Schützt den Christkindlesmarkt!

von André Freud:

 

Zwei Meldungen, ein Zusammenhang.

  1. In den Zeitungen wird über den Christkindlesmarkt diskutiert, sein Charakter hinterfragt und über die Beibehaltung seiner Wertes für Nürnberger und Besucher diskutiert
  2. Das Gebäude an der Museumsbrücke, in der das Eiscafé Roma jahrzehntelang seinen Betrieb hatte, wird umgebaut – und dort soll während des Christkindlesmarktes Glühwein ausgeschenkt werden

Nun – das eine und das andere gehören zusammen. Was ist denn am Christkindlesmarkt noch Besonderes, wenn einem quasi schon beim Betreten der Altstadt am Königstor, also vom Bahnhof kommend, irgendein Zeitgenosse einen Glühweinbecher in die Hand drückt? Was hat es mit Weihnachten zu tun, wenn die weltgrößte Feuerzangenbowle gleich hinterm Christkindlesmarkt echtes Ballermann-Feeling aufkommen läßt? Eben: nichts.

Ein wochenlanges Massenbesäufnis darf der Christkindlesmarkt nicht werden. Nicht nur deswegen, weil davon vielleicht eh nicht viel zu halten ist – nein, schon aus purem Eigeninteresse der Stadt Nürnberg. Der Nürnberger Christkindlesmarkt hat Alleinstellungsmerkmale. Oder hat sie gehabt, möchte man befürchtend ergänzen. Das Nürnberger Christkind, der pittoreske Standort, die althergebrachten Buden mit ihrem traditionellen Angebot. Aber was ist denn davon noch übrig? Nicht mehr sehr viel.

Hier wäre weniger mehr. Eine Veranstaltung, wie sie jede deutsche Mittelstadt aufziehen kann – futtern, saufen, grölen -, mag noch für einige Jahre funktionieren, aber dann wird sie am Ende sein und niemanden mehr nach Nürnberg locken. Das kann man nämlich auch in Donzek, Norwich oder Uppsala. Da spielt der Ort keine Rolle.

Man sollte sich im Klaren darüber sein, daß die Entwicklung über Jahre hinweg zeitversetzt sein wird. Die Besucherzahlen werden noch stabil sein, während die Grundlage für die Zukunft wegbricht. Unsere Touristen kommen ja nicht jedes Jahr wieder. Wenn aber erst einmal in Reiseführern und im Internet massenweise zu lesen ist, daß der Christkindlesmarkt auch nicht viel anders ist als andere Massenbespaßungsveranstaltungen, dann werden sie ausbleiben, die Besucher. Dann erst gegenzusteuern, wäre spät – vielleicht zu spät.

Darum soll jetzt gegengesteuert werden. Weniger ist mehr! Keine Buden in der ganzen Stadt, sondern nur auf dem Hauptmarkt selbst. Meinetwegen mit den einigermaßen traditionellen Nebenbereichen wie der Kinderweihnacht. Zugleich sollte die Stadt nicht direkt an den Ständen verdienen – denn das führt dazu, daß die Gebühren hoch sind, was wiederum die kleinen Traditionsbetriebe auf die Dauer verdrängt. Die Stadt nimmt durch die Steuern, die Übernachtungen, die vielen Millionen Euro Umsatz in Gastronomie und Geschäften aller Art viel mehr ein, als sie durch direkte Gebühren jemals einnehmen könnte. Besser hat man 100.000 Besucher mehr in der Stadt als 100.000 Euro Gebühren.

Der besondere Charakter des Christkindlesmarktes kann nicht erhalten bleiben, wenn er sich de facto über die halbe Altstadt erstreckt und sich an manchen Stellen nicht mehr wesentlich von einer Aldi-Eröffnung unterscheidet. Das Besondere bewahren – das ist die gestellte Aufgabe.

Er ist noch etwas Besonderes, unser Christkindlesmarkt, aber dieses Besondere ist in Gefahr. Aufgabe von Politik und allen Verantwortlichen ist es, dies nicht preiszugeben.

 

Bild: Wikimedia, Roland Berger, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christkindlesmarkt_nuernberg.jpg

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