Dürer – war da etwas?

von André Freud:

Aussitzen, Schweigen, Verdrängen: Die Taktik des Systems Maly, um das Thema der Dürer-Ausmalung im Großen Rathaussaal aus den Köpfen der Bürger zu verdrängen.

Dem OB war ja bereits die Diskussion lästig, wie er in einer öffentlichen Stellungnahme klar bekannte – er wünschte die Diskussion nicht. Seine Untertanen aber, frech geworden und sich selbst gar als Bürger begreifend, nahmen dies nicht hin. 17.000 besahen sich die Multimedia-Installation im Rathaussaal, und sie fordern die Wiederherstellung von Dürers größtem Kunstwerk. Daß das in jeder Hinsicht möglich ist, haben die Altstadtfreunde durch Expertisen längst festgestellt. Sogar innerhalb der SPD hat Maly offenen Widerspruch erfahren – und zwar keinen unerheblichen. Fraktionschef Christian Vogel selbst war es, der erstens die Diskussion lobte und zweitens bei geklärter Machbarkeitslage für die Wiederherstellung eintritt. Das muß den OB aber ordentlich gewurmt haben.

Es wäre nun ganz falsch, hierin eine Wende der Haltung der Stadtregierung zu sehen. Die mauert nämlich weiter und tut so, als sei nichts gewesen. Es wird nämlich weiter geblockt vom System Maly. Die Bürger wollen es, die Fachleute wollen es, aber was soll’s – man macht einfach weiter und versucht, das Thema totzuschweigen.

Es ist an der Zeit, daß Politiker aller Coleur sich den Projekten von Bürgern, Vereinen, Fachleuten nicht widersetzen, sondern sich des Themas mutig bemächtigen und dessen Realisierung scheuklappenfrei vorantreiben.

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