Gut.

von André Freud:

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Nachdem auch in diesem Blog schon mehrfach darüber berichtet wurde, daß die Verkaufszahlen der NZ deutlich höher sein könnten, wenn nur mehr Exemplare an die Händler ausgeliefert werden würden, kommt ein wenig Bewegung in den verkrusteten Nürnberger Zeitungsmarkt. Die NZ wird über 28 neue Automaten vertrieben.

Ist damit die Dominanz der kleinbürgerlichen, links-spießigen NN gebrochen? Nein, gewiß nicht. Aber es ist womöglich eine Kehrtwende. War der Herausgeber „Papa Marx“ noch vor nicht langer Zeit bemüht, die NZ so klein wie nur irgend möglich zu halten, muß er nun umkehren. War die NZ für ihn wohl so eine Art bürgerliches Feigenblatt, dessen bloße Existenz – auch auf niedrigem Auflagenniveau – die marktbeherrschende Position der NN dadurch absichern sollte, daß kein neuer Mitbewerber in den Ring steigen sollte, so hat sich seit dem beklagenswerte Aus der Abendzeitung die Lage grundsätzlich geändert. Nürnberg hat faktisch nur noch zwei Zeitungen: NN und NZ. Die Nürnberg-Ausgabe der BILD macht keine Lokalzeitung her; auch wenn sich die Mitarbeiter redlich bemühen. Die NZ wurde noch vor kurzem einer rigorosen Sparmaßnahme unterworfen und auch personell der Eigenständigkeit beraubt. Da blieb also nur noch die NN. Und nun also diese Umkehr. Warum?

Vielleicht wurde manchem Verantwortlichen die Courage knapp, mit dem mehr als SPD-nahen Blatt NN eine unanständige, weil gesetzlich nicht vorgesehene Rolle bei der Beeinflussung der Einwohnerschaft zu spielen. Parteien sind demokratisch legitimiert. Zeitungen sind das nicht. Sie sind auch nicht durch den Markt legitimiert, wenn der Markt manipuliert wird. Daß er manipuliert wird, erkennt man schon daran, daß in keiner mit Nürnberger Lokalteil erscheinenden Zeitung Kritik an Herausgabe Bruno Schnell, vulgo Papa Marx, geübt wird. Der Herr ist sakrosankt! Und wer sich seinen Sprachregelungen verweigert, der hat in Nürnbergs Pressezunft keine gute Zukunft mehr. Der rote Pressemogul, der Citizen Kane Nürnbergs hat eine öde Presselandschaft geschaffen. So dermaßen öde, daß ihm womöglich höchstselbst schwant, daß es so nicht weitergehen kann. Nun also darf die NZ ein klein wenig mehr verkaufen – 28 Automaten à vielleicht zehn Exemplare: nun, das macht das Kraut nicht fett. Aber wenn dann noch einige Kioskbetreiber dazu übergehen, es sich nicht mehr gefallen zu lassen, regelmäßig mit weniger NZ-Exemplaren beliefert zu werden, als bestellt wurden, nun, dann sind wir auf einem guten Weg.

Freilich steckt hinter dieser Erlaubnis für die NZ, doch ein wenig Erfolg auf dem Auflagenmarkt haben zu dürfen, ein Kalkül. Dieses Kalkül lautet: „Was ist zu tun, um die führende Meinungsbeeinflussung durch die NN aufrechtzuerhalten?“

Denn eines weiß auch Bruno Schnell: Wenn er den Bogen zu sehr, zu lange, zu deutlich überspannt, dann wird etwas geschehen.

Damit kein Mißverständnis entsteht: Niemand hat etwas gegen eine Presse, die Position bezieht. Es wird hier auch nichts gegen eine Presse gesagt werden, die Position für die SPD bezieht. Das darf jede Zeitung, jeder Blog, jedes privatwirtschaftlich betriebene Medium. Das ist es nicht, was kritisiert wird. Die Kritik beginnt dort, wo die Zeitung nicht mehr berichtet, sondern selbst Politik betreibt – das aber natürlich nicht offenlegt. Es muß kritisiert werden, wenn in einer Zeitung Meldung und Meinung nicht mehr voneinander getrennt werden, wenn über gewisse Parteien eher liebedienerisch, über andere grundsätzlich abfällig berichtet wird. Es ist ein Unterschied, ob einerseits geschrieben wird „Die SPD will X und Y, und der Redakteur findet das gut“ oder „Die CSU will A und B, und der Redakteur findet das schlecht“. Solches ist völlig in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist: wenn andererseits beispielsweise ein CSU-Politiker mit einer grandiosen Erfolgsmeldung aufwartet und die NN dann quasi en passent berichtet, natürlich ohne Bild, und nach Möglichkeit noch ohne Namensnennung – vermeldet aber ein SPDler etwas, dann kann der „Bericht“ gar nicht groß genug sein. Was nicht in Ordnung ist: wenn eine CSU-Pressemitteilung besagt, daß man gewisse Zustände in einem öffentlichen Park bekämpfen muß, weil man ansonsten eines Tages Zustände hat, die zur Schließung des Parks führen werden – und die NN daraus die frei erfundene Behauptung macht, die CSU hätte die Schließung des Parks gefordert. Der Beispiele gibt es viele.

Wer den Nürnberger Politikbetrieb kennt, der weiß: die NN nimmt mittelbaren und unmittelbaren Einfluß auf die in der Stadt zu treffenden politischen Entscheidungen, ja sogar auf die Auswahl gewisser Kandidaten gewisser Parteien. Dazu hat dieses Blatt kein Recht, das steht ihm nicht zu. Deswegen ist es ein Gebot der Stunde, den undemokratischen Einfluß dieses Blattes zurückzudrängen.

Wenn 28 neue Verkaufskästen für die NZ dazu ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sind – dann ist das zu begrüßen.

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Ein Kommentar

  1. wireless sagt:

    ….tssss….nein sowas, stand doch kürzlich in einem Leitartikel der NN, als die Pressekrise kommentiert wurde, dass die NN eine „unabhängige Qualitätszeitung“ sei.

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