Neues vom Jamnitzer Park

von André Freud:

Der russische Feldmarschall Fürst Grigori Potjemkin hat, wenn seine Geliebte, die Zarin Katharina II. über Land fuhr, in den schäbigen, armen Dörfern Kulissen aufstellen lassen, die schön aussahen – damit die Zarin zufrieden war. Seitdem gibt es den Ausdruck vom Potjemkinschen Dorf oder, eingedeutscht, Potemkinschen Dorf: etwas, was entgegen der Wahrheit aufgehübscht wird, damit man das Elend nicht sieht.

In der Nürnberger Lokalpresse wird derzeit der Jamnitzer Park zu einem Potjemkischen Dorf gemacht. Im Nürnberger Stadtanzeiger ist heute zu lesen, daß es im Jamnitzer Park „kein Sicherheitsproblem“ gäbe.

Das kann nur als böser Witz bezeichnet werden. Man wird sich noch an die Photos erinnern, die vergangene Woche in der BILD zu sehen waren. Die Photographin, die dieser Bilder machte, ist während des Photographierens massiv bedroht worden. Bei einer Begehung vor Ort, die ein CSU-Stadtrat und der örtliche CSU-Ortsvorsitzende unternahmen, wurde sie ebenfalls verbal bedroht und beschimpft – von eben jenen, die den Park immer wieder für sich besetzen und sich als Hausherren aufspielen.

Es ist unklar, warum sich die Nürnberger Polizei zu einer Stellungnahme mit dem Inhalt „kein Sicherheitsproblem“ hinreißen läßt, wenn im Jamnitzer Park kaum verdeckt mit Drogen gehandelt wird. Wie kommt es zu solchen Einschätzungen? Man fragt und wundert sich.

Auch wird im Stadtanzeiger vom Journalisten Jo Seuß wider besseres Wissen Unwahres behauptet. Der CSU-Ortsvorsitzende Regnat forderte nicht die Schließung des Jamnitzer Parks. Er mahnte an, daß die Zustände im Jamnitzer Park verbessert werden müssen. Wenn die Stadt dies nicht leisten könne, dann bliebe am Ende nur die Schließung. Städtische Grünanlage sind nicht dafür da, No-Go-Areas zu werden, sie sind nicht dafür da, eine quasi öffentliche Drogenszene zu etablieren. Wäre dies das einzige, was der Jamnitzer Park wäre, dann wäre die Schließung die Konsequenz.

Also: niemand forderte die Schließung; gefordert wurde ein Tätigwerden der Stadt. Und deswegen ist auch die Aussage von Seuß im Artikel im Stadtanzeiger nicht zutreffend, daß CSU-Stadtrat Andreas Krieglstein den Ortsvorsitzenden Regnat „zurück pfeift“: Krieglstein setzt sich gerade dafür ein, daß im Jamnitzer Park die Zustände verbessert werden. Er nimmt die vom Ortsvorsitzenden vorgebrachten Sorgen ernst.

Stadtrat Joachim Thiel, stadtplanungspolitischer Sprecher der CSU, sagte in seiner Rede im Stadtrat nicht, wie Seuß suggeriert, daß der Jamnitzer Park ein „lost place“, ein verlorener Platz, sei – sondern daß er keiner werden dürfe. Deswegen sei es dringend erforderlich, daß gehandelt werde. Genau so ist es.

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