Politik am Bürger vorbei

von André Freud:

Die SPD hat beraten, und einen kleinkarierten Beschluß sondergleichen hervorgebracht: Eibach soll nicht an die U-Bahn angeschlossen werden. SPD-Stadtrat Fischer, der in seiner Bescheidenheit gerne mal alle für ahnungslos hält, die nicht seiner Meinung sind, verkündet zwar, daß die Strecke wirtschaftlich sinnvoll sei – aber, so meint er, verkehrspolitisch nicht.

Die Fachleute rechnen mit 18.000 Fahrgäste. Pro Tag. Und vor einem Jahr war die SPD auch noch dafür. Was ist der Grund für den Gesinnungswandel der Genossen?

Sachlicher Natur? Das sagen sie, und vielleicht denken sie in der Tat so. Man darf da aber auch ein wenig skeptisch sein. Es ist doch so, daß insbesondere die Nürnberger SPD – wie die SPD im Allgemeinen – Angst davor hat, Projekte anzugehen, die größer sind als ein Kulturzentrum. Die genannten Gründe für das Nein wirken jedoch arg vorgeschoben. So wird behauptet, daß eine U-Bahn-Station Eibach weiteren Verkehr anlocken würde, dafür aber keine Parkplätze vorhanden seien. Nun ja: wenn 18.000 Menschen täglich die U-Bahn auf dieser Strecke nehmen, dann fallen einige Fahrzeuge pro Tag weg, nicht wahr?

Der Verfasser dieser Zeilen ist Altstädter, nicht Eibacher. Mir ist, wie vielleicht vielen Nürnbergern mit Lebensmittelpunkt aus der Mitte und dem Norden der Stadt, Eibach vor allem bekannt als auf dem Weg nach Schwabach gelegen, nichts für ungut. Und die Eibacher Hauptstraße ist bekannt als eine der Straßen Nürnbergs, auf der es sich genau so zuverlässig staut wie zwischen Plärrer und Hauptbahnhof. Ist da nicht eine Entlastung durch den ÖPNV dringend geboten? Eibach soll, so schreibt die NN in unnachahmlicher Diktion à la NEUES DEUTSCHLAND „noch besser“ an den ÖPNV angeschlossen werden. Noch besser? Noch? Geht’s noch? Durch Eibach rumpeln Busse, das war’s. Keine Straßenbahn, keine U-Bahn. Und diese Zeitung redet von „noch“ besser. Unglaublich.

Übrigens gab es zwischen 1948 und 1962 bereits einen Oberleitungsbus in Eibach. Nicht, daß das heute eine Lösung wäre – aber es zeigt, daß Eibach drei Jahre nach dem Krieg besser an den ÖPNV angeschlossen war als heute. Die Bürger sollen beruhigt werden durch den nun wohl tatsächlich kommenden Ausbau des Frankenschnellwegs – sagt der SPD-Stadtrat Harald Dix. Dazu muß man wissen, daß Dix der SPD-„Frankenschnellwegssprecher“ ist. Feiner Titel. Dix ist für den Ausbau des Frankenschnellwegs. Aber die SPD? Gespalten, unentschlossen, kleinkariert, bedenkenschiebend. Der Oberbürgermeister torpediert die Finanzierung des Projekts: Unvergeßlich, wie er zu einem Termin mit dem bayerischen Finanzminister Markus Söder kam, bei dem das Finanzierungspaket unter enormen Beiträgen des Freistaats beschlossen werden sollte, einige Stunden vorher aber auf einmal ein Fax von SÖR eingeht mit der Neuigkeit, daß es 150 Millionen Euro mehr bräuchte, und der OB behauptet fröhlich, davon keine Ahnung gehabt zu haben. Entweder hatte er keine Ahnung, dann muß man fragen, wie man als OB so ahnungslos sein kann, daß eine seiner größten Behörden beim größten Bauvorhaben der Staat den größten Nachschlag fordert, von dem man je hörte – oder aber er war vielleicht doch nicht ganz so ahnungslos. Welche Mitarbeiter bei SÖR (oder jeder anderen Behörde) würden einen Nachschlag von 150 Millionen Euro fordern, ohne den OB zu informieren? Richtig: Keiner. Wie dem auch sei: Das Ganze ist Unfug.

Die U-Bahn nach Eibach ist erforderlich. Es zeigt sich immer mehr und mehr, daß der große Oberbürgermeister Andreas Urschlechter, phasenweise der SPD zugehörig, mit dem wesentlich von ihm angestoßenen und durchgesetzten U-Bahn-Bau eine der besten und langfristig wirkungsvollsten Entscheidungen zugunsten Nürnbergs getroffen hat. Sie feierte heuer ihren 40. Geburtstag. 66 % aller Nürnberger leben U-Bahn-nah, wie es bei den Verkehrsplanern heißt. Und warum sollen die Eibacher nicht in den Genuß einer U-Bahn-Anbindung kommen? Eine gut frequentierte U-Bahn bedeutet weniger Straßenverkehr. Sie bedeutet schnellere Verbindungen. Im Gegensatz zum Bus, den – simpel ausgedrückt – im Allgemeinen nur der nimmt, der darauf angewiesen ist, wird die U-Bahn aufgrund ihrer Schnelligkeit, ihres Komforts auch von vielen genutzt, die sehr wohl mit dem Auto fahren könnten.

Das wissen auch die SPD-Stadträte. Bei jeder Gelegenheit betonen sie, daß die Attraktivität des ÖPNV gesteigert werden soll. Die Sozialdemokraten tun dies oft aus ideologischen Gründen, weil sie eben doch oft ein merkwürdig distanziertes Verhältnis zum Individualverkehr haben. Wir Schwarzen verteufeln das Auto nicht; jedoch sind wir sehr wohl dafür, durch ein sehr gutes ÖPNV-Angebot dem Bürger eine wirkliche Wahl zu geben, welches Verkehrsmittel er nutzt. Die U-Bahn ist das hochwertigste Verkehrsmittel des ÖPNV. Eibach ist bis heute hundsmiserabel an den ÖPNV angeschlossen. Und nun besteht die Möglichkeit, aus einer ganz schlechten eine ganz hervorragende Anbindung zu machen. Und was macht die SPD? Schiebt Bedenken, mauert, blockt ab. Es ist zum Haareraufen.

 

Bild: Wikipedia-Nutzer RalfR; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:U3-nuernberg-rr2.jpg, Lizenz: GNU

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