Neues aus dem Bezirksvorstand

von André Freud:

Gestern schrieb ich mal wieder einen Artikel über den jüngsten (ha!) Coup der PiPa, der Pillepalle- oder Piraten-„Partei“. Den kann der geneigte Leser hier nachlesen.

Darin verwechselte ich die Bezeichnung „Kreisvorsitzender“ mit „Bezirksvorsitzender“. Ist nicht toll, aber auch kein Beinbruch. Auf Facebook wurde es klargestellt, aber dann, ja, dann… … dann bekam ich Post:

Am 28.08.2012 um 15:40 schrieb Patrick Linnert:

Sehr geehrter Herr Freud,

soeben las ich ihren Artikel „Neues von den Wirrköpfen: Gleich und gleich gesellt sich gern“. Da Sie selbst schreiben, dass an einer inhaltlichen Debatte kein Interesse besteht möchte ich Sie mit meiner Meinung zum Inhalt des Artikels auch nicht unnötig belästigen.

Allerdings erzeugte der folgende Satz ein Fragezeichen über meinem Kopf: „Sie ist, zumindest in weiten Teilen, vor allem aber in Nürnberg durch den Bezirksvorsitzenden, für die Freigabe von Drogen.“

Da das Amt des Bezirksvorsitzenden der Piraten in Mittelfranken aktuell von mir ausgeübt wird, frage ich mich wie Sie zu dieser Aussage kommen?

Zwar unterstütze ich natürlich unser drogenpolitisches Programm, warum ich dies aber offenbar mehr tue als unsere übrigen Mitglieder ist mir nicht klar. Ich bitte Sie daher mich über die Intention dieser Formulierung aufzuklären, andernfalls gehe ich von mangelnder Recherche Ihrerseits aus.

Mit freundlichen Grüßen

— 

Patrick Linnert

Vorstandsvorsitzender

Bezirksverband Mittelfranken

Piratenpartei Deutschland

Zirkelschmiedsgasse 5

90402 Nürnberg

Web:http://piraten-mfr.de

Ich wollte dem Herrn Linnert die Antwort nicht schuldig bleiben:

Von: André Freud <freud@neptunbrunnen.info>

Betreff: Re: Ihr Artikel „Neues von den Wirrköpfen: Gleich und gleich gesellt sich gern“

Datum: 28. August 2012 16:22:37 MESZ

An: Patrick Linnert <patrick.linnert@piraten-mfr.de>

 

Hallo Herr Limmert,

 

danke für Ihre Nachricht.

Was den Bezirksvorsitzenden betrifft: Ja, Sie haben Recht insofern, als ich Bezirks- und Kreisvorsitz miteinander verwechselte.

Darauf wurde ich bereits von einem Leser meiner Facebook-Seite aufmerksam gemacht. Ich habe das auf der FB-Seite eingeräumt und nahm nun Ihre eMail zum Anlaß, es als Postskriptum zum Artikel hinzuzufügen. Den Artikel selbst ändere ich nicht, weil der Fehler nun einmal passiert ist und ich nicht in den Verdacht geraten möchte, Fehltritte nachträglich zu korrigieren, um in besserem Lichte zu erscheinen. Was ich verbockte, gestehe ich auch ein. So von wegen Transparenz, Sie verstehen.

Also: keine mangelnde Recherche, sondern eine Verwechslung. Die verschiedenen Parteien wie auch die Piraten-„Partei“ haben unterschiedliche Organisationsstrukturen. Während die CSU alleine vier Kreisverbände in Nürnberg hat und der Bezirksverband mit Fürth, Schwabach und allem dazwischen und einigem drumherum deutlich größer ist, haben die Piraten in Nürnberg einen Kreisverband. So kam es wohl zu meinem Irrtum. Daß es im Übrigen ein Irrtum und keine mangelnde Recherche, auch kein besonders böser Wille war, mögen Sie der Tatsache entnehmen, daß ich im Artikel den (fälschlich so bezeichneten) Bezirksvorsitzenden mit Nürnberg in Verbindung brachte, während Ihr Bezirk ganz Mittelfranken umfaßt. Ein Irrtum also ist passiert, er ist richtiggestellt.

