Was geht mit der NZ vor sich?

von André Freud:

Die Nürnberger Zeitungslandschaft bietet schon seit längerem in etwa die Meinungsvielfalt, wie sie in der DDR geboten war. Herr über die veröffentliche Meinung ist ein alter Mann, der sich gerne „Papa Marx“ nennen läßt und der sich wie ein Politkommissar erdreistet, seine Redakteure zusammenzustauchen, wenn es mal einer wagen sollte, Bundeskanzlerin Merkel zu loben. Glauben Sie nicht? Glauben Sie’s, er hat es selbst vor kurzem der Süddeutschen Zeitung in einem Interview erzählt. Und der Kerl ist da auch noch stolz drauf.

Dieser alte Mann hat zwei Zeitungen: die NN und die NZ. Die NN ist das politisch stramm linke Blatt, das aus seiner Agitprop kaum noch einen Hehl macht. Wenn Nürnberger CSU-Politiker die Welt retten, wird „Papa Marx“ vermutlich kein gutes Wort darüber verlieren, sondern höchstens bemängeln, daß man auch noch stolz auf die Leistung sei. Wenn aber in der SPD ein kleiner Lufthauch produziert wird, dann ist die NN voll des Lobes darüber und läßt jeden örtlichen SPD-Politiker mit Bild dazu fleißig absenfen.

Das alles ist ja schon so mies, daß man kaum noch weiß, wie man das anders als sarkastisch behandeln soll.

Und nun kommt hinzu: der Niedergang der bürgerlichen NZ. Die hält sich „Papa Marx“ als Feigenblatt. Vor allem aber natürlich, um das Erscheinen einer Konkurrenzzeitung zu verhindern. Er bedient das Bürgertum, aber zugleich ist er natürlich bemüht, die NZ klein zu halten. Wenn man die NN mal als Unterstützerin des Lagers SPD/GRÜNE/SEDPDSLinkspartei sehen will, kann man die NZ zwar nicht als Unterstützerin der CSU (und der FDP) sehen, aber wenigstens als gegenüber der CSU nicht feindselig. Nun sollte man meinen, daß in einer Stadt, in der alle Bundestagsdirektmandate von CSU-Politikern geholt werden, in der alle Landtagsdirektmandate von der CSU geholt werden, und in der trotz einer immensen SPD-Tradition im Rathaus auch lokal die CSU immerhin die zweitstärkste Fraktion stellt, daß die deren Wähler bedienende NZ eine Auflage hat, die wenigstens in etwa der Auflage der NN entspricht. Das aber ist nicht so – obwohl die NZ im Lokalen der NN locker ebenbürtig ist, weil sie großartige Redakteure auch im Bereich Kultur und Feuilleton hat, weil der politische Teil sich nicht so liest, als sei er von SPD-Kadern geschrieben. Warum also ist die NZ so auflagenschwach? Weil „Papa Marx“ es so will.

Der Verfasser dieser Zeilen kauft seine NZ mal hier, mal da, mal dort. Und es ist gar nicht einfach. Oft bekomme ich auf Anhieb die NZ nicht. Interessant finde ich, was die Kiosk-Betreiber mir dazu sagen: „Heute war keine NZ dabei“. „Ich habe heute nur ein Exemplar bekommen, und das liest die Chefin“. „NZ? Führen wir nicht mehr. Mal kommt sie, mal nicht – zuviel Gwerch“.

Ja, was ist da los? Sollte es vielleicht so sein, daß die NZ absichtlich von „Papa Marx“ kleingehalten wird?

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2 Kommentare

  1. Stefan Bayer sagt:

    Ist doch klar und war schon immer so, bei einer Auflage über 30 Tsd. steigen die Redakteursgehälter ganz anständig!

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