Bitte wieder Luft holen, @Christian Vogel

von André Freud:

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Christian Vogel mußte die Luft anhalten, verkündete er, als er von den Plänen der CSU hörte, das Quelle-Versandzentrum abzureißen, um dort neue Lehrstühle der technischeb Fakultäten der Friedrich-Alexander-Universität anzusiedeln. Und dazu natürlich noch neue Wohnungen. Grünflächen. Und so weiter. Es steht zu hoffen, daß sich seine Atmung wieder beruhigt hat.

Wenn Vogel wegen so etwas in Schnappatmung verfällt, dann ist das vor allem der Tatsache zuzuschreiben, daß er sich offensichtlich mit der Frage, was mit dem Quelle-Areal passieren soll, noch nie befaßt hat. Eine Sanierung kostet 750 Millionen Euro. In Zahlen: 750.000.000 €. Damit könnte man den Frankenschnellweg von Nürnberg bis Erlangen dreispurig ausbauen. Oder jedem Nürnberger, vom Baby bis zum Greis, ein Jahr lang jeden Tag zweimal drei im Weggla spendieren. Oder einen Teil von Nürnbergs Schulden bezahlen.

Das Quelle-Versandgebäude ist nicht mehr nutzbar. Das fängt beim energetischen Zustand an. Die Decken, Wände, die Raumaufteilung, die kaum vorhandenen Treppenhäuser, fehlende Fluchtwege, die riesigen Flächen, die Deckenhöhen – das alles kann niemand einer sinnvollen Nutzung zuführen, wenn es noch irgendwie bezahlbar bleiben soll.

Ja, es stimmt: es ist ein wichtiges Stück deutscher Nachkriegsarchitektur. Aber was hilft das, wenn es leersteht und mit der Zeit verfällt? Zwei Zahlen für den interessierten Leser: Nach fünf Jahren (und geringen Mieten) sind gerade einmal zehn Prozent der Fläche vermietet. Nur 10 %! 90 % also stehen ungenutzt und leer und öde in der Landschaft herum. Die zweiten Zahl: die Räume sind auf gefühlte 15 °C geheizt. Das alleine kostet derzeit um die 50.000 € pro Monat.

Die Alternative ist klar: Entweder läßt man das so stehen, dann wird es nie eine andere Nutzung geben als derzeit unter der Zwangsverwaltung: riesiger Leerstand, ein paar billige Zwischennutzungen und einige wenige Nutzungen, die – aus politischer Sicht – etwas bringen, die einen Wert für Gostenhof, Eberhardshof, für den Westen, für Nürnberg haben. Oder man baut eine Uni hin, also genauer: verlegt Teile der technischen Fakultät von Erlangen nach Nürnberg. Nun sind Gebäude der technischen Fakultät aus naheliegenden Gründen meist eingeschossig, manchmal sind noch Büros darüber. Aber ein solches Gebäude wie das, das heute dort steht, kann für eine Uni niemals genutzt werden. Da kann auch niemand wohnen. Ein Umbau zur Uni wäre nicht einmal möglich. Ein Umbau zu Wohnungen vielleicht theoretisch, aber dann sind wir mit den Kosten in einem Bereich, den niemand bezahlen kann.

Also: Was will die SPD? Will sie den großartigsten Aufschwung für den Westen, den es dort jemals gab? Nichts würde eine solche Wirkung entfalten wie eine eigene Universtiät. Gostenhof und Eberhardshof würden für Jahrzehnte zu den florierenden Stadtteilen Nürnbergs gehören. Ein enormer Gewinn! Oder will die SPD eine leerstehende, riesige Ruine, jahrelange Diskussionen, bis es zerfällt? Will sie – mal wieder! – die Gelegenheit verstreichen lassen, die sich derzeit ergibt? Man muß schon frisch genug sein, um eine Gelegenheit zu erkennen, wenn sie sich einem bietet.

Hallo, Herr Vogel, darum aufgemerkt:

Wer will, daß Nürnberg sich entwickelt, daß der Westen erblüht, daß die Uni – endlich – auch in Nürnberg wächst, der wird nicht zum Blockierer, indem er ein Gebäude schützen will, das niemand mehr nutzen kann. Hört auf, zu blockieren, SPD, und macht Euch daran, sinnvolle Projekte zu realisieren – nutzt die Gunst der Stunde auch des bayerischen Finanzministers!

 

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Ein Kommentar

  1. Dr. Gerhard Schoenberger sagt:

    Das ist in Nuernberg ganz einfach: Die SPD macht jetzt mit dem Quelle-Areal dasselbe wie dem Milchhof- Areal (auch der Milchhof stand einst unter Denkmalschutz). Man laesst einfach die Quelle-Gebauede vergammeln bis sie nicht mehr saniert werden koennen und ueberlaesst sie dann einem Muenchner Immobilienverwerter.
    Was architektonisch dort entstehen werden wird, kann am ehemaligen Milchhofgelaende bereits besichtigt werden.
    Gruesse aus Muenchen, Dr. G. Schoenberger

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