Falsche Propheten auf Kollisionskurs

von André Freud:

Die Jungs und Mädels von der Piraten-„Partei“ haben sich hingesetzt und etwas gewerkelt. 70 Piraten arbeiteten – nach eigenen Angaben – etwa acht Wochen an einem lokalpolitischen Vorschlag. 70 Menschen à acht Wochen à 5 Arbeitstage à – angenommen – eine Stunde Arbeit pro Kopf und Tag à 20 € Durchschnittsstundenlohn macht schlappe 56.000 € Kosten, die dieser Vorschlag verursacht hätte. Gut, lamentieren wir nicht, daß zuweilen der Berg kreist und kreist und kreist, bevor er eine Maus gebiert – sehen wir uns das Ergebnis an.

Die Gewerbesteuer soll um 13 % (!) erhöht werden. Die Grundsteuer soll um 13 % (!) erhöht werden. Die Werbeflächen sollen besser vermarktet werden (Obacht, Christian Vogel (SPD)! Die Piraten werden doch nicht auf Ihren Job als Geschäftsführer der Stadtreklame heiß sein?). Gäste der Stadt sollen durch eine Hotelabgabe zur Kasse gebeten werden. Wofür? Dafür, daß man die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos soll benutzen dürfen.

Herr, schmeiß Hirn!

  1. Höhere Gewerbesteuer würgt die Nürnberger Wirtschaft ab. Das würde dann nicht einmal Wirtschaftsreferent Fraas verhindern können.
  2. Eine höhere Grundsteuer bedeutet höhere Mieten für alle Nürnberger Mieter, private wie gewerbliche. Damit bezahlt am Ende jeder direkt oder indirekt. Jeder – egal, ob er den ÖPNV nutzt oder nicht.
  3. Hoteliers müssen, da sie auch kein Geld zu verschenken haben, einen Aufschlag auf die Zimmerpreise machen. Nürnberg wird für Messebesucher und Touristen teurer. Wirtschaftskaputtmachpolitik vom Feinsten

Für fiktive 56.000 € Kosten liefert uns eine virtuelle „Partei“ einen „Vorschlag“, wie der ÖPNV für alle Bürger kostenlos sein soll – um den Preis der Verarmung Nürnbergs.

Es ist offensichtlich, wie verquast das Ganze ist. Aber es ist ja nicht nur so, daß die Finanzierung des Vorhabens irgendwie an eine Rathaussitzung in Schilda erinnert. Weitaus schlimmer ist, daß diese „Partei“ hier Grundsätzliches ändern will.

Wir haben nämlich bei allen Kosten grundsätzlich das Verursacherprinzip: der, der etwas will, muß dafür bezahlen. In gewissem Umfange wird das eingegrenzt, so beispielsweise durch Ausgleich von Verlusten der ÖPNV-Träger. Eine sozial wichtige Aufgabe wie der ÖPNV bekommt erhebliche Unterstützung. Das kann aber nicht im Sozialismus, im Kommunismus enden dergestalt, daß der Verursacher gar nichts mehr bezahlt, aber alle dafür bezahlen, dafür arbeiten müssen. Wir sind keine Gesellschaft, in der die Leistungsfähigen alles zu bezahlen haben, damit die anderen nichts zu bezahlen brauchen.

Es wird auch auf absurde Weise ignoriert, was mit Dingen geschieht, die man umsonst haben kein: niemand wird sie achten. Vandalismus wird enorm zunehmen.

Niemand bei dieser famosen Piraten-„Partei“ scheint darüber nachgedacht zu haben, daß kein Mensch mit Verstand in Zukunft noch irgendwelche Investitionen für den VGN wird vorschlagen können: wenn es sich nicht lohnt, weil nämlich nichts erwirtschaftet wird, dann wird nicht investiert – in neue Busse, neue U-Bahnen, neue Strecken. Aber es liegt nahe, daß derlei von diesen Lehrlingen im Politbetrieb nicht bedacht wurde. Wer schon geistiges Eigentum verachtet, der achtet Eigentum und Besitz grundsätzlich nicht.

Wir haben hier das gleiche, grauenvolle und weltfremd ersponnene Szenario wie in der Euro-Krise: Die Lösung für ein Finanzierungsproblem besteht nicht darin, ausnahmslos alle dafür bezahlen zu lassen.

