2012. 2021? Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

von André Freud:

Die NN berichtet auf der Titelseite über den 500. Geburtstag der Ausmalung der Sixtinische Kapelle durch Michelangelo. Schön (auch wenn es des Wortspiels im Titel nicht bedurft hätte; es handelt sich nicht um einen „Fingerzeig“).

Und wie berichtet die NN über die Wiederherstellung der Dürer-Ausmalung im Rathaus? Wie wird über das größte Kunstwerk des größten Nürnberger Künstlers, der außerhalb der Mauern seiner Heimatstadt weltberühmt ist, geurteilt?

2021 wird die Ausmalung des großen Rathaussaales 500. Wiederkehr feiern. Wenn’s nach Maly und seinen Freunden der weißen Wand, den Freunden des Farbe gewordenen Nichts, denen, für die Nürnbergs Geschichte erst mit der Arbeiterbewegung beginnt, ginge, dann würden sie ein paar Krokodilstränen vergießen, dann würden sie irgendwo, vielleicht in Zabo, eine Gedenktafel aufstellen, und das wäre es dann gewesen.

Man geniert sich etwas. An der New Yorker Academy of Art ist Dürer fester Bestandteil des Lehrprogramms, aber in seiner Heimatstadt achtet man ihn nicht. Das versteht nicht nur kein Besucher der Stadt – das ist ein Zurückschrecken vor einer Aufgabe, die nichts anderes als eine Selbstverständlichkeit ist.

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