Rohrkrepierer

von André Freud:

Ein Rohrkrepierer ist ein Mensch, der „kontraproduktiv handelt und Schaden anrichtet“ (Wikipedia).

SPON bringt es, es geschehen noch Zeichen und Wunder, auf den Punkt:

Der Fall offenbart die Unfähigkeit der Partei, sinnvolle Debatten zu entfachen. Das könnte sie den Einzug in den Bundestag kosten„.

Das politische Problem der Piraten-„Partei“ ist nicht Ponader. Der ist halt ein Freak, ein Nerd, ein Pausenclown. Ponader ist nicht wichtig. Wichtig ist, wie diese „Partei“ mit einem Fremdschäm-Profi wie Ponader umgeht: sie wählt ihn zum Bundesgeschäftsführer. Die „Piraten“ tun so, als machten sie Politik um der guten Sache willen. Sie sind die ganz Transparenten, die angeblich alles öffentlich machen – und dann sind sie die einzige Partei außer der NPD, die auf ihren Parteitagen Journalisten gängelt, halb aussperrt, nicht frei berichten läßt. Das ist eine „Partei“, die angeblich gar kein Problem mit Rechtsextremismus hat, aber dann liest man immer wieder von NPDlern, die nun „Piraten“ geworden sind, man kriegt die beschämendsten NS-Vergleiche zu lesen. Diese Partei der institutionalisierten Ahnungslosigkeit, die zwar Verantwortung will, aber nicht einmal annähernd so etwas wie ein Programm hat, was sie mit dieser Verantwortung anfangen will, wäre gefährlich für unser Staatswesen – denn sie ist verfassungsfeindlich. Zu diesem Urteil komme ich nicht wegen der Nazis in ihren Reihen – zu diesem Urteil komme ich, weil die „Piraten“ die freiheitlich-demokratische Grundordnung angreifen und den Rechtsstaat beschädigen wollen. Es ist die Generation der Leute, die sich selbst für „gut“ halten – und was ein „Guter“ will, das kann doch wohl nicht böse sein. Sie propagieren schamlos Diebstahl, indem sie für ein „Urheberrecht“ sind, das auf eine vollständige Enteignung geistigen Eigentums hinausläuft. Sie sind die, die alles wollen – und zwar erstens sofort und zweitens kostenlos.

So wie dieser Herr Ponader. Das Gute aber ist, daß die „Piraten“ sich mit ihm entlarven. Sie sind nicht die, die irgendeinen positiven Plan haben – sie sind die, die einfach auch mal mitreden wollen, auch wenn sie nichts zu sagen haben. Sie sind die, die sich für wichtig halten, auch wenn sie es nicht sind. Andere Parteien sind entstanden, weil sie für etwas eintraten – diese „Partei“ will einfach nur mitspielen, und weil es ihren Protagonisten an politischem Gewicht mangelt, kommen sie in den vorhandenen Parteien nicht zum Zuge. Es ist die Partei derer, die nie als erste in ein Team gewählt werden, die immer bis zum Schluß übrigbleiben. Man sieht das auch an abgehalfterten Politikern wie der Ex-Grünen Angelika Beer. Die war so lange eine Grüne, wie sie von dieser Partei in den Bundestag und ins Europaparlament geschickt wurde. Kaum aber setzte diese Partei sie nicht mehr auf die Liste, da erkannte die Beer auf einmal und nur zwei Monate später, daß die Grünen nicht mehr ihre Partei sei, und trat aus – um bei den Piraten einzutreten, für die sie jetzt, ei verbibsch, im Kieler Landtag sitzt. Da fehlt eigentlich nur noch die Pauli. Und vor einer solchen Partei, vor solchen Leuten soll man noch Respekt haben – oder wenigstens so tun, als ob? Sie stellen sich so dar, als ginge es ihnen nur um die Sache. Ist klar. Aber ohne Mandat macht die Sache auch keinen Spaß, wie es scheint. Ist ja logisch – wenn man kein Programm hat, für das man eintreten kann, dann bleibt immer noch das Programm „Ich!“. Es ist die Partei derer, die immer „Hier! Hier!“ brüllen, auch wenn sie gar nicht wissen, was verteilt wird. Es ist die Partei derer, die alles für selbstverständlich nehmen, aber nicht bereit sind, den geringsten konstruktiven Beitrag zu leisten. Es ist die Partei der Spinner. Es ist die Partei derer, die meinen, ein halbwegs pfiffiger Werbe-Auftritt würde in irgendeiner Weise für qualitativ hochwertige Inhalte stehen. Es ist die Partei der institutionalisierten Mogelpackung. Es ist die Partei derer, die nicht die geringste Ahnung davon haben, was unser Staat ist.

Sind das Menschen, die für die Politik verloren sind? Einige, ja – wie Ponader. Aber da sind auch andere, denen ich abnehme, daß sie ums Gemeinwohl bemüht sind. Aber dann müssen sie eben auch bereit sein, sich den Mühen der Politik zu unterwerfen. Dazu gehört die strenge Befolgung von audiatur et altera pars, des alten Grundsatzes, daß auch die andere Seite gehört werden will. Keine einzige politische Idee der Piraten ist auch nur annähernd durchdacht. Wer das Urheberrecht quasi abschaffen will, der muß erklären, wie Menschen, die geistig arbeiten, leben sollen. Wer illegale Drogen freigeben will, der muß erklären, wie die Gesellschaft mit den Massen der Abhängigen umgehen will. Aber dazu schweigen sie – oder kommen mit irrwitzigen Welt-Umkrempelungsplänen daher, die selbst in einem Kinderbüchlein als unglaubwürdig abgetan werden würden.

Es ist gut, daß sich diese „Partei“ selbst zerlegt. Für unser Gemeinwesen wäre es eine teure Erfahrung, wenn sich diese Politanalphabeten erst dann in ihrer unfaßbaren Unreife offenbarten, wenn sie irgendwo in Amt und Würden wären. Man darf nach den jüngsten Kabarett-Nummern dieser orangenen Truppe hoffen, daß sie ihren Zenit bereits überschritten haben und diese sogenannte Partei dorthin verschwindet, wohin sie gehört: in die Rumpelkammer der Geschichte, zu all den unnützen Parteigründungen, zu den Grauen Panthern, zur „Freiheit“, zur „Freien Union“, zu den „Republikanern“, zur „Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands“, zur „Autofahrerpartei“ und all den anderen, die vor allem eines nicht begriffen haben: politische Verantwortung gehört nur in die Hände derer, die wissen, was sie tun. Feuer, Wasser, Schere, Licht ist für kleine Kinder nicht. Und Politik ist nicht für Kasper.

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