Ganz abgesehen davon gibt es gar kein Finanzierungsproblem. Die Kosten für ÖPNV sind in den Kosten für HartzIV eingeschlossen. Es gibt nur eine Gruppe, die meiner Meinung nach durch diese ÖPNV-Kosten relativ hart belastet wird: diejenigen, die tätig sind, aber nur wenig über HartzIV verdienen. Alle anderen mögen ihre – eh meist ermäßigten – Tickets bezahlen.

Was haben wir also? Ein völlig wirres Plänchen, das denn auch die Handschrift von Politanfängern bloßlegt und bloßstellt. Eine sozialistische Chimäre. Eine hanebüchene Steuererhöhung, die die Wirtschaft abwürgt – wozu? Damit die Menschen nicht mehr mit der MobiCard zum Arbeitsplatz fahren, sondern eine Freifahrt zum Arbeitsamt antreten dürfen?

In den letzten Wochen bot diese „Partei“ zuweilen netten Plauderstoff. Bei zwei kurzen Besuchen in der werdenden Geschäftsstelle war – wieder einmal – festzustellen, daß das ja durchaus nette Menschen sein mögen. Aber es ist eben kein politisches Kriterium, „nett“ zu sein.

Nicht besonders „nett“ übrigens ist, daß justamente an dem Tag, an dem diese „Partei“ dieses famose Konzept vorzustellen beliebte, 30 Automaten der VAG beschädigt und mit Aufklebern „heute umsonst“ bepappt wurden. Ich weiß nicht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem unterhaltsamen Beitrag der „Piraten“ und dieser Zerstörungsaktion gibt und will das dieser „Partei“ auch nicht vorwerfen. Was ich aber fordere, das ist ein klares Bekenntnis dieser „Partei“, daß man Gewalt gegen Menschen und gegen Sachen grundsätzlich ablehnt, auch wenn es um die Durchsetzung politischer Ziele geht, und daß man sich davon glaubwürdig distanziert. Übrigens ist es mir wurscht, ob dafür eine Mitgliederbefragung abgehalten wird. Das will ich vom Vorsitzenden hören – der das dann auch in seiner „Partei“ durchzusetzen hat, und der sich, falls es anders kommt, nicht damit wird herausreden können, daß er ja nichts zu entscheiden, sondern lediglich alles umzusetzen habe, was die Basis wolle.

Wir brauchen keine kruden Sozialismusphantasien von Menschen mit zuviel Spieltrieb, die ein teures Plänchen zimmern, das schon bei der ersten Beschau durchfällt und bei seiner Umsetzung, zu der es – dem Wähler sei im voraus gedankt – niemals kommen wird, die Nürnberger Wirtschaft und den Nürnberger ÖPNV ruinierte.

Aber für alle, denen das zu lange und zu komplex war, hier die Antwort an diese „Partei“ in einem Satz:

There is no such thing as a free lunch!

Advertisements

6 Kommentare

  1. steinar thomasson sagt:

    Schön finde ich den Satz „Wir brauchen keine kruden …phantasien von Menschen mit zu viel Spieltrieb, die ein teures Plänchen zimmern, das schon bei der ersten Beschau durchfällt und bei seiner Umsetzung, zu der es – dem Wähler sei im Voraus gedankt – niemals kommen wird, die Nürnberger Wirtschaft .. ruinierte“ .
    Der Satz waren doch genau meine Worte zum grandiosen Scheitern von Münchens Olympia-Bewerbung, die die Staatsregierung so finanzkräftig unterstützte!
    Leider muss man befürchten, dass die Wähler das bei der Wahl zwischen den beiden „Loosern“ Seehofer und Ude schon wieder ausblenden werden….
    Noch schöner als diesen eingangs zitierten Satz finde ich die „Sozialismuskritik“ im Zusammenhang mit einem Staatsunternehmen wie der planwirtschaftlichen VAG, die sich ja seit Jahren einem beinharten Wettbewerb ausgesetzt sieht und noch nie als Austragshäuschen für alternde Kommunalpolitiker herhält .
    Da haben Sie ja ordentlich in die Apfelkiste gegriffen, auf der „Birne“ draufstand!
    In Ihrem anscheinend grenzenlosen Hass auf die Piratenpartei, haben Sie leider zwei durchaus interessante Punkte übersehen:
    1.) Die empfohlene Kostenfreiheit der „Sightseeing-Linie 36“ und
    2.) Den sinnvollen Appell seitens der engagierten und auch sachkundigen Nürnberger Piraten, der da lautet, dass die VAG endlich belastbare Zahlen herausrücken soll.
    Punkt eins erklärt sich selbst und verdient eine substantielle Machbarkeitsanalyse und bei Punkt zwei verweise ich auf die Ausführungen zur „Sozialismuskritik“: Da es keinen Mitbewerber gibt, der aus einer Veröffentlichung einen Wettbewerbsvorteil ziehen könnte, ist die Geheimniskrämerei nicht anders zu bewerten, als das Verschleiern der eigenen Unfähigkeit seitens der Geschäftsführung.

