Schau mal einer an

von André Freud:

Einspurigkeit

 

Einer der Aufreger dieser Tage war der Vorstoß gewisser Zeitgenossen, die Fürther Straße stadtauswärts ausgerechnet vor der Kreuzung mit der Maximilianstraße einspurig zu machen, auf daß der böse Nürnberger, der es wagt, nach Fürth fahren zu wollen, dieses dreiste Ansinnen mit einigen Minuten Lebenszeit im Stau zu bezahlen hat. Es kam ja sogar am Rande der Bürgerversammlung West die Mutmaßung auf, daß sich die vornehme Politik eh nicht besonders um die nicht ganz so vornehmen Stadtteile im Westen eh nicht so gern kümmert und lieber gewisse ideologische Spielchen auf dem Rücken der Gostenhofer und Muggenhofer Bürger auslebt.

Die CSU machte im Stadtrat klar, daß sie diese, was den Verkehrsfluß betrifft, wahnwitzige Entscheidung nicht mittragen wird. Sie formulierte es höflicher, um den für Einspurigkeit und Pfosten zuständigen Verkehrsplaner der Stadtverwaltung nicht zu sehr anzugreifen, aber eine solche Rücksichtnahme ist im Blog nicht erforderlich; hier ist Klartext angesagt.

Wahrscheinlich wurde angesichts eines drohenden, ganz erheblichen Unmuts in der Bürgerschaft auch den Befürwortern der Schmalspurigkeit in der SPD deutlich, daß man das nicht machen kann. Vielleicht hatte man auch in der SPD einen kleinen Erkenntnisgewinn dergestalt, daß gerade im Westen relativ viele Bürger SPD wählen, jedenfalls auf kommunaler Ebene. Nun rudert man also zurück. Da es bei vielen Politikern einer natürlichen Veranlagung entspricht, Fehler nie und nimmer zuzugeben, sucht man nach einem anderen Grund für die Abkehr vom Vorhaben. Dieser Grund lautet nun: es sei kein Geld da.

Das ist natürlich nicht ernstzunehmen. Wenn eine Baumaßnahme notwendig ist, dann ist sie noch nie am mangelnden Geld gescheitert. Es handelt sich doch wohl um eine Ausrede. Vom Ergebnis her kann es einem egal sein: die Einspurigkeit der Fürther Straße ist vom Tisch. Das ist erfreulich. Noch erfreulicher wäre es übrigens, wenn die Bevölkerung zur Kenntnis nähme, daß dies auf die CSU zurückgeht. Erst deren Widerstand gegen diesen verkehrspolitischen Schuß ins eigene Knie hat zur Umkehr geführt, erst die Vorbereitungen für eine Demonstration auf der Fürther Straße, bei der man den Autofahrern und Anwohnern verdeutlicht hätte, was da auf sie zukommt, hat wohl das Einknicken der Schmalspurmeister bewirkt. Man sieht: das System funktioniert eben doch. Zumindest manchmal.

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