Ernährungstips vom Fachmann

von André Freud:

In den NN von heute erfährt der staunende Leser, daß die SPD plant, künftig an Donnerstagen in städtischen Kantinen und Schulküchen einen fleischlosen Tag einzuführen. Und wer ist es, der diesen den Weltfrieden herbeiführenden Plan verkündet? Christian Vogel.

Einen besseren konnte man nicht finden. Das wird jetzt immer so gemacht: vor den Gefahren des Weißbiers warnt man am besten mit Otfried Fischer, vor Nürnberger Bratwürsten mit Werner Behringer und Uli Hoeneß, vor zu aufreizender Kleidung mit Micaela Schäfer und vor den Gefahren falscher Finanzpolitik mit dem Lafontaine Griechenlands, Alexis Tsipras.

Es ist hanebüchen, wenn der Stadtrat sich anmaßt, den Menschen vorschreiben zu wollen, was sie zu essen haben. Das Vorhaben ist so falsch, wie etwas nur falsch sein kann. Es arbeitet mit Zwang.

Zunächst ist zu unterscheiden zwischen städtischen Kantinen und Schulküchen.

Bei Schulküchen mag man die Meinung vertreten, daß man auf die Kinder erziehend einwirken kann, um ihnen die Vorteile vegetarischer Kost nahezubringen. Hier wird eine ganz andere Meinung vertreten: solche Vorzüge vermag ich nicht anzuerkennen. Aber ganz unabhängig davon ist es nicht Aufgabe des Staates – und schon gar nicht der Stadt! -, den Kindern eine bestimmte Lebensweise aufzuzwingen. Was kommt dann als nächstes? Fäustlingszwang? Dauerwellenverbot? Hefte aus grauem Altpapier als Pflicht?

Die Diktatoren der frommen Denkungsart mögen zur Kenntnis nehmen: sie haben nicht das Recht, eine bestimmte Lebensweise als verbindlich vorzuschreiben. Auch nicht an einem Tag pro Woche.

Nicht weniger absurd wird eine solche Regelung in den städtischen Kantinen sein. Das wird ein Juchzen und Jauchzen sein, wenn der städtische Müllwerker, als Schwerstarbeiter mit einem Kalorienbedarf von um die 6.000 kcal pro Tag, zu Mittag ein Tofuplätzchen mit gedünstetem Brokkoli erhält.

Ich habe nichts gegen Vegetarisches. Der Kloß, den es gestern im Goldenen Posthorn gab, war vegetarisch, und das Blaukraut auch. Aber ohne die Roulade und die Sauce wäre das Vergnügen keines mehr gewesen. Nun kann man durchaus dafür plädieren, zusätzlich zum Stammessen gelegentlich ein fleischloses Gericht anzubieten. Warum nicht? Jede Form des Zwanges aber ist absolut abzulehnen.

Vor allem aber bin ich immer noch entzückt von der Tatsache, daß ausgerechnet Christian Vogel die Idee präsentierte. Der Verfasser dieser Zeilen hat selbst einen halben Zentner Übergewicht, und ich räume die Möglichkeit ein, daß das auch von den fleischlichen Genüssen herrührt, denen ich so ungern entsage. Aber wenn nun ausgerechnet Christian Vogel diese Idee präsentiert, dann muß ich schon lachen. Ich würde das gerne mal mit ihm direkt besprechen, vielleicht bei einem Schäuferle im Bratwursthäusle. Wie wär’s?

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