    Noch ein letztes zu Ihrem leicht pathologisch anmutenden Abarbeiten am Namen „Piratenpartei“:
    Wer so christlich mit seinen Politikerkollegen verfährt, wie ihr großer Vorsitzender Seehofer mit dem Wahlverlierer Röttgen und wer so sozial dazu aufruft, gezielt Listenkandidaten nach hinten zu wählen wie Mitglieder Ihrer Partei bei der letzten Stadtratswahl, braucht sich nicht so peinlich am vermeintlichen „Verbrechernamen“ der unliebsamen politischen Konkurrenz aufgeilen: A bissla logger bleim, lieber Freu(n)d, gell!

    Umsetzung, zu der es – dem Wähler sei im voraus gedankt – niemals kommen wird, die Nürnberger Wirtschaft .. ruinierte“

  2. Nun ja… bei persönlichen Angriffen, die ins medizinische hinein reichen, hätte es – beispielsweise – bei Wikipedia eine längere Schreibsperre gegeben. Aber ich bin tolerant – was nicht heißt, daß es mir gleichgültig ist, was andere schreiben, sondern daß ich es dulde, obwohl es mir in dieser Form wirklich nicht paßt. Man kann eine andere Meinung ausdrücken, ohne von „pathologisch“ und „Haß“ zu sprechen. Haß auf die Piraten-„Partei“ liegt mir fern. Und was „pathologisch“ bedeutet, können Sie ja gelegentlich mal nachschlagen.
    Im Übrigen: Olympia wäre großartig gewesen. München profitiert bis heute von Olympia ’72. Nebenbei: es läuft eine Aktion, um das IOC dazu zu bewegen, während der olympischen Spiele in London an den 40. Jahrestag des Anschlags von München zu gedenken, aber das IOC sperrt sich… Warum auch immer – kein Grund ist ein guter.
    Die Piraten-„Partei“ ist keine Konkurrenz. Sie fischen nicht in unseren Gewässern.
    Offenbar haben Sie meinen Artikel nicht wirklich gelesen. Der Versuch, EINE Buslinie kostenfrei nutzen zu können, ist so intelligent wie etwa eine Werbeaktion von McDonald’s, wenn man einem dort den Ketchup umsonst geben würde. Ist übrigens in den USA üblich, und ich habe noch nicht davon gehört, daß man dort deswegen mehr Burger & Coke verkauft. Aber egal. Den Versuch bräuchte man – wenn er irgendwelche Ergebnisse bringen könnte, was aber nicht der Fall ist – nur dann, wenn man erwägt, das Vorhaben zu realisieren. Seien Sie versichert: das erwägt niemand, auf den es ankommt. Eine Pi-lle-Pa-lle Idee der Pi-raten „Pa-rtei“. Sozialismus pur. Kosten einfach auf alle umzuwälzen – sinnlos. Unser Staat trägt schon für ziemlich vieles die Sorge. Das muß man nicht mehr erweitern – das darf man nicht mehr erweitern. Die staatliche Daseinsfürsorge wollen wir nicht auf DDR-Niveau; erstens weil es nicht funktioniert, zweitens weil einer der Preise dafür die Diktatur wäre und drittens weil man weiß, wie es endet. Hinfort mit solchen witte-witte-wie-sie-mir-gefällt-Vorschlägen!

  3. Anonymous sagt:

    Disclaimer: Ich bin Mitglied der Piratenpartei. Meine Äußerungen stellen sind somit nicht notwendigerweise politisch neutral.

    Dieser ARtikel ist ein EPIC FAIL! Zu deutsch: Ein grandioses Eigentor.