Daß ich an einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht interessiert sei, wie Sie behaupten, ist ja nun in der Tat etwas abenteuerlich. Um kaum etwas anderes als inhaltliche Auseinandersetzung geht es in meinem Blog, was Sie die Güte haben werden einzuräumen, wenn Sie sich darauf ein wenig umgetan haben werden. Freilich werden Sie dort wohl in keinem einzelnen Falle einen Standpunkt der Piraten-„Partei“ begrüßt finden, aber deswegen bleibt es doch inhaltlich. Wesensmerkmal meiner Artikel ist, daß ich keine These aufstelle, die ich nicht begründe. Und das ist der Kern einer Auseinandersetzung: ich schreibe, warum ich dieses ablehne und jenes befürworte. Ich ordne meine Pros und Contras auch einem übergeordneten Wertesystem unter. Sie werden feststellen, daß ich gerne von der Alltagsfrage aufs Grundsätzliche komme, um aus dem Grundsätzlichen die Antwort für die Alltagsfrage herzuleiten. Sie werden ferner die Freude haben festzustellen, daß ich im Gegensatz zum „Programm“ der einen oder anderen „Partei“ wenige bis gar keine innere Widersprüche in meiner Argumentation und meinen Thesen aufzuweisen habe; ich bin daher nicht leicht nach der Methode anzugreifen, daß ich heute dieses und morgen jenes fordere, was zueinander nicht kompatibel ist. Das unterscheidet mich (und die CSU, wenn ich mal so unbescheiden sein darf) von dem einen oder anderen publizistischen Mitbewerber und von den „Piraten“.

Sie werden mir nicht aufzeigen können, daß ich einer inhaltlichen Auseinandersetzung aus dem Wege ginge. Mir aber hingegen ist es ein Leichtes, Ihnen zu zeigen, daß die Piraten-„Partei“ vor mir kneift: mein Angebot an den Kreisvorsitzenden (sic!) Emanuel Kotzian, mit ihm ein Interview für den Blog „Gestalten statt verwalten“ zu führen – wofür sich Sebastian Brehm, Karl-Heinz Enderle, Christian Vogel, Achim Mletzko, Markus Söder, Jürgen H. Dörfler nicht zu fein waren, und dessen Regeln von niemandem als unfair bezeichnet wurden, wurde a) zurückgewiesen und b) mit einem solch absurden „Gegenvorschlag“ garniert, daß ich vor lauter Staunen nicht recht wußte, ob ich lachen oder weinen sollte.

Vielleicht finden Sie, daß ich mit meinen Beiträgen über die Piraten-„Partei“ ein wenig holze. Wenn das so ist, dann haben Sie nichts Falsches empfunden. Aber auf Ihr Niveau – „Ihr“ meint die „Piraten“, nicht Sie als Person – habe ich mich noch lange nicht herab begeben. Solange mir der Kreisvorsitzende (sic!) Kotzian auf meine FB-Seite schreibt „was dem einen sein Führer, ist dem Freud sein Söder“, habe ich da noch viel, viel Luft nach unten.

Sie verstehen sicher, daß ich mir Ihr schelmenhaftes Bonmot, wonach ausgerechnet ich an einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht interessiert sei, gerne zum Anlaß für weitere Beiträge nehmen werde. Das ist wirklich süß.

 

Mit freundlichem Gruß,

André Freud

Herr Linnert hat mir vorhin noch geantwortet. Mir ist das für heute zu läppisch. Wenn ein Bezirksvorsitzender einer „Partei“, die durch die Aufnahme eines 74-jährigen Stadtrats der Altlinken sich durchs Hintertürchen in den Stadtrat einzuschleichen beliebt, bei all dem Chaos, das in seiner „Partei“ herrscht, meint, sich daran hochziehen zu sollen, daß ich einen Kreisvorsitzenden irrtümlich als Bezirksvorsitzenden bezeichnete – meine Güte, dann soll es ihn halt glücklich machen. Es scheint ein wichtiges Problem zu sein. Heute ist mir meine Zeit für solche Petitessen schlichtweg zu schade. Vielleicht morgen früh, aus dem Sommerbüro, nach einem Bamberger. Für eine Partei, in der angeblich solche Fragen gar keine Rolle spielen, wird aus diesem Bezirks-/Kreisvorsitzenden-Kasperletheater ein ganz schöner Bohei gemacht. Morgen mehr.

