Der Kirchweihbursch

von André Freud:

Der Christian Vogel ist schon einer! Gar nicht wenig imposant von Erscheinung, und ordentlich sprach- und stimmgewaltig. Ich stehe nicht an, ihn im besten Sinne als einen politischen Menschen zu bezeichnen. Daß das nicht gleichbedeutend mit einer weitgehenden Zustimmung zu seinen Meinungen ist, versteht sich von selbst.

Nun langt auch der politische Recke Vogel ab und an daneben. Das wäre an sich nichts weiter besonderes; keiner hat immer und nur Recht, keiner hat jedesmal den richtigen politischen Riecher. Aber die Nullnummern scheinen sich zu häufen. Erst die Sache mit dem Flughafenbeinamen „Albrecht Dürer“. Vogels Spötteln war schlichtweg sachlich daneben, wie ihm jeder, der die WiSo von innen kennt, wird bestätigen können. Als Geschäftsführer der Stadtreklame sollte dem Herrn Vogel, mit Verlaub, derlei nicht völlig fremd sein. Aber sei’s drum, er rudert ja bereits zurück. Leider hat auch Christian Vogel schon diesen Politikerreflex, einen Irrtum erst in der Biographie zugeben zu können. Viele Wähler respektieren es sehr, wenn ein Politiker (vielleicht gerade in einer solchen, eher kleinen Frage) einmal öffentlich bekundet: „Ja, ich habe mich im ersten Moment geirrt, aber ich habe meinen Irrtum erkannt und deswegen meine Meinung geändert“. Wäre toll, aber soll wohl auf Schwäche hindeuten. Als ob jemand besonders stark wäre, der wider besseres Wissen und neue Erkenntnisse hinweg den alten Irrtum ständig wiederholt. Nun ja.

Und nun also: die Stadtteil-Kirchweihen. Vogel, Christian, SPD, Stadtrat, Fraktionsvorsitzender, Stadtreklame-Geschäftsführer, beliebt zu verkünden: das Wirtschaftsreferat solle schnelle Antworten liefern bezüglich der Frage, wie es mit diesen Kirchweihen künftig bestellt sein soll, er solle ein Rettungskonzept liefern. So schreibt’s die AZ heute auf Seite 3. Ja, was ist denn da los? Sind die Kirchweihen bedroht? Ist ein Verbot im Schwange?

Tacheles: Die Stadtteil-Kirchweihen brauchen einen Träger, also: einen Veranstalter. Das wurde auf der Referentenrunde besprochen. Da ist Vogel zwar nicht dabei, aber man wird doch annehmen dürfen, daß sein OB oder einer der SPD-Referenten ihn informieren. Dann wüßte Vogel nämlich, daß man dort die Frage diskutierte, ob die Stadt die Kirchweihen organisieren und ausrichten soll. Dazu bräuchte es drei neue Stellen im Liegenschaftsamt. Alle Referenten – notabene: nicht nur die Schwarzen – und der OB waren sich einig, daß das nicht die Lösung sein kann. Irgendwann kommt noch einer daher und will, daß die Stadt seinen Grillabend ausrichtet… Nein, es war schon richtig, daß die Referentenrunde sich dagegen ausgesprochen hat. Nur daß es dem Vogel keiner gesagt hat, hat ihn jetzt in diese Bredouille laufen lassen.

Aber Vogel hätte den Irrtum vermeiden können, wenn er kommuniziert hätte. Zum Beispiel mit dem Wirtschaftsreferenten Michael Fraas. Ach, denkt sich der Leser vielleicht, macht der Vogel das denn nicht, bevor er zur Zeitung wetzt? Nein, das macht er nicht. Man sieht sich zwar im Rathaus des öfteren, bei Stadtratssitzungen, auf den Fluren, bei gemeinsamen Terminen – aber hey, das wäre doch erstens viel zu einfach und zweitens berichtete keine Zeitung darüber. Also forsch hinaus mit der Nullmeldung, irgendeiner wird’s schon drucken. Oder wie?

Man darf sich schon fragen: Hätte der Christian Vogel den gleichen wortreichen, aber sachlich unsinnigen Zeitungsbeitrag herbeigeführt, wenn der Wirtschaftsreferent von der SPD wäre? Nein, natürlich nicht. Dann hätte er den Kollegen angesprochen und gefragt: „Sag mal, was ist eigentlich künftig mit den Stadtteil-Kirchweihen?“