    Die Überschrift kann man noch als Meinungsäußerung durchgehen lassen. Meiner Meinung nach sind wir weder falsche Propheten noch auf Kollisionskurs. Und wir sehen uns auch nicht als echte Propheten.

    Dann ist der Artikel falsch vertaggt. Es heißt „Piratenpartei“ und nicht „Piraten-‚Partei'“.

    Im ersten Absatz sind wir schon wieder falsch geschrieben. Nochmal: Es heißt „Piratenpartei“ und nicht „Piraten-‚Partei'“.

    Dann heißt es, wir hätten mit 70 Leuten 8 Wochen an dem Vorschlag gearbeitet. Dass mag stimmen. Aber wir haben NICHT alle 1 Stunde pro Tag da rein investiert. Ich habe vllt 50 Minuten lang mitgearbeit wenns hochkommt. Und zwar insgesamt. Aber du behauptest, ich hätte 40 Stunden mitgetüftelt. Ich glaube dabei, dass ich hier kein Extremfall bin. Sondern eher der Durchschnitt. Somit sind wir bei vllt geschätzten 58 Mannstunden. Mal 20€ ergibt das 1160€. Deutlich weniger als die 56000€ auf die du gekommen bist.

    Dann frage ich mich, wo das Problem mit den 13% Steuererhöhung ist. 13% sind nicht allzu viel. Es geht ja hier nicht um Prozentpunkte, sondern um Prozent.

    „Herr, schmeiß Hirn!“ DAs sagt grade der richtige. Du nennst Argumente gegen den FAhrscheinlosen ÖPNV. Aber wirklcih begründet sind die nicht.

    1. Die Nürnberger Wirtschaft würde vom FAhrscheinlosen ÖPNV profitieren. Dieser Gewinn würde den Nachteil, der von der höheren Gewerbesteuer ausgeht, mehr als kompensieren. Das Argument, dass die Gewerbesteuererhöhung der Wirtschaft schaden würde, trifft also nicht zu.
    2. Klar, die Mieten würden steigen. Auch Eigentümer, die Immobilien selber nutzen, würden zahlen. Aber in dieser GRundsteuer- und Mieterhöhung wäre eine ÖPNV-Flatrate enthalten. Nicht nur für die Bewohner selbst, sondern auch für auswärtige Besucher und Kunden. Dass jeder direkt oder indirekt bezahlt, ist korrekt, aber es ist kein Problem oder Nachteil. Und dass Nichtnutzer nicht zahlen sollten – sorry, aber das Argument ergibt keinen Sinn. Mobilität braucht so ziemlich jeder. Manche setzen zwar mehr auf motorisierten oder nicht-motorisierten Individualverkehr, aber denjenigen, der keine Mobilität braucht, gibt es nicht wirklich. Gut, ein Komapatient vielleicht. Aber sonst gibt es sowas nicht. Personen, die den ÖPNV noch nie genutzt haben, gibt es nicht. Es gibt allenfalls Leute, die ihn wenig nutzen, und zwar aufgrund von 1) zu hohen Fahrpreisen 2) zu komplizierten Tarifen 3) einem zu schlechten Angebot. Mit dem Fahrscheinlosen ÖPNV würden diese Probleme verschwinden. Die Fahrpreise wären nicht mehr zu hoch und die Tarife würden absolut nciht mehr einfacher gehen. Und da mehr Leute damit fahren würden, könnte (und müsste!) man auch das Angebot verbessern.
    3. Hoteliers haben seit der Mehrwertsteuersenkung, die sie größtenteils nciht weitergegeben haben, durchaus Geld zu verschenken. Ein solcher Aufpreis wäre IMHO durchaus akzeptabel. Denn ob ich für ein Hotel x € bezahle und 5€ für Busfahrscheine oder ob ich x+5€ für das Hotel zahle und 0€ für die Fahrscheine macht für mcih keinen Unterschied, abgesehen davon, dass ich keine ÖPNV-TArife mehr studieren muss, wenn ich in eine andere Stadt zum Parteitag fahren will. Außerdem würde man so noch ein paar Cent sparen, weil ja die Vertriebsinfrastruktur wegfällt. Nürnberg wird für Messebesucher und Touristen effektiv billiger. Wirtschaftsförderungspolitik vom Feinsten. Oder glaubst du, dass Messebesucher und Touristen den ÖPNV scheuen werden wie der Teufel das Weihwassser, egal wie billig er ist? Ich denke nicht – zumindest nicht hier bei mir in Erlangen, wo Autofahren so sehr suckt, dass die Leute jetzt schon sehr stark auf ÖPNV und FAhrrad setzen. Und gerade für internationale Gäste wäre es eine sehr schöne Sache, wenn diese weder einen Mietwagen suchen (das darf sowieso nicht jeder) noch sich durch einen ÖPNV-TArifdschungel kämpfen müssen. Nürnberg würde wegen dieser Besonderheit bei Besuchern positiv im Gedächtnis bleiben, bei in etwa gleichbleibenden (eigentlich sinkenden) Kosten. Ich wiederhole: Wirtschaftsförderungspolitik vom Feinsten.

