Nassauer vorm Nassauer Haus

von André Freud:

Ach, man würde sich ja so freuen, wenn mal eine politische Sache von links irgendwie überzeugend wäre. Es ist so, daß die drohende GEMA-Reform den gastronomischen Betrieben, in denen Musik eine Hauptrolle spielt, Kosten auferlegen wird, die viele nicht werden tragen können und also vermutlich schließen müssen. Also riefen manche zur Demonstration gegen die GEMA auf. Laut der Vorberichterstattung in der Presse haben die „Piraten“ (wer sonst), die die Nürnberger Demonstration am heutigen frühen Abend mit organisierten, mit 1.000 Teilnehmern gerechnet. Es waren bei der großen Auftaktkundgebung vor der Lorenzkirche unterm Nassauer Haus mit Müh‘ und Not 250 Leutchen, die da zusammenkamen. Das alleine sagt natürlich nichts: auch für eine gute Sache kommen manchmal nur wenige Menschen zusammen, und für manche schlechte Sache lassen sich zigtausende zusammenrufen. Und umgekehrt, natürlich.

Wer da aber im guten Glauben gekommen war, daß hier gegen überzogene Forderungen demonstriert werden würde, der sah sich schnell getäuscht. Das spielte nämlich kaum eine Rolle. Der Vertreter der „Jungen Piraten“, dessen Namen ich durch das überlaut aufgedrehte Lautsprechersystem nicht verstehen konnte, was wohl auch nicht viel ausmacht, erklärte gleich zu Beginn, worum es ihm wirklich geht: nämlich darum, daß die GEMA es doch tatsächlich wagt, Raubkopien beispielsweise bei YouTube zu verhindern.

Man muß sich das einmal kurz verdeutlichen: Menschen machen einen Film, Musiker nehmen ein Stück auf, drehen ein Musikvideo. Jeder, der einmal mehr mitbekommen hat als nur bei der eigenen Digicam mit eingeschalteter Vollautomatik auf den Auslöser gedrückt zu haben, weiß, welch auf den ersten Blick kaum für möglich zu haltende Ausgaben mit einer nur kleinen Videoproduktion verbunden sind. Aber kaum ist das ganze irgendwo gezeigt worden, dann, da kann man sicher sein, stellt ein Zeitgenosse die Datei bei YouTube online, so daß ein jeder sich das kostenlos ansehen kann. Damit kann man es nicht mehr vermarkten – der kaufmännische Wert ist bei Null angelangt.

Das eben ist ja der Kern der „Piraten“-Ideologie: sie wollen gefälligst alles haben, aber wehe, sie sollen dafür etwas bezahlen! Und diesem Zweck dient die Demonstration. Die Behauptung, sie würden sich um das Wohlergehen respektive wirtschaftliche Überleben der Gastronomie, der Clubs und Diskotheken sorgen, ist angesichts dieses Redebeitrags blanke Heuchelei. Die „Piraten“ setzen auf die Gier der Zeitgenossen, sie setzen auf Verantwortungslosigkeit und lachen jedem frech ins Gesicht, der für sein Können, seine Arbeit, seine Mühe entlohnt zu werden erwartet. Es ist letztlich ein Akt der Plünderung, den sie vollziehen und den zu verhindern sie keinem gestatten wollen. Man hat sich ja so sehr daran gewöhnt, alles kostenlos aus dem Netz zu holen. Ist doch alles so schön einfach, nicht wahr?

Es gibt bei manchen Menschen kein Unrechtsbewußtsein in Bezug auf Raubkopien. Schamlos ist, daraus eine Ideologie zimmern zu wollen. Schamlos ist, diesen – verwerflichen – Zweck zu mißbrauchen, um gegen die in der Tat extreme GEMA-Gebührenerhöhung zu demonstrieren.

Letztlich ist diese Forderung der GEMA nichts anderes als das Resultat der Räuber: Da die Einnahmen aufgrund der vielen Raubkopien wegbrechen, müssen sie an anderer Stelle erhöht werden. Da das Internet anonym ist, jedenfalls im Wesentlichen, und da es niemand bewältigen kann, jedem, der eine Raubkopie beispielsweise eines Filmes auf YouTube ansieht, 10 € in Rechnung zu stellen, entgehen der GEMA hier Einkünfte, die völlig legitim sind. Also versucht sie, das Geld an anderer Stelle reinzuholen. Damit schließt sich der Kreis: die Raubkopierer sind selbst Schuld an der vorhandenen, verflixten Situation. Sie sollten gegen sich selbst demonstrieren. Letztlich aber tun sie das ja bereits – unfreiwillig, uneinsichtig, unwillentlich.

Nassauer vorm Nassauer Haus. Das paßt.