Dann hätte Fraas dem Vogel auch die Antwort gegeben: Die Stadt kann sie schon aus Kostengründen nicht organisieren. Der Schaustellerverband ist raus. Wer soll es denn machen, wenn nicht die Menschen und Vereine vor Ort? Wir haben in Nürnberg erfreulicherweise ein buntes Vereinsleben: Nachbarschaftsvereine, Stadtteilvereine. Es gibt die Ortsverbände der Parteien, die man ansprechen kann. Es gibt ein vielfältiges soziales Leben. Hier sind Initiative und Verantwortungsfreude gefragt und gefordert. Es ist nicht richtig, wenn der Bürger desinteressiert ist und dennoch von der Stadt erwartet, daß ihm die Kirchweih frei Haus geliefert wird wie eine Pizza. Die Vereine oder Initiativen, die eine Stadtteil-Kirchweih organisieren, bekommen auch nächstes Jahr wie gehabt Hilfe von der Stadt – dafür ist eine halbe Stelle vorgesehen. Man unterstützt also, aber man fordert auch Engagement ein. So aber entstehen wirkliche Stadtteil-Kirchweihen, die den Namen auch verdienen. Würde alles die Stadt machen – ich fürchte, daß nach kurzer Zeit alle Kirchweihen gleich aussähen.

Nun kann man halt von der SPD solches Engagement nicht verlangen. Beim Stadtteilfest in St. Lukas, beispielsweise, bauten die Damen und Herren von der SPD ihren Stand auf und angesichts des Regens sofort wieder ab und trollten sich gen Heimat. So, liebe Genossen, beeindruckt man weder den Bürger noch zeigt man Engagement. Wenn es nur zum Schönwetterdabeisein reicht, dann reicht es nicht sehr weit.

Und so ergeht also an den Herrn Vogel der freundliche und kostenfreie Rat, künftig zunächst mit den Zuständigen zu sprechen, sich dann in der Sache mit dem aktuellen Stand zu befassen, und – vor allem – nicht immer nach einem anderen zu rufen, der es gefälligst richten soll, sondern an die eigenen Leute zu gehen: die SPD im Westen könnte sich beispielsweise weniger durch sinnlose Plakataktionen hervortun als durch eine Mitarbeit beim Organisieren einer Kirchweih. Die Bürgervereine tun das sowieso, aber ein Stupser in diese Richtung könnte nicht schaden. Wenn Sie beim Oberbürgermeister nachfragen, der dem Vernehmen nach der gleichen Partei angehört wie Sie, dann wird sich die Richtigkeit der hier getroffenen Aussagen darüber, was in der Referentenrunde besprochen wurde, schnell herausstellen.

Stadtteil-Kirchweihen sind kleine Feste, die meist nur wenige Tage dauern. Sie sind individuell verschieden, tragen dem Stadtteil – und der Kirche, zu deren Weihe sie ja stattfinden! – Rechnung. Die eine hat mehr Amusement für die Kinder zu bieten, die andere ein Bierzelt mit Musik, die dritte ist eine Straßenkirchweih, die nächste auf einer Grünanlage – nun, schon alleine aufgrund der Verschiedenheit der Kirchweihen ist es besser, wenn das, was vor Ort getan werden kann, auch vor Ort getan wird. Die Stadt unterstützt mit Rat und Tat, und so ist die Zukunft der Nürnberger Stadtteilkirchweihen gesichert, Herr Vogel.

Tip am Rande, so von wegen gutem Klima in der Stadtratskooperation: Sie können dem Michael Fraas ja sagen, daß es Ihnen leid tut (wenn dem so ist) und daß Sie Ihre Aussagen zurücknehmen, weil sie inhaltlich falsch waren. Er wird gewiß nicht gleich zur Zeitung laufen…

Übrigens: Vielleicht werden die Stadtteil-Kirchweihen auch dadurch gestärkt, daß auch mal bekanntere Sozialdemokraten vor Ort sind. Das wurde aber erst kürzlich in einem anderen Artikel erörtert: hier. Und deswegen gilt, daß man näher am Menschen dann ist, wenn man weiß, was man sagt, wem man es sagt und warum man es sagt. Bis zum nächsten Mal!

 

Bild: Freud

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2 Kommentare

  1. Mike sagt:

    Su a Gschmarri: Du hasd ja überhapts ka Ahnung. Grad Verwaltungsstelln wern doch gsuchd! Weil des organisadorische Gschmarri die Bürgervereine und Kirchn ebm ned a nu baggn. Des is doch grod worums gehd. Da had der Vogl scho rechd. Und eingdlich müsserd Euer Wirtschftsreferent helfen, aber des hadder ned. A wenn der des in Dein CSU-Blogg und -Hirn ned neibassd. 🙂

  2. Das ist wohl Ihr Allzweckkommentar, den Sie unter mehrere Artikel posten?
    Ich bin gegen ein städtisches Bespaßungsamt. Ich bin gegen die Kosten eines Bespaßungsamtes. Unser Wirtschaftsreferent hilft – er hat sich darum gekümmert, daß fleißige Mitarbeiter im Liegenschaftsamt mit Wochenend- und Abendarbeit die Kirchweihen 2012 organisiert haben, und er führt die Beteiligten an einem Tisch zusammen, um gemeinsam mit ihnen zu beraten, wie die Kirchweihen 2013 ff. sichergestellt werden können. Aber eine Frage, Mike: Maulen Sie bloß? Oder engagieren Sie sich auch selbst?

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