Heuchelei

von André Freud:

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist seit eineinviertel Jahren im Amt. In diese Zeit fällt das Bekanntwerden einer Menge der Pannen und Fehler im Nachgang der NSU-Morde (aber nicht die Pannen selbst). Nun hat Friedrich reagiert  und unter anderem die Führungsspitze der Bundespolizei ausgetauscht. Seitdem fallen die Presse und der politische Mitbewerber über ihn her.

Halten wir kurz inne und stellen uns vor, Friedrich würde an den Beamten festhalten. Was wäre dann? Man braucht nicht viel realitätsorientierte Phantasie, um die Prognose zu wagen: dann würden die gleichen Politiker und die gleichen Medien über Friedrich herfallen und ihm vorwerfen, er würde nicht handeln, er würde seine Leute decken, er würde die Angelegenheit aussitzen wollen

Deswegen ist diese Debatte von viel Heuchelei geprägt. Politiker von SPD und Grünen tun so, als würden sie Friedrich nur deswegen kritisieren, weil es ihnen um die Sache geht. Heuchelei! Es geht ihnen lediglich darum, einen die Angelegenheit ordentlich aufarbeitenden CSU-Politiker zu diskreditieren. Das gleiche gilt für die Presse. Was diese Menschen nicht merken: Damit schüren sie die Demokratieverdrossenheit vieler Menschen. Wenn der normale Zeitungsleser tagtäglich liest, wie immer alle(s) durch den Kakao gezogen wird, nur deswegen, weil man alle(s) schlecht machen will, beginnt er, alles für schlecht zu halten. Natürlich: Mißstände sind zu kritisieren. Nichts soll unkritisiert bleiben, was zur Kritik Anlaß gibt. Aber bei allen Vorgängen nur noch danach zu forschen, ob man an ihnen etwas zu kritisieren finden kann, wenn man nur heute so und morgen anders argumentiert, ist: Heuchelei.

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