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4 Kommentare

  1. ich sagt:

    Es geht hier nicht um die Verwechslung von Kreis- und/oder Bezirksvorsitzendem, sondern darum, warum Sie meinen, dass einer der beiden (ja wer denn eigentlich? am Ende vielleicht sogar beide?) das drogenpolitische Programm der Piratenpartei besonders unterstützt, mehr als der Rest der Partei.

  2. Naja. Dieser Kommentar ist nicht redlich. Ich stellte in der eMail oben, wie jeder, der lesen kann, lesen kann, klar, wer gemeint war: der Kreisvorsitzende. Das ist jemand, der Reden hält wie diese: http://emanuelkotzian.com/2012/08/11/rede-zur-hanfparade-berlin-am-11-08-2012/
    Das ist jemand, der als Verleger ein Blatt namens „Hanf Journal“ herausgibt. Warum stellt sich der Bezirksvorsitzende, den ich mal hinter diesem anonymen Beitrag vermute, dumm? Ich schreibe: „Ja, Sie haben Recht insofern, als ich Bezirks- und Kreisvorsitz miteinander verwechselte“. Also, werter Bezirksvorsitzender der Piraten-„Partei“ oder wer auch immer sich hinter der 83.171er IP verbirgt: Ja, gemeint war der Kreis- und nicht der Bezirksvorsitzende. Herrje. Ich schreib’s Ihnen aber gerne auch noch einmal, falls es immer noch unklar sein sollte. Zur Anforderung schicken Sie mir bitte ein Telegramm.

  3. Ich habe es nicht nötig hier anonyme Kommentare zu hinterlassen. Bitte vermuten Sie also jemand anderen.

    Ansonsten habe ich zwar kein Problem mit der Veröffentlichung, möchte aber trotzdem darauf hinweißen, dass die Veröffentlichung von persönlich ausgetauschten EMails ohne Zustimmung richtig schlechter Stil ist.

  4. Naja, Herr Linnert, da widerspreche ich Ihnen mal ganz, ganz deutlich:
    1. Sie schrieben diese eMail an den Herausgeber dieses Blogs (und nicht an mich privat)
    2. Sie schrieben als Bezirksvorsitzender (sic!) der Piraten-„Partei“ (und nicht als Privatperson)
    3. Gegenstand Ihrer eMail war Ihre Kritik als Funktionär Ihrer „Partei“ an mir als Autor und Herausgeber eines politischen Blogs
    Ich wüßte nicht, wie eine eMail noch weniger als „persönlich“ eingestuft werden könnte. Sobald Sie eine eMail als „Bezirksvorsitzender der Piraten“ schreiben, müssen Sie schon auch damit leben, als „Politiker“ behandelt zu werden.
    Ganz schlechter Stil ist so manches. Sie meinen, mir meinen Stil als „richtig schlechter Stil“ vorwerfen zu sollen. Meinen Sie ruhig. Nehmen Sie zur Kenntnis, daß Äußerungen von Bezirksvorsitzenden auch Äußerungen im Namen der Partei sind. Und das ist natürlich öffentlich. Richtig schlechter Stil ist es meines Erachtens, wenn jemand, der sich für genügend Politiker hält, um Bezirksvorsitzender zu sein und wegen dieser Bezeichnung einen solchen Bohei macht, sich larmoyant darüber beklagt, daß seine eMails an eine Publikation publiziert werden.
    Vielleicht gibt es in der „liquid intelligence“ ein Handbuch „Bezirksvorsitzender und Öffentlichkeitsarbeit für Anfänger“. Frohe Lektüre!

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