„Generell“ ist generell nicht gut

von André Freud:

Generell wurden auf dem CSU-Bezirksparteitag gute Beschlüsse gefaßt. Zur Energiewende, zum Flughafen und und und. Mit einem Beschluß aber bin ich nicht recht glücklich – und ich freue mich beinahe darüber, einmal eine abweichende Meinung präsentieren zu können, um der zuweilen geäußerten Mutmaßung zu begegnen, dieser Blog sei eine semioffizielle Produktion der CSU.

Tempo 30 vor Schulen ist oft eine gute und richtige Sache. Es gelten aber zwei Einschränkungen:

Über 15 Wochen im Jahr sind Ferien. Wieso soll man im August vor leeren Gebäuden auf 30 km/h runter bremsen?Natürlich kann man unter das Schild „30“ keinen Ferienplan hängen. Aber man müßte wenigstens prüfen, ob SÖR nicht für die Dauer von Ferien von zwei Wochen oder mehr (Sommer, Weihnachten, Ostern, Pfingsten) die Schilder abdeckt und so die dann völlig sinnlose Regelung aufhebt. Sinnlose Regeln nämlich werden von den Menschen nicht anerkannt. So würde man die Akzeptanz des Tempolimits erhöhen – was allen zugute kommt.

Es gibt Schulgebäude, an denen ein Tempolimit die Sicherheit nicht erhöht. Mir fällt da das Melanchthon-Gymnasium an der Sulzbacherstraße ein. Kein Schüler überquert hier die Sulzbacherstraße – die Schüler gehen entlang der Straße zum Stresemannplatz oder, vor allem, zum Rathenauplatz, um dort die Straßenbahn oder U-Bahn zu nehmen. Es sind gewiß einige weitere Schulen zu nennen, bei denen ein Sicherheitsgewinn durch Tempo 30 nicht zu erzielen sein wird. Übrigens: während meiner Schulzeit am Melanchthon gab es meiner Erinnerung nach einen einzigen Unfall einer Schülerin, die angefahren wurde – und das war am Rathenauplatz. Fernab des Gebietes, in dem jetzt 30 gilt.

Das Problem sehe ich also im Wort „generell“. Nicht bei allen Schulen ist Tempo 30 sinnvoll – und es ist nicht an jedem Werktag sinnvoll, sondern an etwa 36 Wochen im Jahr. Deswegen plädiere ich für eine sinnvolle Einzelfallösung – gerne nach dem Motto: Tempo 30 überall dort, wo nicht wirklich etwas dagegen spricht, und Tempo 30 an jedem Werktag, wenn nicht mindestens vierzehntägige Ferien sind. Wenn man das berücksichtigt, ist der Beschluß richtig.

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