Und wir haben doch einen OB!

von André Freud:

Lange hat man nichts von ihm gehört. Und das, was man hörte, war eher irritierend. Der Denkpausen-OB. Der analoge OB. Der OB der weißen Wand. Ansonsten war viel Schweigen im Rathaus – mehr Schweigen, als sich alleine durch die Sommerruhe erklären ließe – was schon zu Fragen geführt hat, ob der neuerdings zuweilen ungewohnt mürrisch wirkende Amtsinhaber vielleicht amtsmüde ist und nach neuen Ufern Ausschau hält.

Aber nun ist er wieder da, der OB. Mit einer hochpolitischen Aktion meldet er sich zurück und ergreift die Inititative! Hat er sich zum Flughafen geäußert? Nein. Zum Frankenschnellweg-Ausbau? Mitnichten. Hat er der nun auch vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Vogel latent befürworteten Rathaussaal-Ausmalung zugestimmt? Keineswegs. Eine Äußerung zum Schandfleck Jamnitzer Park? Kein Wort.

Nein, zu all diesen und weiteren, brennenden Themen der Lokalpolitik war vom OB nichts zu hören. Er befaßt sich lieber mit den richtig wichtigen Dingen, mit den hochpolitischen Aufgaben. Unser Oberbürgermeister, Maly, Uli, haltenzugnaden, wohnte der Eintragung von fünf in London bei den Paralympics erfolgreichen Sportlern ins Goldene Buch bei.

Niemand wird bestreiten, daß derlei zu den Pflichten eines OB gehört, und zwar durchaus zu denjenigen Pflichten, die eines OB würdig sind. Es gibt aber auch noch andere Pflichten des Oberbürgermeisters. Die vornehmste ist, seine Stadt zu entwickeln, sie für das morgen vorzubereiten, Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu suchen und zu geben.

Dazu aber wissen die Zeitungen nichts zu vermelden. Der OB schweigt.

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