Dies und das

von André Freud:

Das Schloßgartenfest in Erlangen stand, wie so oft, unter der Diktatur des Wetters. Wegen drohender Gewitter wurde das Feuerwerk eine halbe Stunde früher gezündet, aber zeitgleich kam der schwere Regen herunter, und die Menschen eilten, auch Schutz vor Blitzen suchend – die an diesem Wochenende in Deutschland drei Menschenleben kosteten – von dannen. Schade für alle, die sich auf diesen Abend gefreut, die sich viel Mühe mit Garderobe und Toilette gaben. Aber wirklich bedrückend empfand ich die heutige Berichterstattung darüber, der ein ordentlicher Schuß Häme innewohnte. Gewiß ist Schadenfreude ein zutiefst menschlicher Impuls – meines Erachtens aber keiner, der durch die Zeitungen bedient werden sollte.

Die Pille-Palle-„Partei“ oder, wie sie selbst sich nennt, Piraten-„Partei“, hat – vierzehn Monate vor der Wahl! – ihren ersten Direkt-Kandidaten zur Bundestagswahl nominiert, und zwar in Kastl. Nun muß man bedenken: Direktkandidaten sind nur dann gewählt, wenn sie die meisten Stimmen im Wahlkreis auf sich vereinigen. Die PiPa liegt in Umfragen derzeit bei um 5 %. Es ist nicht nur Hybris, es ist glatte Realitätsverleugnung, einen Direktkandidaten aufzustellen und darüber mehr als ein Jahr vor der Wahl so ein Bohei zu machen. Frage: Warum drucken Zeitungen so einen Käse ab? Antwort: Weil sie nicht berichten über das, was wichtig ist, sondern selbst Meldungen produzieren wollen. Prognose: Die NN wird in der Zeit bis zur Wahl über Banales bei der PiPa berichten, einfach um etwas zum Berichten zu haben, und sie wird redaktionelle Distanz missen lassen. Wetten? Ganz nebenbei: der famose „Direktkandidat“ hat angekündigt, sich im Falle seiner Wahl für Transparenz der Entscheidungen im Bundestag einzusetzen. Ein schöner Beweis für die grandiose Unfähigkeit dieser Leute. Entscheidungen im Bundestag sind transparent. Für jedermann. Es kostet halt ein wenig Mühe, sich schlau zu machen, Sitzungen zu besuchen, Protokolle zu lesen, dabei zu sein. Den will die PiPa offensichtlich nicht betreiben, also fordert man schlankerhand und mit viel Getöse etwas, was längst da ist. Was wäre wohl los, wenn die CSU ein Recht auf kostenlose Luft fordern würde? Eben. Ich kann mir den Hype um diese Eidschi-Bum-Beitschi-„Partei“ der Ahnungslosen, der gutmeinenden Sozialisten und derer, die das politische Einmaleins nicht können, aber uns derzeit Luftnummern vorrechnen, nicht verstehen. Jedenfalls dann nicht, wenn ich gute Motive unterstelle.

Die Bayreuther freuen sich darüber, daß ihr Markgrafentheater den Status Weltkulturerbe erhielt. Recht so. Als Nürnberger frage ich mich leise, ob so etwas nicht auch für unsere Kaiserburg zu erreichen wäre. Vielleicht nach der Renovierung, die der bayerische Finanzminister und CSU-Bezirksvorsitzende Markus Söder vorantreibt? Schee wär’s. Andere Menschen scheinen Weltkulturerbe für eine Art Gotteslästerung zu halten und vernichten solche „Meisterwerke menschlicher Schöpfungskraft“, wie es in den Bestimmungen heißt. Die Rede ist von Mausoleen in und um Timbuktu, Mali. Manche Gegenden der Welt scheinen ins 8. Jahrhundert zurückgeworfen zu sein. Das ist von solchem Übel, daß unsere allgemeinen Begriffe und Maßstäbe dafür nicht geeignet sind. Im Grunde geht es nicht um Artefakte – es geht um Menschen. Menschen, die Täter sind, und Menschen, die Opfer sind, in einer Gemengelage, die nur Verlierer kennt.

Die Nürnberger Zeitung (NZ) erhebt unter ihren Leser regelmäßig eine Umfrage. Die ist nicht repräsentativ, aber dennoch oft ein Gradmesser. Die letzte Frage lautete: „Können Sie ein Minarett in Nürnberg tolerieren?“. Nun liegt das Ergebnis vor: 83 % sagten Nein, 17 % sagten Ja. Aha. Und da haben Raschke (SPD) & Konsorten die Chuzpe, uns von der CSU – die wir die Moschee befürworten, aber das Minarett ablehnen – eine Politik vorzuwerfen, die angeblich die Rechtsextremen begünstigt? Dieser infame, ehrabschneidende Rufmord ist nicht aus der Welt, bis seitens derer, die so etwas sagten, eine angemessene Bitte um Entschuldigung ebenso laut zu vernehmen ist, wie sie ihren dreckigen Vorwurf hinausposaunten!

Ein bekannter und beliebter Nürnberger verläßt seine Heimatstadt: Zahnarzt und Kieferorthopäde Dr. Gerhard Schönberger gibt seine Praxis in der Karolinenstraße auf, zieht nach München und studiert Musikwissenschaften. Wohl dem, der solche Sachen machen kann und sie dann auch tatsächlich tut. Zwar ist er als Mitglied der Freien Wähler politisch nicht so ganz mein Fall – aber als Mensch stets wohlgelitten und gerngesehen.

Architekt Uwe Andersen erhält nach einer Laudatio in der Wochenend-AZ in NN und NZ von heute und morgen eine Würdigung für seinen Einsatz um das Anwesen Mühlgasse 1. Wenn sich einer so um die Stadt verdient macht – Andersen hat, bei Licht betrachtet, kaum je eine Chance, aus diesem Objekt Gewinn zu machen -, dann ist das allen Lobes wert. Stadtrat Joachim C. Thiel, der in Vertretung von OB Uli Maly für die Stadt sprach, drückte es deutlich aus: Elf Jahre baute Andersen an diesem Objekt. Elf Jahre sind ein Nichts in der Geschichte der Stadt – aber im Leben eines Menschen ist es eine immens lange Spanne, die da für ein einzelnes Projekt aufgewandt wurde. Dagegen verblassen die 100 Tonnen Stahl, die zur Standfestigkeit verbaut werden mußten, und die vielen Millionen, die Andersen für das Projekt aufwandte.

Das geplante, neue Fürther Stadion soll nicht zulasten der Nürnberger Verkehrsinfrastruktur errichtet werden. „Ihr wollt es, Ihr versorgt es!“ – möchte man sagen, wobei hier „versorgen“ als „verkehrsmäßig anbinden“ zu begreifen ist. Es geht nicht darum zu verhindern, daß mal ein Auto mit grün-weißem Schmuck über die Straße der wirklichen Frankenmetropole fährt; es geht darum, daß nicht quasi der gesamte Verkehr von Nürnberg gestemmt werden muß und uns die Fürther – siehe letzte Begegnung im Pokal – nicht einmal ihre Dankbarkeit erweisen. So wird das nichts!

Am Noris-Ring wurde gefeiert – das bekam jeder mit. Aber es fand auch eine Benefiz-Veranstaltung von OB-Witwe Ute Scholz statt. Trotz starker Veranstaltungskonkurrenz war es eine gut besuchte Veranstaltung mit einem sehr ordentlichen Ergebnis für einen guten Zweck.

Der nächste Beitrag wird wieder etwas politischer werden…

 

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Ein Kommentar

  1. Anonymous sagt:

    EPIC FAIL!

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