenstudio“) und kaum einer unter 30 noch weiß, wann man „das“ und wann man „daß“ (oder, in Simpeldeutsch: „dass“) zu schreiben hat – jetzt wollen sie uns auch noch unsere gute, alte Straßenbahn wegnehmen. Sauerei!

Bild: Freud

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