Adieu, Abendzeitung?

von André Freud:

Die Abendzeitung steht zum Verkauf. Findet sich kein Käufer, wird sie eingestellt. Das ist, in dürren Worten, das schlichte Fazit eines jahrelangen Niedergangs – eines Niedergangs nicht einer einzelnen Zeitung, sondern einer ganzen Branche: die der gedruckten Tageszeitungen.

Im Vergleich zum Internet sind gedruckte Medien erschreckend langsam oder herrlich langsam – je nach eigenem Verhältnis zur Entschleunigung oder Beschleunigung. Natürlich werden auch hausgemachte Fehler zum Ende beigetragen haben. So ist die AZ im Internet recht schwach aufgestellt, zuweilen bleiben wichtige Seiten tagelang unerneuert. Die Redaktion wurde verkleinert, und als das nun anstehende Ende sich abzeichnete, gingen bereits manche von Bord und suchten sich einen neuen Arbeitgeber.

Mit der AZ sind Nürnberger Originale verbunden. Nicht weniger Zugereiste haben mit dem „Spezi“ von Klaus Schamberger Fränkisch gelernt. Auch „Ich bitte um Milde“ hatte einen festen Platz in vielen Köpfen und Gesprächen. Vor allem aber ist immer wieder eines zu bemerken: Die AZ war im Niveau nie dort, wo man sie angesichts der Buchstabengröße ihrer Überschriften hätte vermuten können.

Es gab auch recht geschickte Vorgehensweisen der AZ. So wußte man dort, jede in Nürnberg begangene, spektakuläre Straftat zweimal als Aufmacher zu benutzen: einmal, wenn sie geschehen war, ein zweites Mal, wenn der Täter vor Gericht stand. Die Schlagzeile erweckte auch beim zweiten Mal den Eindruck, von einem neuen Fall zu berichten.

Der bayerische Journalistenverband hat den Inhaber Oschmann aufgefordert, das Blatt weiterhin zu unterstützen. Angeblich gibt Oschmann zu jeder Ausgabe mehrere Tausend Euro aus seinem Privatvermögen dazu. Das ist natürlich kein Gechäftsmodell; die Forderung ist letztlich absurd.

Und so wird es zwei Gruppen von Leidtragenden geben. Zum einen die Mitarbeiter der Abendzeitung, von denen insbesondere die Journalisten es nicht leicht haben werden, eine neue Stellung im gleichen Beruf zu finden. Zum anderen die Nürnberger insgesamt. Auch diejenigen, die noch nie die Abendzeitung lasen, werden unter der Reduzierung der hiesigen Zeitungen mit Regional- und Lokalteil zu leiden haben.

„Papa Marx“, wie Bruno Schnell, Verleger von NZ und NN kürzlich in einem Interview genannt wurde, mag sich freuen: der lästige Mitbewerber von anno dazumal ist fort. Und nun kann dieser Herr der öffentlichen Meinung, der seine Journalisten bei den NN auch in ihrer Meinung kommandiert und sich, wohl zum Zwecke der Vermeidung unliebsamer Mitbewerber und zum Zwecke der Verbreitung seiner reichlich linken Meinungen, den Altherrengag leistet, zugleich auch Herausgeber der bürgerlichen Nürnberger Zeitung zu sein, endgültig dazu ansetzen, eine Meinungsalleinherrschaft in lokalen Themen anzutreten. Die eben erwähnte NZ ist von einem Spar- und Sanierungsprogramm betroffen, das natürlich auch mit Stellenabbau einher geht. Wenn man sich so ansieht, was man von der Führungsarbeit des Herrn Schnell so mitbekommt, dann fällt die Vermutung nicht schwer, was in Nürnberg geschehen wird: ein reichlich einseitiger, von stramm links wehender Wind wird die „Blätter“ verbreiten, die Schnell gefallen. Und alles andere mag untergehen.

Keine gute Nachricht also. Weder für die Mitarbeiter der AZ noch für die Nürnberger Bürger als Gesamtheit. Adieu, AZ?

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