Die NN, Georg Escher und Israel: wie gehabt

von André Freud:

In den NN von heute findet der Leser einen die Hälfte der Seite 4 umfassenden Artikel unter der Überschrift „Den Haß stoppen“. Es geht, wie des öfteren bei Herrn Escher, der für dieses Thema einen faible zu haben scheint, um Israel und die Palästinenser.

Nun sollte man meinen, daß nach dieser Überschrift ein Artikel kommt, der sich mit dem Haß der Palästinenser und Araber auf Israel, auf die Juden beschäftigt. Aber nein, darum geht es diesmal nicht – diesen Haß, der sich in Morden, in Bombenanschlägen, in Ausrottungsphantasien und -versuchen zeigt, wird von Escher des öfteren gerne verschwiegen. Es geht um einen palästinensischen Winzer, dem, wie es scheint, von jüdisch-israelischen Siedlern das Leben ziemlich schwergemacht wird. Darüber berichtet Escher, und das ist an sich völlig in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist, ist, daß Escher an Israel Ansprüche richtet, die er gegen die Palästinenser nicht zu richten scheint. Jedenfalls ist ihm die Blockade der Zufahrt des Weinbergs mit einigen Findlingen ein großes Photo wert. Was Palästinenser mit jüdischen Israelis machen, erwähnt Escher nicht einmal.

Lassen Sie die NN und Georg Escher Ihre Meinung wissen: nn-politik@pressenetz.de

Ich habe mir erlaubt, Herrn Escher bzw. der NN folgende eMail zu schreiben:

Wie gehabt: blanke Einseitigkeit. Wenn der Name Georg Escher über einem Artikel in den NN steht, dann kann der Leser gewiß sein: Hier kommt die Einseitigkeit. Blanke Tendenz im Tarnkleid vorgetäuschter Objektivität.
Zunächst zu dem, was richtig im Artikel ist: Ja, es ist wahr, daß der Staat Israel zuweilen ruppig vorgeht. Und niemand sollte ausschließen, daß es auch schon ungerechtfertigtes Vorgehen gegen Palästinenser gegeben hat. Das ist erstens zu beklagen und zweitens von Israel abzustellen. Wenn ein palästinensischer Weinbauer von umliegenden Siedlern bedrängt wird, sein Land zu verkaufen, obwohl er nicht will, und ihm das Leben schwergemacht wird, dann gebührt diesem Mann der Schutz des Gesetzes und der Rechtsprechung. Aber es geht um Israel, den einzigen Rechtsstaat im Nahen Osten, und natürlich wird der Streit vor Gericht ausgetragen.
Ein solches Gericht aber steht Juden oder Israelis nicht zur Verfügung, die im palästinensischen Gebiet ein Problem haben. Da wird ohne Recht und Gesetz gehandelt. Inzwischen werden aus dem palästinensischen Bethlehem auch die Christen vertrieben, die von den christlichen Touristen durch Führungen, Souvenirverkauf und Gastronomie leben konnten. Das haben mittlerweile (muslimische) Palästinenser weitgehend „übernommen“. Diese palästinenischen Christen haben kein Gericht, an das sie sich wenden können. Darüber aber lesen wir von Georg Escher nichts.
Indem Escher seinen Referenzrahmen strikt einseitig aufbaut, verzerrt er das Bild. Zum Gesamtbild gehört: Jawohl, der Umgang des Staates Israel mit seinen palästinensischen Bürgern ist nicht an jeder Stelle lobenswert – Der Umgang der palästinensischen Autonomiebehörde mit Christen, Juden, Israelis hingegen ist durchgängig aufs Schärfste zu kritisieren. Indem Escher dies wegläßt, zeichnet er ein falsches Bild.
Escher bezieht sich in seinem Artikel auf Organisationen, die einen guten Klang zu haben scheinen – beispielsweise IPPNW, die „Ärzte gegen den Atomkrieg“. Nun ist die IPPNW eine Organisation, die durchaus bedenkliche Positionen vertritt. So sieht sie den Grund für das Bestreben des Iran, die Atombombe zu bauen, ausgerechnet in Israel. Würde Israel abrüsten, so die IPPNW, dann würde der Iran wahrscheinlich von der Atombombe die Finger lassen. Wenn man sich vor Augen hält, daß Israel und Iran überhaupt keinen Konflikt miteinander haben – keine gemeinsame Grenze, keine Gebietsstreitigkeiten etc. -, sondern die iranische Führung schlichtweg von dem Gedanken besessen ist, Israel auszulöschen und die Juden auszurotten (kommt einem bekannt vor, wie?), und die „Ärzte gegen den Atomkrieg“ nichts besseres zu tun haben, als Israel für die geplante iranische Atombombe verantwortlich zu machen, dann wird man diese Organisation doch wohl zumindest hinterfragen dürfen. Aber derlei tut Escher nicht; hinter dem wohlfeilen Namen „Ärzte gegen den Atomkrieg“, die derzeit eine Radltour rund um Fukushima machen, steckt, wie Escher suggeriert, eine untadelige Organisation. Das kann man durchaus anders sehen, aber Escher berichtet in diesem Artikel nicht – er übernimmt unkritisch irgendwelche Positionen und bietet sie dem Leser als das an, was man quasi denken muß.
Kein Wort schreibt Escher darüber, daß Israel Woche für Woche über 1000 Lkw mit allen möglichen Gütern ins Westjordanland schickt, um die dortige Bevölkerung mit allem möglichen zu versorgen – während die palästinensische Autonomiebehörde ihre primitivsten Aufgaben nicht erfüllt, sich aber dafür mittels einer unfaßbaren Korruption die Taschen füllt.
Was übrigens mit dem palästinensischen Weinbauern geschähe, würde sein Weinberg nicht auf israelischer, sondern auf palästinensischer Seite liegen, kann sich jeder ausmalen, der sich daran erinnert, daß Wein den im Islam verbotenen Alkohol enthält.
Wie die meisten Palästinenser, die in Israel leben – etwa 20 % -, würde wohl auch der im Artikel benannte Weinbauer lieber in Israel leben als unter der Palästinensischen Autonomiebehörde. Ich jedenfalls traf in Israel keinen Palästinenser, der in die Westbank ziehen wollte (was er dürfte), aber viele Palästinenser, die aus der Westbank nach Israel kamen. Unter anderem deswegen, weil sie genug von der Willkür und dem Unrechtsregime hatten, das von der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt wird.
All das gehörte in diesen Artikel mit hinein. Zumindest gehört es sich, zu differenzieren. Escher gehört zu den Journalisten, die an Israel alles und jedes kritisieren, während er aufseiten der Palästinenser offenbar nichts zu kritisieren hat.
Am Ende seines Artikels stellt Escher fest, es sei noch ein weiter Weg bis zum friedlichen Miteinander. Da hat er Recht. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Araber aufhören, Israel als Staat vernichten zu wollen (was er im Artikel nicht erwähnt). Es ist noch ein weiter Weg, bis die Araber nicht mehr die Christen und Juden aus ihren Gebieten vertreiben (was Escher im Artikel nicht erwähnt). Es ist noch ein weiter Weg, bis die Araber akzeptieren, daß die gewollte Ausrottung von Menschen einem solchen „friedlichen Miteinander“ im Wege steht (was Escher nicht erwähnt).
Neulich im ägyptischen Fernsehen: „Versteckte Kamera“. Mehrere Show-Größen wurden nacheinander in einem Fernsehstudio interviewt. Dann wurde durch eine zugeschaltete Anruferin behauptet, die Sendung liefe gerade life im israelischen Fernsehen. Die Interviewten (Sänger, Schauspieler, Spaßmacher) rasteten allesamt aus: sie schlugen die Interviewerin, sie zerlegten die Studioeinrichtung, sie gingen auf Kameramänner und anderes Studiopersonal los, bis sie aufgeklärt wurden: Alles nur Spaß, versteckte Kamera, April, April… Die eben noch geprügelte Interviewerin lobte ihre Prügler: sie hätten einen tollen Nationalismus gezeigt, es sei großartig, daß Ägypten solche Bürger habe… Solche Dinge, Herr Escher, zeigen, was dem „friedlichen Miteinander“ im Wege steht. (Nachzulesen hier: http://www.israel-nachrichten.com/archive/tag/candid-camera-show – das Video wurde von Youtube entfernt)
Indem Escher ausschließlich aus einem Blickwinkel auf einen Vorfall zeigt, verdreht er die Welt. Er zeichnet somit ein Bild, das zwar einen wahren Aspekt zeigt, ihn aber so falsch einsortiert, daß am Ende so ziemlich das Gegenteil dessen beschrieben wird, was Wirklichkeit ist.
Auch in der Bundesrepublik Deutschland ist schon von Staats wegen Unrecht geschehen. Man kann, man muß sogar darüber berichten. Wenn aber ein solcher Bericht den Eindruck erweckt, als sei in Deutschland der Staat ein übler Verbrecher, aber die DDR wäre ganz prima gewesen, dann würde sich (fast) jeder darüber aufregen. Und womit? Mit Recht. Aber mit Israel kann man es ja machen!
Der Weinbauer Daoud Nasar wird vorm Jerusalemer Gericht sein Recht bekommen. Welcher Israeli hätte jemals auch nur die Möglichkeit, vor einem palästinensischen Gericht sein Recht zu bekommen? Keiner. Daß Escher dies verschweigt, ist ihm vorzuwerfen.

 

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