Nazis unter uns

von André Freud:

Die NZ berichtet ganz klein und auf der letzten Seite des Lokalteils, daß ein 23-jähriger „Migrant“ zwei Frauen aufgrund eines „religiösen Schmucks“ beleidigte, den Hitlergruß zeigte und mit Pfefferspray verletzte. Die AZ berichtet über den gleichen Vorfall, daß der 23jährige sich „über die Frauen lustig gemacht hat“. Von irgendeinem Hintergrund erfährt der Leser nichts.

Die NN bringt etwas mehr Licht ins Dunkel. Sie macht den Täter ein Jahr jünger und schreibt, daß er aus der Türkei stammt. Vor allem aber wird das in der NZ verschwiegene, in der AZ verschwurbelt angedeutete „religiöse Symbol“ genannt: ein Davidstern.  Nun muß man aber der guten Ordnung halber ergänzen, daß der Polizeibericht sehr wenige Informationen gab, insbesondere wurde dort nicht mitgeteilt, daß das „religiöse Symbol“ ein Davidstern war.

In welch kranken Zeiten leben wir? Da geschieht in unserer Stadt eine offen antisemitische Attacke. Ein muslimischer Deutsch-Türke macht sich über zwei Frauen, von denen einen einen Davistern trug, „lustig“, wie die AZ schreibt. Ich weiß nicht, was den AZ-Redakteur zur Formulierung „sich lustig machen“ bewog. Ich finde das ganz und gar nicht lustig, wenn ein antisemitischer Gewaltverbrecher zum Hitlergruß seine Sprüche reißt.

Die ersten verbalen Attacken, haßerfüllten Beleidigungen und menschenverachtenden Haßergüsse sonderte der Mann im offenen Bereich des Palm Beach ab, hieß es. Dann verfolgte er die beiden Frauen bis in die Umkleide, wo er ihnen seinen Haß weiter entgegenbrüllte und mit dem sogenannten Hitlergruß seine asoziale innere Haltung mehr als offenlegte. Schließlich paßte er sie auf dem Parkplatz ab und sprühte ihnen Reizgas ins Gesicht. Vor Gericht wird das dann heißen: Beleidigung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeicchen und Symbole und – vor allem – gefährliche Körperverletzung.

Wir haben kein Platz in unserer Gesellschaft für solche Straftäter. Die Berichterstattung in den Zeitungen kam nicht auf den Punkt, weil die Meldung der Polizei den entscheidenden Aspekt verschwieg. Damit wird eine Chance vertan, auf solche Vorfälle angemessen zu reagieren. Gefragt ist jetzt, daß diejenigen, in deren Nähe sich der Täter wähnt – sein Umfeld, seine Vereine etc. – klar und öffentlich bekennen, daß sie sich nicht nur von solchen Straftaten, sondern auch von der dahinterstehenden Gesinnung distanzieren.

Gerade in gewissen Teilen der Gesellschaft ist Haß, Rassismus und Antisemitismus weit verbreitet, und keineswegs alle diese Teile der Gesellschaft sind rechtsextrem. Es ist für den Frieden in der Gesellschaft, für die innere Sicherheit zwingend erforderlich, daß solchen Taten eine unmißverständliche Antwort der Gesellschaft gegeben wird.

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Ein Kommentar

  1. Heute habe ich zum ersten Mal einen Kommentar in diesem Blog zurückweisen müssen.

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