    Nochmal: Wir haben keine 56000€ investiert. Auch nicht in Form von fiktiven Kosten.

    Wir sind keine „virtuelle“ Partei. Wir sind eine mittlerweile offiziell anerkannte Partei mit Sitzen in 4 Landesparlamenten und physikalischen Geschäftsstellen in allen (oder fast allen) Bundesländern. Sowas ist nicht virtuell. Und bitte setz das Wort Partei nicht in Anführungszeichen. Wir sind eine echte Partei und möchten auch so gesehen werden. Und wieso setzt du das Wort Vorschlag in Anführungszeichen? Unser Konzept ist kein schlechter oder scherzhafter „Vorschlag“ sondern ein ernstgemeinter Vorschlag – ohne Anführungszeichen. Es wird durch unseren Vorschlag nicht zur Verarmung Nürnbergs kommen. Gesamtwirtschaftlich ist diese Behauptung grober Unfug. Denn: Das Geld, was vorher aus den Geldbörsen der Bürger in die Fahrkartenautomaten gewandert ist, wandert jetzt mit Umwegen von den Geldbörsen und Bankkonten in den ÖPNV. Da geht kein Geld verloren, was in Nürnberg hinterher fehlen würde. Vielmehr würden gerade Ärmere Leute, die sich kein Auto leisten können und den ÖPNV besonders intensiv nutzen müssen, von dieser Entlastung besonders profitieren: In manchen Niedriglohnjobs geht man sogar soweit, Löhne zu zahlen, die noch nicht einmal für eine MobiCard ausreichen, mit der der Mitarbeiter zur Arbeit fahren kann. Sorry – aber wer so wenig Geld hat, dem sollten wir wirklich ein bisschen unter die Arme greifen. Und zwar auf Kosten der Reichen. Man beachte, dass Arme in diesem System die Mobilität nicht komplett geschenkt kriegen – sie leisten lediglich einen geringeren Beitrag (weil ihre Mittel auch geringer sind) und profitieren mehr davon.

    Das Wort verquast kenne ich nicht. Und die Ähnlichkeit zu einer Rathaussitzung in Schilda sehe ich eher in deinem Artikel als in unserem ÖPNV-KOnzept. Und dass wir Grundsätzliches ändern, ist nicht schlimm.

