Allmächt, Albrecht

von André Freud:

Namen haben Konjunktur. Mal eine gute, mal eine schlechte. Vorlieben ändern sich. Während heute der Max und die Lea gute Konjunktur haben, war in meiner Schulzeit der Michael unschlagbar, auch Stefan, Thomas, Harald, Sabine, Michaela, Sylvia waren oft anzutreffen. Einen Namen allerdings such ich in meinem Adreßbuch (fast) vergebens: Albrecht.

Beim Namen Albrecht handelt es sich um eine etwas jüngere Form des Namens Adalbert. Etymologisch ist er aus den  althochdeutschen Worten für „Adel, edel“ und „berühmt“ zusammengesetzt. Auch die Berta ist übrigens eine Abwandlung dieses Namens.

Nun hatten wir bekanntermaßen in Nürnberg mal einen Bürger, auf den die Bedeutung dieses Namens gewiß zutrifft. Der Dürer war’s, wie wohl jeder Leser sich schon dachte. Der ist nicht nur in Nürnberg weltberühmt, sondern auch in Fürth und dem Rest der Welt. Jeder, der sich mit der Kunst zur Zeit der Reformation und des Humanismus befaßt, kommt um unseren Albrecht nicht herum.

Der Nachname Dürer ist, wie jeder, der des Fränkischen auch nur leidlich kundig ist, gut wird nachvollziehen können, die lautmalerische Schreibweise der seinerzeitigen Berufsbezeichnung „Thürer“, also: Türmacher.

Es ist also durchaus zutreffend, den Namen Albrecht Dürer in seiner Bedeutung wiederzugeben mit: „Der edle, berühmte Türmacher“. Spätestens an dieser Stelle muß man die von Markus Söder öffentlich gemachte Idee, dem Nürnberger Flughafen den Beinamen „Albrecht Dürer“ zu geben, loben. Was könnte passender sein? Ein Flughafen, noch gerade ein internationaler Flughafen, ist nichts anderes als eine Tür, als ein Tor zur Welt.

Und deswegen ist es richtig, den Nürnberger Flughafen nach einer der größten Söhne der Stadt zu benennen. Das sieht mittlerweile auch der Oberbürgermeister so – was erfreulich ist. Zeigt es doch, daß jedenfalls manchmal die guten Argumente zu überzeugen vermögen.

Gewiß wird auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Vogel, der über diesen Vorschlag zunächst nichts als Spott zu verbreiten wußte, seine Meinung noch einmal überprüfen und vielleicht zu einer Zustimmung sich durchringen können.

Ganz anders benimmt sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Günter Gloser (SPD). Die NN zitiert ihn bezüglich der Umbenennung des Nürnberger Flughafens mit dem Wort „Mätzchen“. Gloser kennt sich aus – fliegt er zuweilen doch gerne mal zum „Irren von Teheran“ (BILD), Mahmut Ahmadinedschad. Dort landet er auf dem Flughafen „Imam Chomeini International Airport“. Ob er den Iranern auch erklärt hat, daß er die Benennung ihres Flughafens nach diesem Menschen für ein „Mätzchen“ hält?

Gloser  zeigt sich auch in anderer Hinsicht als unzureichend informiert. „Niemand wird nach Nürnberg fliegen, weil ihn dort Albrecht Dürer begrüßt“, sagte Gloser laut NN. Scheint zu stimmen: wenn man sich ein Reiseziel sucht, wird der Name des Flughafens niemals einen Einfluß auf die Entscheidung ausüben. Oder vielleicht doch? Doch. Nicht direkt, aber indirekt. Die Namen von Flughäfen werden zigmillionenfach gelesen. Deswegen wissen auch viele Menschen, daß der Pariser Flughafen nach Charles de Gaulle benannt ist, der römische nach Leonardo da Vinci, der New Yorker nach John F. Kennedy. Und mit den Jahren, Jahrzehnten wird ein solcher Name in immer mehr Köpfenn Assoziationen, Konnotationen auslösen. Eine solche Benennung wird dazu führen, daß Menschen (auch) an Albrecht Dürer denken, wenn sie Nürnberg hören. Es wird das Interesse an einer Reise in die Stadt Dürers erhöhen. Kunstinteressierten Menschen aus aller Welt wird so – ohne weitere Kosten – immer wieder in Erinnerung gerufen, daß Dürer ein Nürnberger war, daß wir in unseren Museen Werke von Dürer zu hängen haben, daß wir – hoffentlich – dereinst das größte Kunstwerks Dürers, die Ausmalung des Rathaussaales, wiederhergestellt haben werden.

Durch diese ständige Wiederholung des Begriffspaares Nürnberg-Dürer wird mit der Zeit sehr wohl ein Effekt ausgelöst werden, der zu Reisen nach Nürnberg animiert. Herrr Gloser kann sich ja mal gelegentlich an der WiSo über „Branding“ unterrichten lassen: die Kunst, durch Schaffung einer Marke den Wert eines Produkts zu steigern. Aber vielleicht erklärt OB Uli Maly seinem Parteigenossen Gloser mal die Zusammenhänge, wenn Gloser sschon auf Söder nicht hören mag.

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