Jeder blamiert sich, so gut er kann

von André Freud:

 

Der fleißige Leser des Lokalteils unserer Zeitungen weiß, daß bei den vielen, kleineren Stadtteilkirchweihen sich organisatorisch etwas tun muß. Mit dem Schaustellerverband war man unzufrieden, weil die Kirchweihen alle recht gleich aussahen. Die Stadt kann nicht diese Feste organisieren, ohne neue Mitarbeiter einzustellen – was sie sich wiederum nicht leisten kann. Und so haben manche vielleicht wirklich Sorge, daß es ein Kirchweihsterben geben wird – vor allem aber machen sie den Bürgern diese Angst.

Gerade auch aus der SPD wurden Stimmen laut, die ausgerechnet den Wirtschaftsreferenten Fraas für das – befürchtete, nicht eingetretene – Kirchweihsterben verantwortlich machen wollen. Ja, liebe SPD, dann fangen wir mal ganz von vorne an.

Kirchweihen sind Feste, die ihren Kern am (echten oder der Jahreszeit wegen verlegten) Weihetag einer Kirche haben. Ursprünglich mit starkem Bezug zur Kirche, sind sie heute eher verselbständigt. Sie sind Stätten der Brauchtumspflege. Hier wird noch Musik mit der Hand und dem Mund gemacht, hier hat der Pfarrer das erste Grußwort, hier gibt es weniger Stände mit exotischer Küche, sondern Steckerlfisch, Bratwürste, und ein ordentliches Bier vom Faß. Ein Kinderkarussell gehört dazu, eine Losbude, ein Stand mit Süßigkeiten, eine Festbestuhlung. Das war es doch, im Großen und Ganzen. Oder? Wurde etwas vergessen?

Ja, da wurde etwas vergessen: die Menschen, die auf eine Kirchweih kommen. Es sind meist die Menschen aus der Nachbarschaft, die einen Bezug zum Platz haben, vielleicht einen zur Kirche, die sich daran erfreuen, vom örtlichen Metzger Bratwürste in die Hand zu bekommen, die viele der anderen Gäste zumindest vom Sehen her kennen (und manchmal auch vom Wegsehen, aber das gehört dazu), die sich daran erfreuen, daß in ihrem Stadtteil so etwas wie eine kleine Identität vorhanden ist. Deswegen kommen sie.

Und dann ist da natürlich die Politik. Die kommt auch. Natürlich – nicht jede Partei hat solche Politiker aufzubieten wie wir den in Bayern und Deutschland weltberühmten Markus Söder. Jedoch: wir von der CSU kommen nie nur mit einem prominenten Politiker. Wir sind stets stark vertreten, durch die Basis, durch Stadträte, Orts- und Kreisvorsitzende und so weiter. Aber jede Partei hat doch ihre Leute, vor Ort, in den Ortsverbänden. Die Grünen waren immerhin mit zweien vertreten, mit Achim Mletzko und Brigitte Wellnhöfer. (Mletzko durfte sogar anstechen, aber das lassen wir dem Pfarrer Dr. Sinn für diesmal durchgehen…).

Daß die Piraten-„Partei“ nicht zu sehen war, ist verständlich; die verkriechen sich derzeit eher, angesichts der Lawine an Peinlichkeiten und verräterischen Entlarvungen dessen, was sie sind und was sie wollen. Vielleicht war auch ihrem jungen Stadtrat, einem 74jährigen Altlinken, das Ganze zuviel. Wenn’s um unsere Demokratie gut bestellt ist, kehren sie vielleicht gar nicht mehr wieder. Die FDP war nicht vertreten, aber gut – die zwei, drei Mitglieder, die sie in St. Leonhard haben dürfte, gaben sich vielleicht nur nicht zu erkennen. SEDPDSLinkspartei? Fehlanzeige, was auch sonst.

Aber natürlich, da ist ja noch die SPD. Lautstarke Retter der Kirchweihen! So stellen sie sich doch dar. Die Partei mit der ach so großen Bürgernähe! Sollte man doch meinen, nicht wahr? Die Wirte hatten der SPD eine ganze Bierbank reserviert. Wenn man berücksichtigt, daß wir von der CSU drei Bänke hatten, dann paßt die Relation eigentlich. Und da saßen nun die Schweinauer und die Leonharder und die anderen Nürnberger und bestaunten den SPD-Tisch. Von allen Tischen, die auf der Kirchweih aufgebaut waren, war das der einzige, an dem niemand saß. Niemand. Null. Keiner.

Jeder blamiert sich, so gut er kann. Wenn die Sozis den Nürnbergern schon einreden wollen, daß ihre Kirchweihen stürben, dann ist eine der ersten und wichtigsten Wiederbelebungs- und Lebenserhaltungsmaßnahmen: daß man diese Kirchweihen besucht.

Warum tun sie’s nicht, die Sozialdemokraten? Weil es ihnen wurscht ist. Die brauchen die Kirchweihen nur, um den Leuten Angst zu machen. Sie haben beim normalen Volk immer weniger zu erzielen, und das wissen sie auch. Da bleibt die Bierbank dann eben leer. Und die SPD ist, mal wieder, blamiert. Bis zum nächsten Mal, Genossen!

Bild: Freud

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