    Das mit dem Verursacherprinzip stimmt, und dass es da Ausnahmen gibt, stimmt natürlich auch. Ich muss aber darauf hinweisen, dass man die Begriffe Kommunismus und Sozialismus nicht mehr einfach so verwenden kann, denn sie sind im Laufe der Geschichte so unterschiedlich und teilweise auch falsch verwendet worden, dass man mittlerweile nciht mehr genau sagen kann, was sie eigentlich bedeuten. Extrembeispiel hierfür sind die National-Sozialisten, die eine Ideologie vertreten (haben), die in ihren Grundideen dem was man sonst unter Sozialismus versteht, komplett entgegenstehen. Du kannst diese Begriffe also nur benutzen, wenn du sie vorher definierst und sicherstellst, dass sie immer nach einer eindeutig festgelegten Definition verstanden werden. Natürlich kannst du auch mit mehreren Definitionen jonglieren. Da du die Begriffe nicht definiert hast, verstehe ich das ganze mal so, dass du uns mit diesen Begriffen einfach nur beschimpfen willst, ohne sachliche Kritik zu äußern – negativ besetzte undefinierte Begriffe sind sehr gut als Beschimpfung geeignet. Deine Behauptung, dass der Verursacher bei unserem Konzept nichts mehr bezahlen würde, alle anderen aber für ihn arbeiten würden, ist a) ein Widerspruch zu dem Vorwurf des Kommunismus und b) eine Verdrehung unserer Ideen. Beim fahrscheinlosen ÖPNV würde jeder zur Kasse gebeten – nicht nur die hypothetischen Nichtbenutzer, sondern auch die Nutzer. Wir fordern nicht, dass ÖPNV-Fahrer Zählkarten sammeln sollen, und wer genug davon hat, kriegt die indirekten Umlagen erstattet. Sondern es bezahlt jeder etwas (sozial schwächere etwas weniger, denn das ist sozial) und alle kriegen dafür die gleichen Leistungen. Leute, die hier Mobilität bekommen, ohne dafür zu bezahlen, gibt es nicht. Und Leute, die ganz arme Schlucker sind, anderen die Mobilität bezahlen und selber davon nicht profitieren, die gibt es auch nicht. Selbst wenn es den hypothetischen Nichtnutzer gibt – er würde immernoch profitieren, denn: Er würde weniger im Stau stehen und er müsste nicht mehr so hohe indirekte Beiträge zum Ausbau des Straßennetzes zahlen. Außerdem sind diese „Nichtnutzer“ sowieso eher Leute mit viel Geld, denen man dies zumuten kann. Klar, natürlich sollen die Leistungsfähigen nicht alles bezahlen – aber den sozial schwachen kann man nicht soviel zumuten wie den Reichen. Deshalb ist ein System, was das Geld in gewisser Form umverteilt, durchaus eine gute Sache. Oder willst du gleich das gesamte Sozialsystem verteufeln? Grundsicherung abschaffen, Kopfsteuer statt Besteuerung nach Einkommen, etc. Ist dass das was du willst?

    Deinen Standpunkt zum angeblichen Vandalismusproblem ignorieren wir, weil er falsch ist. Vandalismus wird nicht durch Kostenlosigkeit verursacht. Sonst müssten nämlich bei uns alle Straßenlaternen (die geben ja kostenlos Licht), die Bundesagentur für Arbeit (die gibt manchen Leuten Geld), sämtliche Bildungseinrichtungen (die sind auch umsonst oder sollten es zumindest sein) und Krankenhäuser ernsthafte Probleme mit Vandalismus haben. Vandalismus wird von anderen Faktoren verursacht. Zum Beispiel von Kriminalität, physischem Verfall, Vandalismus und kaputten Fensterscheiben. WEnn du etwas gegen VAndalismus im ÖPNV tun willst, dann setze dich dafür ein, dass 1) die Beleuchtung in den Zugtoiletten immer intakt ist 2) kaputte oder zerkratzte Fensterscheiben sofort ausgetauscht werden 3) Graffitti sofort entfernt wird 4) sonstige Schäden egal welcher Art sofort repariert werden. Aber mit fahrscheinlos werden wir keinen Anstieg des Vandalismus heraufbeschwören – im GEgenteil: Die Leute werden den fahrscheinlosen ÖPNV zu schätzen lernen und dies kann zu einem Rückgang des VAndalismus führen.

    Die Behauptung, dass sich Investitionen in den ÖPNV nicht mehr lohnen würden, läuft ins Leere. Denn: Bereits jetzt ist der ÖPNV ein Verlustgeschäft. Wenn die öffentliche Hand da investiert, dann tut sie es, weil die Gesellschaft davon profitiert. Es ist also kein Problem, eine neue U- oder S-Bahn-Linie zu bauen, obwohl feststeht, dass diese Verlust einfahren wird. Nach deiner ARgumentation müsstest du fordern, dass die ÖPNV-Subventionen sofort eingestellt und die Fahrpreise kostendeckend gemacht werden. Beim fahrscheinlosen ÖPNV würde es allerdings mehr Fahrgäste geben – womit gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet der ÖPNV effizienter arbeiten kann. Dass wir „geistiges Eigentum“, Eigentum und Besitz verachten würden ist eine Falschdarstellung.

    Nein, hier haben wir absolut nicht das gleiche Szenario. Bei der Euro-Kriese sollen alle ausnahmslos für irgendwas bezahlen, ohne dass es ihnen etwas bringt. Beim fahrscheinlosen ÖPNV besteht dagegen kein Finanzierungsproblem (gut das hast du einen Absatz später richtig erkannt) und hier bekommt jeder Mobilität zu einem vernünftigen Preis. Gesamtwirtschaftlich betrachtet wird dieses Konzept ein Gewinn sein, wenn nämlich ein Teil der Bevölkerung dadurch auf ein eigenes Auto verzichtet und so erhebliche Einsparungen hat.

