Real: Satire

von André Freud:

Der geneigte Leser mag sich fragen, was das Bild dieses reichlich verunzierten Kondomautomats in diesem politischen Blog soll. Es hat die Aufgabe zu verdeutlichen, daß wir uns im politischen Raum zuweilen in einer Realsatire bewegen. Würden Sie diesen Automaten als „top gepflegt“ bezeichnen? Wohl kaum. Wenn jetzt aber einer des Weges käme und verkündete, er mache diesen Automaten alle zwei Tage sauber – was würden Sie von einem solchen Zeitgenossen halten?

Wir wollen nicht in Verbalinjurien verfallen, denn es geht natürlich nicht um diesen Automaten. Es geht um den Jamnitzer Park. Eine im sonst jedes Grün entbehrenden Westen der Stadt befindliche Grünanlage, die mit viel Geld geschaffen wurde – die Stadt kaufte den Grund, riß Häuser ab, um es etwas grüner werden zu lassen. Sehr löblich. Aber nun kümmert man sich nicht um diese Grünanlage und läßt sie verkommen. Das ist nicht vernünftig. Vernünftig wäre es, wenn man eine teure Anschaffung auch gut pflegt. So wird man bei einem Auto mal nach dem Ölstand und nach den Reifen sehen. Und wenn man einen Park hat, dann wird man ihn durch die zuständige Behörde in Schuß halten lassen. Sollte man meinen, nicht wahr?

Wer sich aber den Jamnitzer Park beschaut, der wird zu einem anderen Ergebnis kommen. Der sieht so aus, als wäre dort seit seiner Eröffnung nicht mehr viel passiert: heruntergekommen, verwahrlost. So, wie dieser Kondomautomat. Aber dann liest man, was SÖR (für Nicht-Nürnberger: „Service öffentlicher Raum“) auf einen Antrag der CSU hin mitteilt. SÖR behauptet, im Jamnitzer Park alleine im letzten Jahr

  • 126mal die Rasenfläche gesäubert zu haben
  • 126mal die Gehölz- und Pflanzflächen gesäubert zu haben
  • 126mal die Pflasterflächen gesäubert zu haben
  • 126mal die wassergebundenen Flächen gesäubert zu haben
  • 126mal die Abfallbehälter geleert zu haben

Alles 126mal erledigt! Dazu müßte SÖR an fast jedem zweiten Werktag im Jamnitzer Park antreten, also jeden Montag, jeden Mittwoch, jeden Freitag. Was nur der normale Mensch nicht versteht: Wenn SÖR das tut, warum sieht der Park dann so aus, wie er aussieht?

Beim letzten Besuch im Jamnitzer Park hatte ich keine Kamera dabei. Das werde ich alsbald nachholen. Hinweis an SÖR: vermutlich Mittwoch, Spätnachmittag. Und der dann vorgefundene Zustand wird hier abgebildet werden. Und dann möge mal jemand erklären, wie der Zustand und die Beschreibung von SÖR zusammenpassen sollen.

Falls ein Leser sich fragt, ob ich mir diesen „Spaß“ ausdachte, um dem beliebten Spiel, SÖR zu kritisieren, nachzugehen: mitnichten. Die wackere Behauptung von SÖR, den Jamnitzer Park top zu pflegen, kann jeder nachlesen, und zwar hier.

Bild: Freud

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