Zum Beispiel: Der Oberbürgermeister

von André Freud:

Gestern am Stadtteilfest in St. Leonhard: OB Maly kam, und er blieb nicht nur eine Rede lang. Da er nicht wirklich als leidenschaftlicher Partygänger bekannt ist, ist dies zu erwähnen und, wie ich meine, lobend zu erwähnen. Hier ist er schon öfter Gegenstand gewisser Betrachtungen gewesen, und die meisten davon sparten nicht mit Kritik. Deswegen soll auch einmal, in aller Fairness und im Bemühen um eine redliche, eine inhaltliche Auseinandersetzung, eine kleine Positionsbestimmung erfolgen.

Niemand ist herabzuwürdigen, nur weil er einer anderen Partei angehört. Im Gegenteil – es ist immer besser, einer engagiert sich in einer Partei, als daß er nur die Nase aus dem Fenster steckt und mosert. Das gilt für alle demokratischen Parteien und Organisationen, die wir in Nürnberg so haben: CSU, SPD, FDP, FW, Grüne, die Guten und womöglich noch einige kleinere. Von dieser Gruppe der demokratischen Parteien, die für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten, sind natürlich die Braunen auszunehmen. Ich erlaube mir, für mich auch die SEDPDSLinkspartei davon auszunehmen. Und bei den Piraten – ja, mei, ob das nun eine Partei ist? Aber im Zweifel: auch deren Engagement ist, bis zum Beweis des Gegenteils, zunächst einmal grundsätzlich zu loben. Zugleich aber gilt, daß ein wenig gutmütiger Spott sein darf. Wenn ein CSUler von „Sozis“ spricht, ist das nicht boshaft. Umgekehrt bin ich nicht beleidigt, wenn einer von der „schwarzen Staatspartei“ spricht. Derlei hält man aus, wir sind in Bayern – und die Libertas Bavariae gilt für alle. Grundsätzlich also: Engagement im vorpolitischen wie im politischen Raum ist lobenswert.

Wenn einer es schafft, zum Oberbürgermeister von Bayerns zweitgrößter Stadt gewählt zu werden, muß er gewisse Qualitäten haben. Wenn nun an dem so Gewählten vieles kritisiert wird, so ist dabei zugleich nicht zu vergessen, daß er es schaffte, sich erst innerparteilich als Kandidat und dann vor der Bürgerschaft als OB durchzusetzen. Zugleich kann dieser Erfolg natürlich nicht vor Kritik schützen, und Kritik darf – gerade im Kontext der Lokalpolitik, die immer auch stark personenorientiert ist – auch an der Person orientiert sein, solange sie dem Inhalt nach sachlich ist. Es wäre unangebracht, den Menschen Maly zu kritisieren, aber es ist angebracht, den OB Maly zu kritisieren. Und dafür gibt es genügend Anlaß, wie ich meine.

Nun ist ein Blog wie dieser nicht dazu gedacht, eine Art verbaler Bierzeltauseinandersetzung zu sein. Ich bin bemüht, für meine Spitzen sachliche Argumente zu haben. Als Form wähle ich zuweilen die Philippika – denn diese ist wie kaum eine andere rhetorische Form dazu geeignet, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen. Andererseits – jeder Mensch hat andere Grenzen. Ich will diese dort, wo sie nicht unvernünftig sind, gerne wahren. Wenn sich einmal jemand nicht in der Sache, sondern als Person unfair oder zu spitz angegriffen fühlen sollte, dann lasse er mich dies wissen. Es ist zuweilen ein schmaler Grat. Wenn ich ihn verlasse, dann – so meine Selbstbeobachtung – ohne Arg. In diesem Falle also bitte: Nachricht an mich, öffentlich oder direkt.

Ich möchte und ich werde diesen Blog auch weiterhin nicht als eine langweilige Worthülsenangelegenheit betreiben – davon haben wir genug -, sondern als einen engagierten Blog. Allerdings habe ich mir vorgenommen, auch den politischen Mitbewerber (früher durfte man noch „Gegner“ sagen, aber in unserer weichgespülten Sprachwelt gilt das als nicht mehr opportun) gelegentlich zu loben. „Gelegentlich“ bedeutet: wenn er mir eine Gelegenheit dazu gibt.

Bild: Freud

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