Wir sprechen Kirchweih

von André Freud:

Wohl in keinem Landstrich der Welt werden so viele Kirchweihen begangen wie in Franken. In fast jedem Dorf, in fast jedem Viertel einer Stadt finden sie statt, die Feste rund um den Jahrestag der Einweihung der Kirche. Es hat schon immer dazu gehört, daß die Großkopferten der Politik dazu erschienen und ihr Bestes gaben, um dem Volk zu sagen, wohin die Reise gehen soll, warum und auf welche Weise.

Im Bierzelt ist nicht der rechte Ort für intellektuelle Spielchen. Nicht, weil die Menschen das nicht verstünden – sondern weil sie es im Bierzelt anders erwarten. Mal geht man in die Operette, mal in die Oper – und politisch geht man eben gelegentlich ins Bierzelt. Und zwar nicht aus Versehen.

Dort erörtern wir nicht irgendwelche Feinheiten. Das wird anderswo gemacht. Im Bierzelt geht es um etwas anderes, nämlich den Kompaß. Es geht darum, die allgemeine Richtung aufzuzeigen, für sie zu werben und den Menschen zu sagen, warum unsere Richtung besser ist als die der anderen, warum wir den richtigen Kompaß haben.

Auch einer, der CSU wählt, wird gelegentlich mal etwas an dieser Partei auszusetzen haben. Das ist normal. Als Volkspartei, die jedes politische Thema mit einem Standpunkt besetzt, können wir niemanden völlig zufriedenstellen. Das kann überhaupt keine Partei, die mehr als ein Mitglied hat. Worin wir gut sind, das ist, die meisten Menschen ziemlich zufriedenzustellen. Das ist eine ganz ordentliche Leistung.

Die Richtung zu zeigen – dafür ist das Bierzelt da. Zu zeigen, daß wir solidarisch sind mit Griechenland, wenn Griechenland endlich solidarisch wird mit uns und seine Arbeiten erledigt. Zu zeigen, daß wir gerne solidarisch sind mit anderen deutschen Bundesländern und in den Länderfinanzausgleich mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens einzahlen – daß wir das aber nur solange tun, solange die Empfänger – im wesentlichen Berlin – damit vernünftig arbeiten, um dereinst selbst besser dazustehen. Und was macht der Herr Wowereit? Er verballert unfaßbare Summen Geldes in einem gescheiterten Flughafen namens Willy Brandt, während unser Münchner Franz-Josef-Strauß-Airport eine Job-Maschine ist, die bald aus den Nähten platzt.

Finanzminister Markus Söder hielt eine umfassende tour d’horizon, also auf Deutsch: er ritt einmal quer durch den Garten und behandelte fast jedes aktuelle Thema. Er überzeugte dadurch, daß er nicht irgendwelchen Hoffnungen und Träumen nachhing, sondern durch eine nüchterne Analyse dessen, was ist, und realistische Ankündigungen dessen, was sein wird. Wer immer sich fragt, ob er vielleicht einmal CSU wählt, der sollte ein Kirchweih-Veranstaltung wie gestern in Eibach besuchen.

Warum machen das die Sozis kaum? Nun, zum einen haben sie’s schwerer, weil sie nicht so viele sind. Wer möchte als sozialdemokratischer Redner schon gerne in einem Bierzelt vor zwölf Leuten sprechen, von denen drei die Bedienungen, einer der Festwirt und vier die Journalisten der Hofpresse sind? Also, ich gebe gerne zu, der normale SPDler hat’s da schwerer. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Zur Wahrheit gehört nämlich auch, daß sie sich gerne dahinter verstecken – denn sie haben wenig zu sagen. Wie will denn ein bayerischer Oppositionspolitiker die CSU kritisieren? Die Realität gibt der CSU recht: Arbeitsplätze, Schuldenabbau (alleine 2 Milliarden in zwei Jahren), Bildung – überall weist Bayern beste Werte aus. Und wenn man sich anschaut, wo Länder stehen, die von den Sozis regiert werden, und wenn man sich anschaut, wo Länder stehen, die schon seit langem von den Sozis regiert werden, dann wird auch klar, warum die SPD nicht in die Bierzelte geht: weil sie nicht viel zu sagen haben.

Wir von der CSU brauchen uns vor den Menschen nicht zu verstecken. Die Arbeit unserer Partei ist gut. Die Ansichten, die wir vertreten, passen bei Sonne und Sturm, denn wir haben ein gutes Grundsatzprogramm, wir haben den richtigen Kompaß. Und dann haben wir noch den einen oder anderen Redner, der das überzeugend vermittelt.

Deswegen sprechen wir Kirchweih.

Bilder: Freud

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