Macht Opposition blöd?

von André Freud:

Nein, natürlich macht Opposition nicht blöd. Aber die Kombination aus „in der Opposition zu sein“, „endlich an die Macht zu wollen“ und „aber die Regierenden in Berlin und München machen ihre Sache so gut, daß man dagegen eigentlich nichts sagen kann“, bringt Verhaltensweise hervor, die man dann doch mit einigem Fug als blöd bezeichnen kann.

So veranstaltete die SPD eine Riesenshow zwischen St. Sebald, Rathaus und Goldenem Posthorn. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel, der Spitzenkandidat der BayernSPD Ude und der Nürnberger Oberbürgermeister Maly baten das Volk, doch mal vorbeizuschauen. Man bat dringend – will sagen: die SPD plakatierte die halbe Stadt voll. Kostet ja auch alles gar kein Geld.

Ein Mordszelt ward errichtet, auf daß man behütet dem Ansturm der Massen, die da kommen sollten, entgegensehen konnte. Die Hofpresse von Papa Marx, vulgo: NN, berichtete fleißig.

Und dann kreiste der Berg und gebar eine Maus. Wenn man mal die üblichen SPD-Funktionäre abzieht, sollen bei diesem Riesenhypermegaevent der „Volkspartei“ SPD gerade mal 150 Bürger erschienen sein. Und dafür der ganze Zinnober?

Ja, das kann die SPD sich leisten. Denn wenn man so eine Presse hat wie wir in Nürnberg – die nach der heute erfolgten Einstellung der Abendzeitung und dem Ausblutenlassen der Nürnberger Zeitung durch Papa Marx einen absoluten Tiefststand erreicht hat -, dann spielt es nämlich kaum eine Rolle, daß der Bürger die Obersozis mit Nichtbeachtung strafte. Denn: die Lachnummer steht nicht in der Zeitung. Die NN macht die übliche, großartige Vorberichterstattung und pumpt die Stippvisite der Herren Ude und Gabriel, die möglicherweise Nürnberg kaum auf einer Landkarte fänden, zu einer Angelegenheit mindestens nationalen Interesses auf. Und dann flopt das Ding, sondergleichen. Aber wenn am nächsten Tag die Parteipresse nicht berichtet, daß es geflopt hat, dann spielt der Flop ja gar keine Rolle mehr, mögen sich die Oberstrategen denken.

Aber täuscht Euch nicht, Ihr, die Ihr Euch als Inhaber der veröffentlichten Meinung wähnt. Was – leider – zum Untergang der AZ geführt hat, wird auch die NN zu einer Berichterstattung zwingen, die wenigstens so tut, als würde sie dem Anspruch an redliche Berichterstattung entsprechen. Früher stand auf dem Kopf der NN noch „unabhängig – überparteilich“. Heute steht da nur noch „unabhängige Zeitung“. Von „überparteilich“ steht da nichts mehr – wäre ja auch ein Hohn.

In der heutigen Ausgabe darf jeder SPD-Parlamentär, der irgendwie greifbar war, seinen Senf zur Personalie Peer Steinbrück abgeben, mit Bild und furchtbar viel Platz. Dagegen ist ja an sich nichts zu sagen. Aber wo war die entsprechende Berichterstattung, in der CSU-Politiker abgebildet und mit Statements zum Spitzenkandidaten gezeigt wurden? Ach, die haben Sie nicht gesehen? Ich auch nicht. Diese Schieflage ist es, die die NN zu einer unseriösen Zeitung macht. Dies Blatt bringt Berichterstattung nur noch als Feigenblatt für ihre Agitprop.

Und deswegen paßt die NN natürlich wunderbar zur SPD. Da haben sich zwei gefunden! Die SPD liefert den Flop, und die NN bläst es zum Erfolg auf. Wirklichkeit? Geldverschwendung? Ablehnung durch den Bürger? Ha! Das wird nicht erwähnt.

Opposition macht nicht blöd. Aber sie verführt zuweilen dazu, den Bürger für blöd zu verkaufen.

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