Von Hänge- und Armleuchtern

von André Freud:

Es war schon immer ein Zeichen eher intellektfernen Humors, wenn man sich über etwas verlustiert, wofür das Objekt des angeblichen Humors nichts kann. Derzeit juchzt und jauchzt eine gewisse Gruppe von Zeitgenossen über die Tatsache, daß ein schwedisches Studentenwohnheimeinrichtungshaus, das jedem Artikel einen Namen zu geben beliebt, der schwedisch ist oder schwedisch klingt, eine Lampe anbietet, die den Namen des CSU-Bezirksvorsitzenden und bayerischen Staatsministers der Finanzen trägt.

Insbesondere auf Facebook kursieren nun zahlreiche, angeblich witzige Anspielungen, häufiger auch aber weniger subtile, sondern reichlich grobschlächtige Anmerkungen dazu, daß der angebliche IKEA-Armleuchter „Söder“ eine Art transzendentale Koexistenz des Markus Söder sei..

Wie nun heute in der Abendzeitung Jürgen Eisenbrand richtig feststellt, handelt es sich allerdings bei dem IKEA-Produkt „Söder“ nicht um einen Armleuchter, sondern um eine Hängeleuchte. Das allerdings stört die Freunde des Humors à la Dampframme freilich wenig; sie werden es nicht zur Kenntnis nehmen.

Was allerdings diese Leutchen sich einmal zu Gemüte führen sollten, ist folgendes:

Erstens ist „Armleuchter“ primär keine Bezeichnung für eine Lampe, die Glühbirnen oder was immer die großmächtige EU uns Untertanen an elektrischen Leuchtmitteln zu gestatten beliebt, aufnimmt – ein Armleuchter ist nämlich ursprünglich ein Kerzenständer für mehrere Kerzen, die auf Armen aufzustecken sind. Der Bildungsbürger spricht hier übrigens vom Kandelaber.

Zweitens ist „Armleuchter“ mit „dumm, einfältig“ konnotiert. Ich wage nun aber doch zu bezweifeln, daß selbst der schärfste politische Widersacher Söders denselben so bezeichnen würde; daß es sich bei Markus Söder um einen hochintelligenten Mann handelt, dürfte bis hin zur MLPD, den „Piraten“ und anderen Sektierern unbestritten sein.

Drittens geht der vorgebliche „Witz“ hinter dieser Sache im Kern fehl. Leuchten nämlich sind eine der großen Kulturerrungenschaften der Menschheit. Sie erhellen die Dinge. Sie bringen Licht ins Dunkel. Sie lassen einen sehen. Ich will mich nun nicht zu einem Byzantinismus versteigen, der all dies eins zu eins auf Markus Söder überträgt – auch ein Politiker ist nur ein Mensch wie du und ich, selbst wenn es sich um einen erfolgreichen Politiker handelt, der vor allem durch sachliche Erfolge und Effizienz seiner politischen Arbeit auffällt. Aber es fällt schon auf, daß dieser „Witz“ Söder-Söder auch daran krankt, daß er in sich unstimmig ist, wenn es den Witzemachern darauf ankommt, Markus Söder einen Armleuchter zu nennen – denn das können sie nicht tun, ohne ihn nicht zugleich als politisches Licht zu bezeichnen – was nun gerade diese Mitbürger vermutlich gar nicht im Sinne haben. Und so fällt das Witzchen auf die Witzemacher zurück.

Viertens ist Markus Söder nicht nur jemand, der gerne lacht – sondern auch jemand, der über sich selbst lachen kann. Er wird keinen Anlaß nehmen, sich über diese Sache zu ärgern. Warum sollte er? Im Zweifel macht man sich eine solche kursierende Sache zu eigen, nimmt den Ball auf und spielt ihn gekonnt zurück. Dabei kann Markus Söder sich sogar auf die (angeblichen) letzten Worte Goethes berufen: „Mehr Licht!“

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