Drohen und warnen

von André Freud:

BM Klemens Gsell

Die beiden Worte „drohen“ und „warnen“ werden umgangssprachlich häufig nicht unterschieden, dabei haben sie eine ganz erheblich unterschiedliche Bedeutung. Wer einen anderen bedroht, der kündigt etwas an, was er selbst dann tun will, eben einfach weil er es tun will. Wer einen anderen warnt, der kündigt ihm an: „Wenn du dieses oder jenes tust, dann wird das und das passieren; davor warne ich dich“. Bei einer Warnung hängt der Eintritt des (unschönen) Resultats nicht davon ab, ob der Warnende das will. Es ist eine schlichte Prognose, der auch kein böser Wille innewohnt. Anders freilich bei der Drohung: Der Drohende entscheidet alleine, ob er seine Drohung wahrmachen wird oder nicht.

Insofern hat die NN von heute ganz recht, wenn sie titelt: „Bürgermeister warnt die SPD – CSU-Mann Gsell lehnt die Pläne der SPD kategorisch ab“. Es ist eine Warnung, die Bürgermeister Klemens Gsell hier ausspricht. Wie jeder weiß, ist es die SPD, die den Kooperationsvertrag schon des öfteren besudelt hat und nun damit droht (!), die entscheidenden politischen Funktionen ausgerechnet einem Grünen zu übertragen – und das, wo doch die Grünen gar nicht in der Kooperation mit dabei sind.

Gsell sagt, und er spricht damit aus, was alle in der CSU denken, daß die Kooperation zu Ende sein wird, wenn die SPD auf ihren Plänen beharrt und sie im Stadtrat zum Beschluß vorlegen wird. Wie auch der Fraktionsvorsitzende Sebastian Brehm auf der Pressekonferenz zum Thema sagte: Wenn die SPD das macht, dann ist rot-grün im Rathaus.

Das ist seitens der CSU keine Drohung, sondern eine Warnung: Wenn die SPD den Kooperationsvertrag verletzt, dann existiert er nicht mehr. Wer droht, das ist die SPD (oder Teile von ihr). Sie droht offen mit Vertragsbruch und erwartet von der CSU, daß sie sich das gefallen läßt. Ein wenig viel erwartet, Genossen!

Advertisements