Bilder: Freud

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4 Kommentare

  1. „Der Vertreter der “Jungen Piraten”, dessen Namen ich durch das überlaut aufgedrehte Lautsprechersystem“

    Mein Name ist Daniel Gruber und ich bin Pirat.
    Zum Inhalt: „ROFLCOPTER GTFO“

  2. Ja, so san’s, dei Burschen. Man zieht sie höflich durch den Kakao, und weil sie nicht auf gleichem Niveau antworten können, wern’s grob. Die wohl für viele kryptische Buchstabenkombination steht für „rolling on the floor laughing“, was durch „copter“ so etwas wie gesteigert werden soll. Da krümmt sich also jemand auf dem Boden vor Lachen. Wer’s glaubt…
    Das „GTFO“ steht für „get the fuck out“, was man noch am ehesten mit „verpiss dich“ übersetzen kann.
    So sind sie also, diese selbsternannten Erneuerer der Demokratie. Sie fallen vor allem dadurch auf, daß sie Dinge sagen und schreiben, für die sie sich nach dem Überwinden der Pubertät wohl ein Leben lang schämen müßten. Der eine macht gerne Hitler-Vergleiche, der andere tut so, als ob er gegen die GEMA-Gebührenerhöhung ist, während er nicht clever genug ist zu verheimlichen, daß er dagegen ist, daß geistiges Eigentum überhaupt irgendwie geschützt werden kann – er also gegen die GEMA an und für sich ist.
    Und dann reagiert er auf einen schon einigermaßen alten Artikel, findet seine Gossensprache cool und macht halt weiter mit dem, was diese Mischpoke wohl am besten kann: sich zu blamieren, so gut es eben geht.

  3. Ach Herr Freud,

    Sie sind eine Lachnummer die seinesgleichen sucht. Ihre Erklärung ist zwar nicht falsch, doch beziehe ich mich eher auf einen Vorfall bei dem diese Wortfetzen versehentlich auf eine Anfrage geantwortet wurde, da der vorliegende Text sehr konfus und scheinbar gewollt provokativ an den Fakten vorbei formuliert war.

    So ging es mir auch mit Ihrem Text. Die Kritik an den Youtube-Sperren ist nicht die, dass die GEMA hierfür Geld haben möchte. Die Kritik bezieht sich auf die extremst überzogenen Forderungen durch die eine Einigung in absehbarer Zeit nicht möglich wird.

    PS: Ich verbitte es mir mich in irgendeiner weise mit Hitler-Vergleichen in Verbindung zu bringen.

  4. Dann will ich gerne in Ihre Lern- und Denkprozesse ein wenig Zeit und Mühe investieren. Wenn ich Ihrer Meinung nach eine Lachnummer bin, dann bittschön eine, die ihresgleichen sucht – nicht seinesgleichen; heißt es doch die Lachnummer und nicht der Lachnummer. Der zweite Satz ist zu wirr und unverständlich, um darauf zu antworten – es ist schlichtweg unklar, wovon Sie da sprechen.
    Ihre Kritik an der GEMA an und für sich begannen Sie mit dem Zitat des Textes, den man auf YouTube sieht, wenn man ein Video anklickt, das von Deutschland aus nicht aufrufbar ist, weil es unerlaubt kostenpflichtige Inhalte kostenlos zeigt. Sie werden kaum bestreiten wollen, diese Kritik an den Anfang Ihrer Rede gestellt zu haben. Das ist natürlich keine Kritik an den auch meiner Meinung nach überzogenen und unvertretbaren Forderungen der GEMA in Bezug auf die Gastronomie, sondern eine Kritik daran, daß geistiges Eigentum überhaupt kostenpflichtig ist.
    Aber vielleicht unterhalten Sie sich darüber gelegentlich mal mit Ihrer „Partei“-Freundin Julia Schramm. Die hat, wie es scheint, hier einen lustigen Lernprozeß durchgemacht.
    Wem dieser Lernprozeß in Bezug auf ein ganz anderes Thema noch abgängig ist, das ist Ihr Kreisvorsitzender. Der nämlich hat diesen Hitler-Vergleich gebracht, ihn nicht zurückgenommen und auf Ansprache hin auch noch verteidigt. Er ist der Kreisvorsitzender Ihrer Partei. Wenn Sie mit seinen Äußerungen nicht in Verbindung gebracht zu werden wünschen, dann setzen Sie sich halt dafür ein, daß die Piraten-„Partei“ sich andere Kreisvorsitzende sucht, erwirken Sie einen Beschluß eines Gremiums, der diesen Vergleich verurteilt oder was auch immer Ihnen geeignet zu sein scheint. Sie werden aber damit leben müssen, daß Ihnen diese Ausfälle Ihres Kreisvorsitzenden vorgehalten werden, solange Sie dazu schweigen. So ist das in einer Partei, sogar in einer „Partei“ wie der Ihren.
    Vor allem also sollten Sie sich nicht so sehr um Ihre Sensibilität kümmern, sondern als mit den Formulierungen kämpfende Nachwuchskraft zunächst dafür sorgen, daß nicht Funktionäre Ihres Ladens andere Menschen mit Hitler-Vergleichen überziehen.
    Ich wünsche frohes Nachbereiten.

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