    Was Hartz IV angeht, so ist das Problem hier, dass Hartz IV an sich eine Krankheit ist. Auch wenn beim fahrscheinlosen ÖPNV sozial schwache profitieren, ist das nicht der Kernpunkt.

    Was wir hier haben, ist ein ARtikel, der völlig wirre Behauptungen macht und über die Piraten herzieht ohne valide Kritik zu äußern und ohne sachlich auf die von uns Piraten vorgebrachten ARgumente einzugehen. Das die Wirtschaft nicht abgewürgt wird, habe ich schon mehrfach erklärt, das brauche ich also nicht zu wiederholen.

    NOchmal: Bitte setz das Wort Partei nicht in Anführungszeichen. Wir sind keine Spaßpartei.

    Den Vandalismus an Fahrkartenautomaten können wir selbstverständlich nur verurteilen. Willst du mit dem Ausdruck „unterhaltsamer Beitrag“ ausdrücken, dass du unser Konzept nicht ernst nimmst? Ehrlich, sowas ist niveaulos. Bitte komm auf eine sachliche Ebene. Nochmal: Bitte setze die Worte Piraten, Partei und nochmal Partei nicht in Anführungszeichen. Wir nennen uns nicht einfach Partei, wir sind eine Partei. Ich weiß nicht, ob wir uns als Partei schon von dieser konkreten Aktion distanziert haben, zumindest ich persönlich tue es hiermit und ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Piraten diesen Standpunkt teilt. Nein, eine Mitgliederbefragung wird hier nicht notwendig sein. Trotzdem: Wäre die Mehrheit bei uns für diese Aktion, könnte der Vorsitzende nicht das GEgenteil durchsetzen. Wir sind eine basisdemokratische Partei, da kannst du nicht fordern, dass der Vorsitzende hahnebüchenes durchsetzt. BAsta. Ich glaube du hast die Bedeutung des Begriffs „Demokratie“ nicht verstanden. Im konkreten Fall wird der Vorsitzende aber wahrscheinlich kein Problem damit haben, deiner Forderung nachzukommen, denn ich gehe davon aus, dass wir Piraten Vandalismus ablehnen.

    Der nächste Absatz ist so sehr voller Unfug, dass garnichts mehr stimmt. Falsch sind die folgenden Wörter: krude, Sozialismus, Phantasie, Spieltrieb, teuer, Plänchen (Plan wäre korrekt), durchfallen, niemals, ruinieren. Wir brauchen einen frischen Wind in der Politik und durchdachte neue Ideen von kompetenten Menschen, die finanzierbare Pläne zimmern, die bei der Umsetzung, du der es hoffentlich kommen wird, die Wirtschaft fördern und den ÖPNV vor dem Ruin bewahren. Zur Zeit steuert der ÖPNV mit seiner Preisspirale immer weiter auf den Ruin zu.

    Nochmal: Bitte hör endlich auf, das Wort Partei in deinem „Artikel“ in Anführungszeichen zu setzen!

    Es gibt keinen kostenlosen ÖPNV und er wird auch nicht von uns gefordert. Was wir wollen, ist ein Fahrscheinloser ÖPNV.

    Übrigens ist dein Artikel falsch verschlagwortet. Es muss „fahrscheinlos“ heißen, nicht „kostenlos“.

