SPD: Nichts zu sagen?

von André Freud:

Christian Vogel, Fraktionsvorsitzender der SPD im Nürnberger Stadtrat war zum heutigen Frühschoppen auf der Ziegelsteiner Kirchweih als Redner angekündigt. Leider blieb ihm die Stimme weg; Kehlkopf und Stimmbänder versagen den ordnungsgemäßen Dienst. Das ist betrüblich; ihm ist alsbaldige Genesung zu wünschen.

Es ist dieses Ausbleiben der Stimme Vogels allerdings nicht nur aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen zu bedauern, sondern auch aus politischen.  Zu gerne wäre in diesem Blog verkündet und vermerkt worden, wie und ob Vogel bei einigen sachlich nicht haltbaren Standpunkten zurückgerudert wäre. Gemeint sind insbesondere die Themen Flughafen-Benennung und Zukunft der Stadtteil-Kirchweihen.

Dem Flughafen Nürnberg den Beinamen „Albrecht Dürer“ zu geben, ist eine sinnvolle Maßnahme. Sie alleine wird natürlich keine Wunder vollbringen, sie ist aber im Maßnahmenbündel ein wichtiger Bestandteil. So, wie es Markus Söder erreicht hat, mit der Turkish Airlines eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen (was die NN zu erörtern in der Lage war, ohne den Namen Söder auch nur einmal zu nennen), und wie an weiteren solchen Vereinbarungen mit Fluggesellschaften gearbeitet wird, so ist auch die Aktivierung des Flughafens selbst geplant: Verbesserung der heute noch durchaus als provinziell zu bezeichnenden Einkaufsmöglichkeiten und Schaffung der Möglichkeiten für kleine und mittlere Kongresse direkt am Flughafen. Wer die Frage stellt, ob die Umbenennung etwas bringt oder nicht, der sollte, ob er nun SPD-Fraktionsvorsitzender oder einfacher Bürger ist, vielleicht einmal ein Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften zur Hand nehmen. Die Schaffung einer wiedererkennbaren Marke ist für jede Vermarktung wesentlich. Wie weit solche Erfolge gehen können, weiß jeder, der Tempo sagt und Taschentuch meint. Es ist keine schnell wirkende Maßnahme, und sie ist in ihrer Wirkung natürlich durchaus begrenzt. Aber daß sie eine Wirkung hat, das ist unbestreitbar. Beziehungsweise, in Reaktion auf Vogels Äußerungen, der das bestreitet: nicht mit Argumenten oder Erfahrungswerten zu widerlegen. Wenn den Menschen mal wieder Angst gemacht wird, indem mit gewaltigen Kosten rumgefuhrwerkt wird, ist das, mit Verlaub, Unsinn. Denn es müssen ja nicht an einem Stichtag alle Schilder, Stempel, Vordrucke geändert werden. Das kann sukzessive erfolgen und belastet somit das Säckel nicht.

Auf jeden Fall wird die Flughafentaufe weitaus günstiger als das neue Stadtlogo. Das hingegen hat Vogel verteidigt, obwohl gerade dessen Wirksamkeit nahe Null anzusiedeln ist. Für dieses sinnlose Logo stritt Vogel, und für eine sinnvolle (und kaum Kosten bergende!) Maßnahme wie die Beigabe eines Namens ist er nicht zu haben. Das ist mehr als befremdlich. Während Vogels Einsatz für das neue Nürnberg-Logo noch politisch dadurch verständlich ist, daß es dem SPD-Logo sehr ähnelt, ist die Frage nach wie vor unbeantowrtet, wieso Vogel, von Beruf Geschäftsführer der Stadtreklame (!), gegen die sinnnvolle und leicht realisierbare Benennung in „Airport Nürnberg Albrecht Dürer“ eintritt. Irgendein Spaßvogel übrigens brachte neulich als Kritik am Namen „Dürer“ vor, daß das wegen des Umlautes „Ü“ nicht wirklich internationnal sei. Is scho recht, Herr Zeitgenosse. Dann müßten wir Nürnberg wohl auch umbenennen? Hat ja auch ein „Ü“. Also, manchmal hört man schon wirklich merkwürdiges im Rathaus.

