„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“

von André Freud:

vlnr: SPD-Stadträte Gerald Raschke, Gabriele Penzkofer-Röhrl, Jürgen Fischer; Baureferent Wolfgang Baumann; CSU-Landtagskandidat Tobias Schmidt

Das titelgebende Wort stammt von Adorno. Der Neptun-Brunnen bleibt vorerst im Stadtpark. Der Stifter des Brunnen-Zweitgusses, der seit 1962 im Stadtpark steht, schenkte der Stadt den Brunnen unter einer einzigen Bedingung: daß er dort aufgestellt werden muß, wo er seit dem Ende des 30jährigen Krieges von der Stadt Nürnberg aufgestellt werden wollte: auf dem Hauptmarkt. So kam es 1902 endlich dazu, daß er am Hauptmarkt stand.

1933 ließ Nazi-Gauleiter Julius Streicher die Tafel, die an den damals bereits verstorbenen Stifter Ludwig von Gerngros erinnerte, entfernen – denn: Gerngros war Jude gewesen, und das konnte der Haßprediger Streicher nicht ertragen. 1934 wurde der Brunnen auf unmittelbare Anordnung Hitlers vom Hauptmarkt entfernt. 1962 wurde er dann im Stadtpark aufgebaut.

Daß der Brunnen heute nicht mehr auf dem Hauptmarkt steht, ist das Resultat rechtswidriger Handlungen der Nationalsozialisten Streicher, des NS-Oberbürgermeisters Willy Liebel und Adolf Hitlers. Es ist Unrecht und es bleibt Unrecht.

Die Forderung, den Brunnen auf den Hauptmarkt zurückzuversetzen, konnte 2010 nicht durchgesetzt werden. Das Thema ist sicherlich für einige Zeit durch. Nun wurde heute am Neptun-Brunnen im Stadtpark eine Tafel errichtet, die an die bewegte Geschichte des Brunnens erinnern soll.

Diejenigen, die den Brunnen im Stadtpark behalten wollen, habe sich durchgesetzt; zumindest: vorerst. Warum SPD-Stadtrat Fischer das zum Anlaß nahm, bei einer kurzen Stellungnahme vor allen Anwesenden den Befürwortern der Rückverlegung zu unterstellen, daß sie nicht wüßten, wovon sie reden, zeugt natürlich von einem Mangel an Souveränität.

Anders Tobias Schmidt. Er stellt seine Sicht so dar: „Er steht dort seit 50 Jahren und somit hat der Standort seine eigene Geschichte entwickelt und damit auch seine eigene Berechtigung“. Das ist wenigstens ein Argument. Ich halte es nicht für schlagend, aber es verweist auf einen Umstand, der nicht zu bestreiten ist. Deswegen wäre auch, wenn es zur Rückverlegung gekommen wäre, die Frage „Was soll stattdessen im Stadtpark errichtet werden?“ eine eminent wichtige Fragestellung geworden. Aber ach, es hat nicht sollen sein.

Dann aber muß man eines feststellen: Es ist gut und richtig, daß am Neptun-Brunnen nun diese Info-Tafel über die bewegte Geschichte des Brunnens informiert. Warum aber findet sich diese Tafel nicht auch dort, wo der Brunnen rechtsbrechend abgebaut wurde – am Hauptmarkt? An die untergegangene Moritz-Kapelle erinnert man schließlich auch dort, wo sie stand, und nicht in Johannis. Da ist noch Handlungsbedarf gegeben.

 

Bild: Freud

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