Die Schrulle des Schrollinger – oder: Gängelung par ordre de mufti

von André Freud:

 

SPD und ÖDP legen nach: die Wahnidee vom fleischfreien Donnerstag in städtischen Kantinen und Schulküchen soll nach dem Willen der Menschheitsbeglücker wirklich kommen.

Die gute Nachricht vorneweg: mit der CSU wird das nicht zu machen sein.

Die schlechte Nachricht liegt gar nicht in dem Dauerkonflikt zwischen Vegetariern und Fleischessern. Das Problem liegt darin, daß eine Minderheit meint, der Mehrheit vorschreiben zu können, wie sie zu leben hat. Dahinter wiederum steckt die unfaßbare Anmaßung der Vegetarier, sich selbst für die besseren Menschen zu halten. Es ist der Versuch, moraslinsauer mit dem Finger auf die bösen Menschen zu zeigen, die es wagen, Fleisch zu essen. Seht her, rufen sie, so toll kann vegetarisches Essen sein; erkennt euren Irrweg, kehret um und werdet auch ihr zu besseren Menschen!

Natürlich sagen sie es nicht so grob. Diktatorische Staatschefs haben mittlerweile meistens auch gelernt, nicht mehr mit brutalen Mitteln zu herrschen, sondern scheinbar etwas subtiler. Wer es heftiger angehen läßt als Wladimir Putin, der muß mit einem üblen Ende rechnen. Aber auch die sich sanfter gebende Diktatur ist eine Diktatur. Die gleichen Mittel kommen bei den Menschheitsbeglückern von der Gutmenschenfront zum Einsatz. Man sagt dem Fleischesser zwar nicht direkt, daß man ihn für einen schlechten Menschen hält – aber man begründet die eigene Lebensweise damit, daß man selbst der bessere Mensch sei. Und so erhebt man sich zu Savonarloas Nachfolgern, jenem Herrscher über Florenz, der mittels einer Kinderpolizei gegen ihm nicht genehme Lebensweise vorging. Natürlich wollen unsere Vegetarier keinen hinrichten, der anders lebt und leben will, als es ihrer Meinung nach richtig ist. Aber moralisch machen sie nichts anderes: da wird das Fasten ins Spiel gebracht. Und da wird vom Wert des Fastens daherschwadroniert. Niemand wird bestreiten, daß dem Fasten viel Gutes inne wohnt. Jedoch ist ein Fasten nur dann etwas Positives, wenn es freiwillig erfolgt. Aber auf Freiwilligkeit setzen diese Zwangsbeglücker natürlich nicht – denn dann würde es ja ausreichen, ein zusätzliches vegetarisches Angebot bereitzuhalten. Ach, das gibt’s schon – und wird kaum angenommen? Ja, warum wohl? Weil wir hier in Franken leben, der Heimat von Schäuferle und Bratwürsten, von Lammkeulen und Schweinebraten, von Gänsen, Enten, Rehkeulen. Wem das nicht paßt, der darf in unserer freien Gesellschaft gerne vegetarisch leben. Oder auch vegan. Oder meinetwegen von Luft und Liebe.

Den Gipfel der Anmaßung läßt ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger vom Stapel: „Aber wer die Zusammenhänge durchschaut und ernst nimmt, kommt nicht darum herum, auch die eigenen Lebensgewohnheiten zu hinterfragen.“ Man muß diesen Satz zerpflücken, um deutlich zu erkennen, was alles an Unverschämtheiten darin enthalten ist:

  1. Schrollinger behauptet damit konkludent, daß diejenigen, die nach wie vor Fleisch essen, die Zusammenhänge nicht durchschauen. Sie sind also nach Ansicht dieses Herrn irgendetwas zwischen dumm und doof.
  2. Die behaupteten „Zusammenhänge“ werden als schlecht, als böse definiert. Natürlich kann man gewisse Aspekte der Landwirtschaft hinterfragen – aber irgendeine Frage findet nicht statt, die positien Aspekte werden ausgeblendet, man stellt sich hin und suggeriert durch diese Aussage, daß es ganz unstreitig sei, daß Fleischtierhaltung etwas Böses sei, und man nur irgendwelche Zusammenhänge durchschauen müsse… Das ist Meinungsdiktatur in Reinkultur.
  3. Denjenigen, die es nach wie vor wagen, Fleisch zu essen, wird unterstellt, sie nähmen irgend etwas nicht ernst. Das ist natürlich nichts anderes als gelogen. Jeder darf bewerten, wie es ihm paßt – und wenn der Herr Schrollinger anderer Meinung ist, dann gibt ihm das noch lange nicht das Recht, Abweichler als nicht ernsthaft abzutun. So sind sie halt, die Inhaber der alleinseligmachenden Wahrheit! Wer eine andere Wahrheit für richtig hält, der ist nicht ernstzunehmen… So leicht kann man es sich machen, wenn man davon überzeugt ist, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Es ist nicht des Schrollingers Aufgabe, andere Menschen zur „Hinterfragung“ ihrer Lebensgewohnheiten zu zwingen. Zum einen darf jedermann sein Leben leben, ohne dafür von diesem Herrn ein Gütesiegel „Hat seine Lebensgewohnheiiten hinterfragt“ zu bekommen. Außerdem ist „Hinterfragen“ natürlich wiederum ein böser Euphemissmus in Reinkultur. Schrollinger meint nicht, daß die Bürger etwas „hinterfragen“ sollen – er fordert, daß die Menschen gefälligst so leben sollen, wie es ihm paßt – also nicht hinterfragen, sondern gefälligst gehorchen.

Schrollinger benimmt sich wie ein Despot, der den Menschen Vorschriften über die einzig statthafte Art zu leben machen will. Leider, leider verfügt er nicht über Zwangsmittel – das einzige, das er (und anscheinend auch ein Teil der SPD-Fraktion) sich vorstellen kann, ist die Zwangsbeglückung durch den vegetarischen Donnerstag. Diesen Herrschaften wird im Stadtrat die richtige Antwort gegeben werden. Mit der CSU wird, das hat der Fraktionsvorsitzende Sebastian Brehm klargestellt, eine solche Zwangsregelung nicht kommen.

Manchmal wird gerade an solchen scheinbaren Kleinigkeiten deutlich, wer wessen Geistes Kind ist.

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