Was die Rettung der Stadtteil-Kirchweihen angeht, hat Wirtschaftsreferent Michael Fraas in der AZ von heute die passende Antwort gegeben: sie sind gar nicht so gefährdet, wie manche interessierte Kreise das der Öffentlichkeit weiszumachen bestrebt sind. Die Lösung ist auch bereits auf dem Tisch, und wenn die, die die Kirchweihen haben wollen, nicht nur fordern, sondern auch selbst bereit sind, diese zu fördern – nämlich durch eigene Organisationsarbeit -, dann steht einem Erhalt der Kirchweihvielfalt in Nürnberg nichts mehr im Wege.

Nun hat also Christian Vogel heute keine Stimme. Und dem Verfasser wie dem Leser dieser Zeilen bleibt daher leider verborgen, ob und wie Vogel zurückrudern wird, um in der Flut seiner nicht zutreffenden Aussagen wieder Grund unter die Füße zu bekommen. Vielleicht kann ihm OB Maly einen Schwimmring zuwerfen, mit dem Vogel wieder an Land findet – ist doch schließlich der Ober nach Beschäftigung der Frage des Flughafennamens von den Argumenten überzeugt und wird bei der kommenden Aufsichtsratssitzung für diese Umbenennung stimmen, wie er sagte.  Bis dahin wird Christian Vogel seine Stimme gewiß wiedererlangt haben. Auf seine dann zu erwartenden Ausführungen darf man gespannt sein.

Tip: Suchen Sie, lieber Herr Vogel, um ein Privatissimum bei einem der Professoren der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät nach und lassen Sie sich so unterrichten. Das können Sie sogleich in Angriff nehmen, denn dazu brauchen Sie nur Ihr Gehör, nicht Ihre Stimme. Gute Besserung!

Bild: Freud

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3 Kommentare

  1. Mike sagt:

    Deswegen heißt das Kürzel des Airports auch NUE Herr Freud. Weil es tatsächlich international kein Ü gibt. Da nuetzt Ihnen auch Ihre Polemik nicht.

    Ach ja: Sich über Gesundheit – auch wenn es einer Ihrer Intimfeinde ist – ist schäbig. Statt mit dem Neptunbrunnen sollten Sie sich lieber mit dem Tugendbrunnen abgeben. Temperantia ist eine. Die würde Ihnen nicht schaden.

  2. Ach, Sie haben’s mir jetzt aber gegeben!
    Wird aber nichts werden mit dem Triumphgeschrei. Jeder Flughafen weltweit hat ein dreibuchstabiges Kürzel, nennt sich IATA-Code. NUE ist also nicht die umlautfreie Schreibweise für NÜ, sondern eben einfach dreibuchstabig. Künftig heißt er dann vielleicht NAD, auch ganz nett. NAD ist jedenfalls noch frei.
    Und in einer Hinsicht verstehen Sie mich, warum auch immer, falsch. Ich bedaure, daß Christian Vogel erkrankt ist, und ich wünsche ihm gute Besserung und baldige Genesung. Nichts, was ich schrieb, rechtfertigt Ihre Behauptung (die übrigens etwas unklar ist, weil Sie das Verb wegließen – so von wegen intemperantia. Schönen Tag noch!

  3. Steinar Thomasson sagt:

    Zur Flughafennamensgebung:

    Ganz tief innen drin – egal, welcher Partei man sich verbunden fühlt – wird jeder Nürnberger der Idee „Namensgebung (Schreibweise kann jeder Zeit internationalisiert werden) für unseren Flughafen“ zustimmen.
    Ich erinnere in diesem Kontext gerne mal an die Emotionalisierung beim Thema „Stadion“ (am Dutzenteich)…
    Herr Söder hat diese Idee als erster proklamiert, warum ihm diesen Zacken aus der Krone brechen? Man muss auch mal gönnen können!

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