  4. Anonymous sagt:

    Und die Kosten auf alle umzulegen ist in diesem Fall durchaus sinnvoll, weil die derzeitigen Tarifsysteme völlig komplex und schwer zu verstehen sind. Was wir brauchen, ist eine radikale Vereinfachung der ÖPNV-Tarife. Und da ist fahrscheinlos nun mal das einfachste. Wenn es ein Abrechnungssystem für den ÖPNV gäbe, was so einfach zu benutzen wäre wie z.B. ein Wasserzähler, dann wäre meine Meinung hier eine andere. Aber stell dir mal vor, du müsstest für deine Telephongespräche Telefonkarten kaufen, die vom Prinzip her wie die Fahrscheine im ÖPNV funktionieren, d.h. für Gespräche innerhalb des Großraum Nürnberg musst du eine Zehnerkarte kaufen und dann je nach Entfernung eine bestimmte Zahl Streifen stempeln. Manchmal steht dann ein Kontrolleur auf der Matte, um zu schaun, ob du auch beim telephonieren richtig gestempelt hast. Für Ortsgespräche musst du Telefonkarten der Preisstufe A (oder wenn es ganz nah ist, K) benutzen. Gibst du den Hörer weiter oder telephonieren mehrere Leute gleichzeitig mit dem selben Telephon, muss jeder für sich stempeln. Hö®t man einen Hund oder eine FAhrradklingel am Telephon, muss eine FAhrrad- oder Hunde-Telephonkarte gelöst werden. Das ganze wäre absurd! Und zwar weniger aufgrund der Preisstruktur, sondern weil man selber ermitteln muss, wieviel man stempeln oder bezahlen muss. In der Praxis läuft telephonieren so ab, dass der Anbieter einfach ausrechnet, wieviel man bezahlen muss. Beim ÖPNV geht sowas nicht und deshalb muss er fahrscheinlos werden.

    Außerdem müssen wir was für den Umweltschutz tun und da der ÖPNV eine bessere Umweltbilanz hat als ein Auto ist es gut, wenn wir Leute zum Umstieg von Auto nach ÖPNV bewegen.

  5. Es ist spät und daher heute keine Gelegenheit mehr für eine inhaltliche Antwort. Vorab jedoch: Eines behalte ich gewiß bei; ich werde weiterhin Piraten-„Partei“ schreiben, so es mir beliebt.

  6. steinar.thomasson sagt:

    Nett, dass Sie so tolerant sind….

    Im übrigen: Hätten Sie gelegentlich mal bei „Duden“ nachgesehen (http://www.duden.de/rechtschreibung/pathologisch#Bedeutung3), hätten Sie folgendes recherchieren können – nachdem Sie es ja augenscheinlich nicht wussten:
    „Gebrauch – bildungssprachlich | Beispiel – seine geradezu pathologische Reizbarkeit“
    Insofern relativiert sich nun wohl Ihre Duldsamkeit, denn mit Krankheiten hat dies nichts zu tun. Wenn Sie sich über den Vorwurf des Hass‘ beschweren – geschenkt, ich ersetze es durch Abneigung und wir kehren zum Thema zurück:
    Die Apfelkiste auf der „Birne“ draufsteht scheint es Ihnen angetan zu haben. Ich versuche es noch mal kurz und plakativ auf einen Nenner zu bringen:
    ÖPNV – > keine Konkurrenz am Markt -> Planwirtschaft
    McDonalds -> viele Konkurrenten -> Marktwirtschaft
    Insofern können Sie Ihre hübschen Ketchup-Vergleiche mal für Blogs aufheben, wo sie dann auch tatsächlich zum Thema passen….
    70 Millionen wird per Quersubvention von der N-Ergie den Verkehrsbetrieben zugeschustert, und da erzählen Sie allen Ernstes Geschichten von der Marktwirtschaft beim ÖPNV? Umgekehrt wird ein Schuh draus!
    Und wenn eine Stadt wie Hasselt nicht mit Nürnberg vergleichbar ist, wäre es Ihre Pflicht den politischen Entscheidungsträgern dort nicht indirekt einen Sozialismus-Vorwurf zu machen, nur weil Ihnen nicht passt, dass dort ÖPNV zum Nulltarif funktioniert. Ganz zu schweigen davon, dass die Bevölkerung Tallinns sich zu ¾ ebenfalls zum „ÖPNV für lau ab 1.1.2013“ ausgesprochen hat. Und in Tallinn hat man jahrzehntelang mit dem Sozialismus so seine Erfahrungen gemacht, die waren – zumindest nach meiner Wahrnehmung – für die Leute dort eher nicht so prickelnd…
    Ein Blick über den bayerischen Tellerrand erweitert den Horizont, von wegen Wunschdenken!
    Abschließend greife ich gerne Ihre Anmerkung zu Olympia und München auf:
    Dass diese Stadt profitiert hat, ist bekannt – interessiert mich als Nürnberger und Franken aber nicht mal peripher. Im Gegenteil: Die Kosten dafür musste zum größten Teil „der dumme Rest“ Bayerns zahlen, v.a. der damals noch reichlich zum bayerischen Steueraufkommen beitragende Industriestandort Nürnberg – und was hatte Nürnberg und seine Bürger davon…?

Kommentare sind geschlossen.